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Die Chormusik von Arthur Sullivan Drucken E-Mail

„Hark, a thrilling voice is sounding!“

Thumbnail imageKann sich der Ruf eines Komponisten so grundlegend wandeln, dass einem langjährigen „Geheimtipp“ eines Tages wieder die verdiente Anerkennung für seine Musik und seine Leistungen zuteilwird? Einige Beispiele dafür hat es gegeben, man denke nur an Purcell oder Mahler. Auch Arthur Sullivan (1842–1900) ist ein höchst geeigneter Kandidat für eine Renaissance. Er selbst besaß das, was er an seinen Vorgängern aus Elisabethanischer Zeit wie Tallis, Dowland, Gibbons und Byrd lobte, nämlich „eine genauso gute Technik“, eine „überragende melodische Erfindung“ sowie „gesunden Menschenverstand in der Musik“, der sich auszeichnet durch „eine angenehme Verständigkeit, Empfindsamkeit, treffliche Textbehandlung und den Willen, aus Kompositionen mehr zu machen als lediglich technische, mechanische Puzzle“.

Anfänge einer Wiederentdeckung

Thumbnail imageBei kaum einem anderen namhaften Komponisten haben neue Forschungsergebnisse und Editionen von zuverlässigem Notenmaterial in den letzten zwanzig Jahren so viele Fortschritte gebracht wie bei dem Engländer Arthur Sullivan. In Deutschland taucht in Chorkonzerten gelegentlich sein Part Song „The long day closes“ auf, seltener hört man „It came upon the midnight clear“ oder „Lead, kindly light“; wirkliche Ausnahmen sind bis jetzt Aufführungen der großen Werke für Chor und Orchester (wie 2011 von „The Prodigal Son“ in Münster oder Teilaufführungen von „The Light of the World“ in Itzehoe). Öfter erlebt man in Theatern bislang unzulängliche Produktionen von einem seiner Bühnenwerke – war es im 20. Jahrhundert vornehmlich „Der Mikado“, so ist in den letzten zwanzig Jahren vor allem die komische Oper „Die Piraten von Penzance“ populär geworden (gute, keineswegs seine besten Stücke). Dieses simplifizierende Sullivan-Bild ist in der ernst zu nehmenden Forschung schon seit langem ad acta gelegt worden. Dadurch ergeben sich neue, viel spannendere Optionen: So bieten sich für Opernhäuser und besonders ambitionierte Chöre bei den dramatischen Kantaten sogar szenische bzw halb-szenische Aufführungen an, gab es doch schon zu Sullivans Lebzeiten in England eine Bühnenaufführung von „The Martyr of Antioch“ durch eine Operngesellschaft (1898) und in Deutschland wurde eine halb-szenische Darbietung mit Kostümen (2010) von einem der erfolgreichsten und bedeutendsten Werke des 19. Jahrhunderts versucht: „The Golden Legend“, das auf Hartmann von Aues mittelalterliche Geschichte vom „Armen Heinrich“ zurückgeht. Wie wichtig Arthur Sullivan die Chormusik war, belegt dass sein erstes und sein letztes Werk eine Chorkomposition waren. Und wie lohnend die Wiederentdeckung ist, zeigen die Themen und die Qualität der Musik.

Sullivans Bedeutung für die englische Musik

Die moderne englische Musikgeschichte beginnt mit Arthur Sullivans 1861/62 entstandener Musik zu Shakespeares Drama „The Tempest“, in der es wie auch in seiner anderen herausragenden Bühnenmusik zu „Macbeth“ (1888) kurze Passagen für Chor gibt. Durch diese Shakespeare-Bezüge schlug Sullivan zugleich eine Brücke zu Henry Purcells „Tempest“-Komposition aus dessen Sterbejahr 1695. Beide Künstler gaben der englischen Musik wesentliche Impulse. In dem Jahrhundert, in dem Purcells Leistungen erst wiederentdeckt wurden, legte Sullivan wesentliche Grundlagen für den Aufschwung, den die Musik aus Großbritannien im 20. Jahrhundert nehmen sollte: Sullivans Instrumentationskunst wurde der Maßstab, den man später für das Lob Elgars zugrunde legte, und sein 70-minütiges Oratorium über Jesu Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ sowie das umfangreiche mehrstündige Werk über das Leben Jesu, „The Light of the World“, waren zumindest thematisch bedeutende Vorläufer für Elgars „The Light of Life“ sowie dessen Oratorien über das frühe Christentum. Mit seinen dramatischen Kantaten gab Sullivan dem Genre entscheidende Impulse. Ferner schrieb er den ersten englischen Liederzyklus, eine der ersten wirklich hörenswerten englischen Sinfonien und legte die Grundlagen für die englische Oper. Manche seiner Kirchenlieder finden sich noch heute in anglikanischen Gesangbüchern; seine Anthems und Part Songs bieten einige der besten Beispiele für diese Genres. Sullivan hat eindrucksvolle Beiträge zu allen musikalischen Gattungen geleistet, mit Ausnahme der Solomusik für Orgel. Doch Orgeln nutzte er in seinen Werken und Szenen mit einem sakralen Duktus.

Sakrale Chormusik

Thumbnail imageNeben gut sechzig Gesängen für die liturgische Verwendung – darunter „Hark, a thrilling voice is sounding!“, das auch in manchen Spielfilmen erklingende „Onward, Christian soldiers!“ und sogar Arrangements russischer Kirchenmusik („Turn thee again“, „Mercy and truth“) – finden sich in Sullivans Œuvre zwei umfangreiche Te Deum-Vertonungen und etliche Anthems, für die der Komponist zumeist Psalmtexte verwendete. Beim Anthem handelt es sich um das anglikanische Pendant zur Motette der katholischen Liturgie. Frühe Werke aus den 1860er Jahren sind zumeist homophon und stellen rhythmisch und harmonisch keine allzu hohen Anforderungen („O love the Lord“, „We have heard with our ears“ u. a.). Anspruchsvoller gestaltet sind unter anderem das Anthem „I will mention Thy loving kindness“ für Solo-Tenor, Chor und Orgel (1875) mit zwei tonartlich und thematisch eigenständig gehaltenen Teilen sowie die dreiteiligen Anthems „Hearken unto Me, My people“ nebst „I will sing of Thy power“ (beide 1877), bei dem der mittlere der drei Sätze von einem Andante für Tenor und Orgel gebildet wird.

Thumbnail imageAls Chorknabe der Chapel Royal und durch seine Tätigkeit als Organist und Kantor im London der 1860er Jahre besaß Sullivan intensive Erfahrungen mit der Chorarbeit. „Meine Sakralkompositionen sind die Früchte meiner lebhaftesten Fantasie“, sagte er später, „die Kinder einer meiner größten Stärken sowie die Ergebnisse ernsthaftester Überlegungen und unablässiger Mühen.“

Höchst eigenwillig sind dementsprechend auch die beiden umfangreichen Te Deum-Vertonungen für Chor und Orchester, die im Abstand von fast dreißig Jahren entstanden (ein frühes homophones, von der Orgel begleitetes Te Deum und Jubilate steuerte Sullivan 1866 für eine Notensammlung für Laienchöre bei). Das gut halbstündige „Festival Te Deum“ schrieb Sullivan 1872 anlässlich der Genesung des Prinzen von Wales von Typhus. Die sieben Abschnitte unterscheiden sich deutlich voneinander: Mal dominiert der Chor, mal tritt die Gesangssolistin in den Vordergrund (wie bei „To thee Cherubim and Seraphim“, „When Thou tookest upon Thee to deliver man“ und „O Lord, save Thy people“), ein Part, den bei der Londoner Uraufführung mit Thérèse Tietjens eine der berühmtesten Sopranistinnen ihrer Zeit übernahm. Nur ein Chor und Orchester sind erforderlich für das 1902 posthum uraufgeführte „Te Deum Laudamus“, eine Auftragskomposition anlässlich der Beendigung des Burenkriegs. Es handelt sich um ein sehr zurückhaltendes, nur gut 15-minütiges Werk: Nach dem ersten Drittel erhält Sullivans Musik im Anschluss an eine Fanfare mit barockem Gestus den Charakter eines Trauermarsches. Mit einem Selbstzitat, das zu Beginn und im letzten Drittel des Te Deums zu hören ist, nimmt der Komponist sogar Bezug auf beide Kriegsparteien: Von der Leitmelodie von „Onward, Christian soldiers“  können sich sowohl die Buren als auch die Briten, die beide Christen sind, angesprochen fühlen. In Anbetracht des vermeintlich martialischen Charakters des Textes muss man bedenken, dass es in der zweiten Zeile „...marching as to war“ (als ob man in den Krieg zöge) und keineswegs „off to war“ (zieht in den Krieg) heißt. Die Melodie des Kirchenliedes schleicht sich gegen Ende wieder ein. Nach der Lobpreisung gewinnt sie bei der abschließenden Bitte um Gottes Erbarmen erst allmählich an Kontur. Hier wird der Befindlichkeit der Hinterbliebenen mehr Beachtung geschenkt als dem Stricken fragwürdiger Heldenmythen. Dementsprechend kann man dieses Werk durchaus als Vorläufer für Elgars „For the Fallen“ (1916) und Brittens „War Requiem“ (1962) betrachten.

Weltliche Chormusik

Im 19. Jahrhundert war das Singen daheim oder in Glee Clubs noch üblich und so waren Part Songs sehr verbreitet, die sich in Sammlungen oder als Notenbeilagen zu Musikzeitschriften großer Beliebtheit erfreuten. Für diese mehrstimmigen Gesänge („part“ bedeutet „Gesangsstimme“) reichte es schon aus, wenn jede Stimme zumindest einfach besetzt war – je nach Möglichkeit konnten die Ensembles auch größer ausfallen. Unter den 18 Stücken findet man dreizehn weltliche und fünf geistliche Part Songs, darunter zwei Weihnachtslieder, sogenannte „carols“ („I Sing the Birth“ und „It Came Upon the Midnight Clear“). Herausragende Beispiele der Gattung sind vor allem „O Hush Thee, My Babie“ (auf einen Text von Walter Scott), eine Miniatur mit Haydn’scher Verschmitztheit, das kunstvoll geformte „The Rainy Day“ (Henry Wadsworth Longfellow), das harmonisch besonders aparte „Evening“ (Lord Houghtons Übertragung von Goethes „Über allen Gipfeln ist Ruh“) sowie das atmosphärisch fesselnde „The Long Day Closes“ (Henry Chorley). Auch wenn es sich um ein Abendlied handelt, das auch gerne zum Abschluss von Konzerten verwendet wird, ist der Text durchsetzt mit Metaphern für das Altern und Sterben. Ungeachtet der subtilen rhythmischen und harmonischen Varianten zwischen den einzelnen Strophen strahlt das Stück große Gelassenheit, Kontemplation und Würde aus.

Werke für Chor und Orchester

Thumbnail imageVon der Anlage her wirken Stücke für Solisten, Chor und Orchester wie „Kenilworth“ oder „The Golden Legend“ oratorienartig, allerdings sind es keine, denn in Oratorien werden, streng genommen, nur biblische Stoffe behandelt. Sullivan verwendete sehr genaue Bezeichnungen bei seinen großen dramatischen Werken für Bühne, Konzertsaal oder Sakralraum. Wesentlich für seine Chorwerke dieser Art ist, dass sie am besten zur Geltung kommen, indem ihr opernhafter Duktus betont wird. Wie die von ihm hoch geschätzten Komponisten Schumann und Berlioz nutzte Sullivan bei dramatischen Stoffen, für die sich damals kein Opernhaus finden ließ, das Konzertpodium als imaginäre Bühne. In der Masque „Kenilworth“ (1864) entwickelte er im Geiste der Divertissements des 16. Jahrhunderts ein abwechslungsreiches „Festprogramm“ mit feierlichen Gesängen, Tänzen, Geschichten und Anspielungen auf die Liebe des Besitzers der Burg Kenilworth, Robert Dudley, und Königin Elizabeth I.

Bei der dramatischen Kantate „On Shore and Sea“ (1871) entfaltete Sullivan ein weites Panorama von Stilen und Klangfarben. Ein Matrose und sein Mädchen werden durch einen Krieg getrennt und finden nach langen Irrwegen wieder zueinander. Das Meer führt sie zu Grenzerfahrungen, die zur Lebensreife beitragen. Der Chor schlüpft mal in die Rolle von Muslimen – deren Musik durch orientalische Harmonien und viel Schlaginstrumente, darunter türkische Glocken und Schellen, ein exotisches Flair erhält –, mal in die von Seeleuten. Im Schlusschor „Sink and scatter, clouds of war“ (Verblasst und zerstiebt, Kriegswolken) werden nicht vergangene oder zukünftige militärische Triumphe besungen, sondern der Chor verleiht der Hoffnung auf Frieden Ausdruck.

Oratorien

Sullivans Chorwerke waren zu seiner Zeit so erfolgreich, dass Notenmaterial zumeist schon im Jahr der Uraufführung veröffentlicht wurde. Bei „The Prodigal Son“ (1869) belebte er ein in die Jahre gekommenes Genre neu, indem er opernhafte Gestaltungselemente verwendete. In einem Vorwort hatte Sullivan seine künstlerischen Intentionen dargelegt: Für ihn war der verlorene Sohn niemand, „der von Natur aus gefühllos und verkommen ist – eine Sichtweise, die viele Kommentatoren hegten, die offensichtlich wenig Kenntnis der menschlichen Natur und keinerlei Erinnerungen an ihre eigenen jugendlichen Impulse haben –, sondern eher ein lebensfroher, ruheloser junger Mensch, der der heimischen Monotonie überdrüssig ist und begierig, zu sehen, was hinter den engen Grenzen des väterlichen Bauernhofes liegen mag“. Um das Geschehen zu vermitteln und die Handlung voranzutreiben, bediente sich Sullivan zwar noch eines traditionellen Erzählers bzw. testo, doch an dramatischen Schnittstellen verzichtete er auf diesen. Um zu veranschaulichen, wie – so der Komponist – der Sohn „voll Vertrauen auf seine eigene Naivität und Begeisterungsfähigkeit fortgeht und allmählich mancherlei Torheiten und Sünden verfällt, die ihm anfangs noch zuwider und fremd waren“, kann dann der Chor neben hymnischen Gesängen schließlich bei der Szene „Let us eat and drink“ in die Rolle der Zechkumpanen schlüpfen. Auch bei den Solisten sind vor allem bei den Szenen von Vater und Sohn darstellerische Qualitäten gefordert.

Thumbnail imageDie Anregung für den Titel von Sullivans Oratorium „The Light of the World“ (1873) gab das gleichnamige Gemälde des präraffaelitischen Künstlers William Holman Hunt, von dem auch eine Reproduktion in Sullivans Arbeitszimmer hing. Sullivan schildert Episoden aus dem Leben Jesu Christi, allerdings grenzte er sich von traditionellen Ansichten ab, indem er betonte: „Bei diesem Oratorium bestand die Absicht nicht darin, die spirituelle Vorstellung vom Erlöser zu vermitteln, wie im ‚Messias‘, oder an die Leiden Christi zu gemahnen wie in der ‚Passionsmusik‘, sondern die menschlichen Aspekte vom Leben unseres Herrn auf Erden darzustellen, wofür einige tatsächliche Geschehnisse aus seinem Werdegang als Beispiele dienen, die insbesondere seine Tätigkeit als Prediger, Heiler und Prophet umfassen.“ Dementsprechend verzichtete Sullivan auf einen Erzähler und gestaltete ein Handlungsoratorium, das von der Geburt bis zum Tod fesselnde und meditative Momente vereint. Als erstes englisches Oratorium, in dem die Gestalt Jesu als handelnde Person eingeführt wird, hinterließ das Werk auch bei Elgar Eindruck.

Dramatische Kantaten

Der Einfluss von Arthur Sullivans dramatischen Kantaten ist spürbar bis zu Elgars „The Dream of Gerontius“ (1900) und Waltons „Belshazzar's Feast“ (1931). Die Geschichte der Margarethe von Antiochien wird in „The Martyr of Antioch“ (1880) in einer als „Sacred Musical Drama“ bezeichneten, gut 80-minütigen Tour de force erzählt, bei der die Chorsängerinnen und -sänger mal als „Heiden“, mal als Christen auftrumpfen dürfen.

Thumbnail imageIn der etwa 100-minütigen „dramatic cantata“ „The Golden Legend“ (1886) bietet sich sogar die Möglichkeit, als Gefolgsleute Luzifers zu brillieren – doch wie immer bei Sullivan ist Vielseitigkeit gefordert, denn der Chor muss auch Pilgergesänge, Abendgebete und anspruchsvolle Wechselgesänge mit den Solisten beisteuern. Der Komponist verwendete Longfellows Adaptation von „Der arme Heinrich“, der beeinflusst von Goethe noch die Figur des Luzifers einbringt, wodurch das Werk eine Faust’sche Dimension erhält. Die Verwandtschaft zu Berlioz’ „dramatischer Legende“ „Fausts Verdammnis“ wird spürbar, zumal Sullivan mit dessen Werk bestens vertraut war – der Engländer trachtete danach, anstatt Nummern-Kantaten bei der Vertonung zusammenhängende Szenen aus einem Guss zu gestalten. Sullivan entwarf ein wirkungsvolles Wechselspiel von lyrischen Elementen und Momenten, in denen die Handlung vorangetrieben wird. Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte „The Golden Legend“ zu den am meisten ausgeführten Werken in Großbritannien neben dem „Messias“ und „Elias“. Die musikalisch packende Vertonung hat das Potenzial, nun auch wieder zum Repertoirestück zu werden, sofern die Qualität der Aufführung überzeugt – doch die Anforderungen, die die große englische Chorliteratur des 19. Jahrhunderts stellt, sind nicht zu unterschätzen.

Aufführungspraxis

Thumbnail imageWährend sich Part Songs und Kirchenmusik für kleinere Ensembles eignen und Anthems auch für Kammerchöre lohnend sind, stellen Sullivans große Chorwerke allein an die Besetzungsgröße hohe Anforderungen. Im sangesfreudigen Großbritannien des 19. Jahrhunderts ging die Anzahl der Chormitglieder nicht selten in die Hunderte. Allein bei der Uraufführung von „The Golden Legend“ sollen über 300 Mitwirkende beteiligt gewesen sein. Nun kann man heutzutage allein aus Platzgründen nicht immer solchen Aufgeboten nacheifern, aber die Botschaft lautet: Englische Chorwerke jener Zeit brauchen stark und ausgewogen besetzte große Chöre mit Durchschlagskraft, Klangpracht und Ausdrucksvermögen. Sullivan nutzte und genoss die Möglichkeit, bei den großen Musikfestivals seiner Zeit mit größeren Orchestern zu arbeiten und dementsprechend dürfen auch bei der Besetzung keine Abstriche gemacht werden (zumeist doppelte Holzbläser; jeweils einfach Englischhorn, Bassklarinette, Kontrafagott; vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, eine Ophikleide bzw. Tuba, Harfe nebst Schlaginstrumenten und Orgel). In Briefen äußerte sich der Komponist sehr verärgert über Bearbeitungen, denn „Orchesterfarben spielen in meinem Werk eine so große Rolle, dass es seinen Reiz verliert, wenn sie ihm genommen werden“ – und gelegentlich drohte er bei Missachtung auch schon mal mit Aufführungsverboten. Es versteht sich von selbst, dass auch die Auswahl der Solisten sehr sorgfältig getroffen werden muss – zu Lebzeiten arbeitete Sullivan mit den besten Sängerinnen und Sängern seiner Epoche zusammen, die auch für seine Kantaten und Oratorien zumeist aus dem Opernbereich kamen. Historische Aufnahmen zeigen, dass keineswegs ein zurückhaltender, oratorienhaft-weihevoller Stil gefragt war, sondern ein dramatisch zupackender Gestus, bei dem die Interpreten ihre Rollen wie Opernhelden zum Leben erwecken und ihre Texte nicht kantatenhaft psalmodierend, sondern voller Emphase und Anteilnahme vortragen. Für Chor und Orchester gilt, was Verdi einst schrieb: „Es ist besser, mit Lebhaftigkeit zu sündigen, als dahinzukriechen“. Nach eigenem Bekunden  wollte sich Sullivan von den hehren Passionsmusiken und der „Messias“-Frömmigkeit abgrenzen. Dementsprechend kann man seine großen Werke nur angemessen realisieren, wenn man Sullivans Ideal erfüllt, das Orchester mit „Feuer und farblichen Abstufungen spielen zu lassen“ sowie „perfekt“ im Klang, der voller „Kraft und Ton“ sein muss.

Archiv des VDKC

Weblinks

Buchtipps

  • Ulrich Tadday (Hrsg.): Arthur Sullivan, Musik-Konzepte Heft 151, München 2011.
  • Albert Gier / Meinhard Saremba / Benedict Taylor (Hrsg.): SullivanPerspektiven I – Arthur Sullivans Opern, Kantaten, Orchester- und Sakralmusik, Essen 2012.
  • Albert Gier / Meinhard Saremba / Benedict Taylor (Hrsg.): SullivanPerspektiven II – Arthur Sullivans Bühnenwerke, Oratorien, Schauspielmusik und Lieder, Essen 2014.
  • Antje Tumat / Meinhard Saremba / Dr. Benedict Taylor (Hrsg.): SullivanPerspektiven III – Arthur Sullivans Musiktheater, Kammermusik, Chor- und Orchesterwerke, Essen 2017.
  • Meinhard Saremba: “‘...unconnected to the schools‘ – Edward Elgar and Arthur Sullivan”, in Martin Bird, Martin (Hrsg.): The Elgar Society Journal (Zeitschrift der Elgar Society), vol. 17, No. 4, April 2012, S. 4–23 (ISSN 0143-1269).
  • Link http://elgar.org/elgarsoc/wp-content/uploads/2014/04/Vol.-17-No.-4-April-2012-Compressed.pdf.
  • Im Sullivan-Journal, dem Magazin der Deutschen Sullivan-Gesellschaft e. V., finden sich etliche Analysen zu Sullivans Chorwerken bereits online – siehe http://www.sullivan-forschung.de/html/a2-journal.html.
  • Ian Bradley: Lost Chords and Christian Soldiers – The Sacred Music of Arthur Sullivan, London 2013.
  • Robin Gordon-Powell: Sullivan’s “The Golden Legend”, Retford 2012.

CD-Tipps

  • The Golden Legend
    Watson, Rigby, Wilde, Black, New London Orchestra and Chorus, Dir.: Ronald Corp, Hyperion CDA 67280 (2 CDs)
  • The Martyr of Antioch
    Foster, Knight, Brown, Jones, Godward, Buxton Festival Chorus, The Northern Chamber Orchestra, Dir.: Richard Balcombe, Symposium 1289 (1 CD)
  • The Prodigal Son / Te Deum laudamus
    Rutter, Denley, Wilde, Magee, New London Orchestra and Chorus, Dir.: Ronald Corp, Hyperion CDA 67423 (1 CD)
  • Festival Te Deum u.a.
    Cahill, London Choral Society, BBC Symphony Orchestra, Dir.: Charles Mackerras, BBC MM203 (1 CD)
  • The Light of the World
    (wird im April 2017 erstmals mit einem professionellen Ensemble eingespielt, voraussichtlich 3 CDs; bisher kursierende CDs bieten unzulängliche Amateurproduktionen)
  • Kenilworth / On Shore and Sea
    Silver, Darmanin, Winter, Maxwell, Victorian Opera Northwest, Dir.: Richard Bonynge Dutton CD 1247 (1 CD)
  • Macbeth / The Tempest
    BBC Singers, BBC Concert Orchestra, Dir.: John Andrews, Dutton 2CDLX7331 (2 CDs)
  • The Church Music of Arthur Sullivan
    Choir of Keble College Oxford, Priory Records PRCD691 (1 CD)
  • Hymnmakers – Hymns by Sullivan
    Scottish Festival Singers, Kingsway Music KMCD 2277 (1 CD)
  • That Glorious Song of Old – Choral Music of Arthur Sullivan
    The Choir of Ely Cathedral, Cantoris CRCD 2368 (1 CD)

Meinhard Saremba
28.11.2016

Der Verband Deutscher KonzertChöre dankt dem Autoren, Meinhard Saremba, sowie der Deutschen Sullivan-Gesellschaft e.V. herzlich für diesen Beitrag und die freundliche Unterstützung.

 

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Handbuch und Checkliste Konzertorganisation

Neuer Band in der VDKC-Schriftenreihe

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Handbuch und Checkliste Konzertorganisation
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