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Start Service Werkeinführungen Rossini, Gioachino: Stabat Mater
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Gioachino Rossini: Stabat Mater
Autor: Margot Feinendegen, Wortanzahl: 1.138
Lizenzgebühr für Chöre, die nicht Mitglied im VDKC sind: 27,08 € inkl. MwSt.

Verbindliche Nutzungshinweise

1. Die Nutzung des Textes für Programmhefte ist für Mitgliedschöre des VDKC, die selbst an der Aufführung des Werkes beteiligt sind, unter Angabe der Quelle (Autor und Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verbandes Deutscher KonzertChöre.), kostenfrei.
2. Chöre, die kein VDKC-Mitglied sind, können den Text gegen Zahlung einer Lizenzgebühr und unter Angabe der Quelle (Autor und Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verbandes Deutscher KonzertChöre.), verwenden. Die Gebühr ergibt sich jeweils aus der Anzahl der Wörter und wird anteilig vom VDKC an den Autoren weitergeleitet. Die Zahlung leisten Sie bitte vor Verwendung des Textes auf folgendes Konto: VDKC, IBAN: DE60 8205 4052 0305 0198 48, BIC: HELADEF1NOR bei der Kreissparkasse Nordhausen.

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Das Stabat Mater von Gioachino Rossini scheint zunächst gar nicht zum Ende des Kirchenjahres mit seinen Gedanken zum Ende der Zeit zu passen – eher ordnet man es dem Karfreitag zu. Dieser hochemotionale Text, der Passionsfrömmigkeit des Mittelalters entsprungen, wird Jacopone da Todi (†1306), von anderen Autoren Bonaventura (†1274) zugeschrieben. Liturgische Verwendung findet die Sequenz heute nur noch am Fest der Schmerzen Marias (15.9.). Unzählige Vertonungen namhafter Komponisten sind überliefert. Wikipedia zählt 49 auf, davon allein 20 seit 1950. Der Text, der von seiner Sprachgestalt her so gar nicht mehr in unsere Zeit zu passen scheint, ist von etlichen Komponisten offensichtlich als symbolhafter Ausdruck für heutige Erfahrungen verstanden worden: die abgrundtiefe Trauer und Klage über den ungerechten, gewaltsamen Tod eines geliebten Menschen. Aus dieser Perspektive kommen Musikkennern, die in der Musik J. S. Bachs und allenfalls noch Anton Bruckners den Maßstab für geistliche Musik sehen, Zweifel auf, ob ein Komponist wie Gioachino Rossini, von dem sie fast nur Opern, dabei vor allem Buffo-Opern im Belcanto-Stil kennen und der sich angeblich in seiner zweiten Lebenshälfte fast nur noch mit der Kochkunst beschäftigte, ob der eine angemessene Vertonung des Stabat Mater zustande bringen könne. Ein oberflächliches Hören scheint dem Zweifel an manchen Stellen zunächst Recht zu geben. Aber Rossini hat den Text offensichtlich genau gelesen und auch die Hoffnung herausgehört, die vor allem in den letzten Strophen deutlich wird: das Leiden Christi und das Mitleiden der Mutter sind nicht sinnlos, sondern schenken dem Beter die Hoffnung auf die „Herrlichkeit des Paradieses".
Gioa(c)chino Rossini wurde 1792 in Pesaro (Italien) geboren und starb 1868 in Ruelle bei Paris. Sein Vater war Hornist, Dirigent und gelegentlich auch Impresario, seine Mutter Sängerin. Bereits als 12-jähriger trat Rossini als Komponist in Erscheinung, als 13-jähriger stand er als Sopran auf der Opernbühne. Nach Studien in Bologna wurde er 1810 in Venedig erstmals als Opernkomponist gefeiert. Bis zu seinem freiwilligen Rückzug von der Bühne 1829 sollten es 39 Opern (inklusive Eigenbearbeitungen) werden. Seit 1824 lebte er als einflussreicher Opernkomponist und Leiter der italienischen Oper in Paris. Zwei Jahre später wurde er königlicher Hofkomponist und Generalinspekteur des Gesangs in Frankreich. 1829 schrieb Rossini mit „Wilhelm Tell" die letzte Oper seines Lebens. Von 1836 bis 1848 wirkte er in Bologna als Direktor des Musiklyzeums. Er komponierte auch weiterhin, widmete sich aber mehr der geistlichen und der Kammermusik. Krankheiten und Depressionen lösten eine schwere Schaffenskrise bei ihm aus, die sich erst 1855, als er bereits nach Paris zurückgekehrt war, löste. Ab 1857 entstanden seine Alterswerke, die er selbstironisch „Péché de vieillesse" (Alterssünden) nannte; 1863 komponierte er die „Petite Messe solennelle", sein zweites großes Kirchenmusikwerk.
Nach seinem Rückzug vom Opernbetrieb, auf einer Spanienreise im Jahre 1831 begegnete er dem Erzdiakon von Madrid, Varela, der ihm den Auftrag zu einer Vertonung des Stabat Mater erteilte. Ein Jahr später überreichte Rossini ihm die handschriftliche Partitur, erwähnte aber nicht, dass einige der Sätze nicht von ihm stammten, sondern von seinem Landsmann Tadolini, dem Kapellmeister am Théâtre-Italien in Paris. Zehn Jahre später gelangte das Manuskript in die Hände des Pariser Musikverlegers Aulagnier, der es gegen den Willen Rossinis veröffentlichte. Rossini sah sich zum Eingreifen genötigt und bot seinem Pariser Hausverleger Troupenas das Stabat Mater in einer revidierten Fassung an, für die er die Sätze Tadolinis nun durch eigene ersetzte. Es sind die heutigen Sätze 2 bis 4 und der Amen-Schlusssatz. Das Werk fand sowohl in Paris als auch in Italien große Anerkennung, in Deutschland empfanden einige Kritiker es als „zu opernhaft".
Rossini konnte bei der Komposition natürlich auf seine großen Erfahrungen auf dem Gebiet der Oper zurückgreifen: seine Fähigkeit, menschliche Gefühle nachvollziehbar in Musik umzusetzen, sein Gespür für den Aufbau von Dramatik, seine Kunst, den Sängerinnen und Sängern auch sangliche Melodien in die Kehle zu diktieren. Dabei war er ein wachsamer Beobachter der europäischen Musikströmungen, schätzte vor allem die Wiener Klassik, Haydn und Mozart. Hinzu kam seine Vertrautheit mit der italienischen Kirchenmusik. Er war von Jugend auf ein Bewunderer von Pergolesis Stabat Mater, hatte selber schon eine nicht geringe Anzahl von Kirchenmusik-Werken komponiert.
Beim genauen Hinhören wird Rossinis tiefes Eindringen in den Text des Stabat Mater deutlich. Im folgenden seien einige Beispiele genannt:
Nach der Wiederholung von vier fragenden Eröffnungstakten und einigen abgerissen stammelnden, abwärts fallenden Akkorden beginnt erst der eigentliche Satz Stabat Mater im 6/8-Takt, g-Moll, düster, zerrissen, nach unten ziehend, mit plötzlichem, hämmernden Aufschrei im Fortissimo, das dann ins Pianissimo zurücksinkt zum kanonartig einsetzenden Chor: Stand die Mutter voller Schmerzen ... Und hier wird der 6/8-Takt zum Wiegenlied! Vor Augen tritt uns das andere Bild der Schmerzensmutter: die Pieta, die auf ihren Knien, wo sie einst ihr liebes Kind wiegte, nun den toten Sohn trägt. Doch mit harten Fortissimo-Schlägen des Chores, die wie angenagelt an einen Ton fixiert sind, wird bei den Worten als ihr Sohn da hing wieder an das Kreuz erinnert.
Die folgende Tenor-Arie Cujus animam gementem kommt einem nach dem im Schmerz fast verstummenden und dann mit einem Aufschrei endenden ersten Satz zunächst unangemessen fröhlich vor: doch die komplexen Harmonien im Untergrund und die durch große Sprünge und scharfe Punktierungen zerrissene Melodie lassen den Schmerz der Mutter doch ahnen.
Der dritte Satz Quis est homo, der zum Mitfühlen auffordert, ist sinnvoller Weise ein Duett. Es zeigt, mit welch unscheinbaren Mitteln Rossini die Stimmung verändern kann: das Motiv „Quis est homo" könnte militärisch klingen, wenn der Komponist nicht den zweiten Ton um einen Halbton erniedrigt hätte: so spürt man immer wieder ein schmerzliches Einknicken.
Der fünfte Satz Eja Mater fasst in seinem Text die Intention der ganzen Sequenz zusammen: ...gib, dass ich die Macht des Schmerzes fühle, dass ich mit dir trauere; lass, mein Herz entbrennen in der Liebe zu Christus, dem Herrn, damit ich ihm gefalle! Nach der Vertonung dieser Worte in einem strengen A-cappella-Satz hatte Rossini wohl den Eindruck, er habe das Wort Liebe noch nicht deutlich genug in Musik gefasst. So schiebt er einige „lieb"liche Takte zu „in amando Christum Deum" ein.
Ähnliches geschieht im zweiten A-cappella-Satz (Nr. 9) Quando corpus morietur – Wenn der Leib stirbt, hilf, dass der Seele geschenkt wird die Herrlichkeit des Paradieses. Wenn der Mensch stirbt, steht er letztlich ganz alleine da (und hat keine irdische/instrumentale Begleitung mehr). Nach der quälenden chromatischen Passage am Anfang taucht plötzlich zu den Worten „Paradisi gloria" etwas wie eine Siegesfanfare oder wie die Auferstehung aus dem Grab auf. Der Schluss des Satzes deutet diese Worte dann noch mal anders: er lässt an „ewige Ruhe" denken.
Ein fulminantes Amen bildet im letzten Satz die Bekräftigung dieses Glaubens: es ist eine Doppelfuge mit dem ersten Thema auf die Worte „in sempiterna saecula" – in Ewigkeit – und dem zweiten auf „Amen". Kurz vor dem Ende zitiert Rossini noch einmal den Anfang des ersten Satzes, wie es Komponisten gerne tun, um die Einheit des ganzen Werkes zu betonen. Man könnte aber auch denken, Rossini habe daran erinnern wollen, wodurch das gute Ende „erkauft" wurde.

Margot Feinendegen
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verbandes Deutscher KonzertChöre.


 

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