Nr. 1
- Einleitung (Largo - Vivace)
Die Einleitung stellt den
Übergang vom Winter zum Frühling vor.
Rezitativ
SIMON Seht, wie der strenge Winter
flieht!
Zum fernen Pole zieht er hin.
Ihm
folgt auf seinen Ruf
der
wilden Stürme brausend Heer,
mit
grässlichem Geheul.
LUKAS Seht,
wie vom schroffen Fels der Schnee
in
trüben Strömen sich ergießt!
HANNE Seht,
wie von Süden her
durch
laue Winde sanft gelockt,
der
Frühlingsbote streicht!
CHOR Komm,
holder Lenz! Des Himmels Gabe, komm!
FCHOR Er
nahet sich, der holde Lenz,
schon
fühlen wir den linden Hauch,
Aus
ihrem Todesschlaf erwecke die Natur!
bald
lebet alles wieder auf.
MCHOR Frohlocket
ja nicht allzufrüh,
oft
schleicht, in Nebel eingehüllt,
der
Winter wohl zurück,
und
streut auf Blüt' und Keim
sein
starres Gift
CHOR Komm,
holder Lenz, des Himmels Gabe, komm!
Auf
unsre Fluren senke dich!
O
komm, holder Lenz, und weile länger nicht!
SIMON Vom
Widder strahlet jetzt
die
helle Sonn' auf uns herab.
Nun
weichen Frost und Dampf
und schweben laue Dünst' umher;
der Erde Busen ist gelöst,
erheitert ist die Luft.
SIMON Schon
eilet froh der Ackermann
zur
Arbeit auf das Feld,
in
langen Furchen schreitet er
dem Pfluge flötend nach.
In abgemessnem Gange dann
wirft
er den Samen aus,
den
birgt der Acker treu und reift
ihn
bald zur gold'nen Frucht.
Schon
eilet froh ...
LUKAS Der
Landmann hat sein Werk vollbracht
und
weder Müh' noch Fleiß gespart.
Den
Lohn erwartet er aus Händen der Natur
Und
fleht darum den Himmel an.
Nr. 6 -
Terzett mit Chor (Bittgesang)
LUKAS Sei
nun gnädig, milder Himmel!
Öffne dich und träufe Segen
über unser Land herab.
CHOR Sei
nun gnädig, milder Himmel!
Öffne dich und träufe Segen
über unser Land herab.
LUKAS Lass
deinen Tau die Erde wässern!
SIMON Lass
Regenguss die Furchen tränken!
HANNE Lass
deine Lüfte wehen sanft,
lass
deine Sonne scheinen hell!
ALLE Uns
sprießet Überfluß alsdann,
und
deiner Güte Dank und Ruhm.
CHOR Sei
nun gnädig, milder Himmel!
Öffne
dich und träufe Segen
Über
unser Land herab.
Nr. 7 -
Rezitativ
HANNE Erhört
ist unser Fleh'n,
der
laue West erwärmt
und
füllt die Luft
mit feuchten Dünsten an.
Sie häufen sich; nun fallen
sie
und gießen in der Erde
Schoß
den
Schmuck und Reichtum der Natur.
HANNE O
wie lieblich ist der Anblick
der
Gefilde jetzt!
Kommt, ihr Mädchen, lasst
uns wallen,
lasst uns wallen auf der
bunten Flur.
LUKAS O
wie lieblich ist der Anblick
der
Gefilde jetzt!
Kommt, ihr Bursche, lasst
uns wallen,
lasst uns wallen zu dem
grünen Hain.
CHOR O
wie lieblich ist der Anblick
der
Gefilde jetzt!
Kommt, ihr Bursche, lasst
uns wallen,
lasst uns wallen zu dem
grünen Hain.
HANNE Seht
die Erde, seht die Wasser,
seht
die helle Luft!
LUKAS Alles
lebet, alles schwebet, alles reget sich.
HANNE Seht
die Lämmer, wie sie springen!
LUKAS Seht
die Fische, welch Gewimmel!
HANNE Seht
die Bienen, wie sie schwärmen!
LUKAS Seht
die Vögel, welch Geflatter!
CHOR Alles
lebet, alles schwebet,
alles
reget sich.
Welche Freude, welche Wonne
schwellet unser Herz!
Süße
Triebe, sanfte Reize
heben
unsre Brust!
SIMON Was
ihr fühlet, was euch reizet,
ist
des Schöpfers Hauch.
CHOR Lasst
uns ehren, laßt uns loben,
lasst
uns preisen ihn!
Lasst
erschallen, ihm zu danken,
eure
Stimmen hoch!
Es
erschallen, ihm zu danken,
unsre
Stimmen hoch!
Ewiger,
mächtiger, gütiger Gott!
H L S Von
deinem Segensmahle
Hast
du gelabet uns.
MCHOR Mächtiger
Gott!
H L S Vom
Strome deiner Freuden
Hast
du getränket uns..
Gütiger
Gott!
CHOR Ewiger,
mächtiger, gütiger Gott!
SIMON Ewiger!
LUKAS Mächtiger!
HANNE Gütiger
Gott!
CHOR Ehre,
Lob und Preis sei dir,
ewiger,
mächtiger, gütiger Gott!
Nr. 9
- Einleitung und Rezitativ
Die Einleitung stellt die Morgendämmerung
vor.
LUKAS In grauem Schleier rückt heran
das sanfte Morgenlicht.
Mit lahmen Schritten weicht
vor ihm
die träge Nacht zurück.
Zu
düstren Höhlen flieht
der
Leichenvögel blinde Schar;
ihr
dumpfer Klageton
beklemmt
das bange Herz nicht mehr.
SIMON Des
Tages Herold meldet sich;
mit
scharfem Laute rufet er
zu
neuer Tätigkeit
den
ausgeruhten Landmann auf.
SIMON Der
muntre Hirt versammelt nun
Die
frohen Herden um sich her,
zur fetten Weid' auf grünen
Höh'n
treibet er sie langsam
fort.
Nach Osten blickend steht
er dann,
auf seinem Stabe
hingelehnt,
zu seh'n den ersten
Sonnenstrahl,
welchem er entgegen harrt.
HANNE Die
Morgenröte bricht hervor,
wie Hauch verflieget das
leichte Gewölk,
der Himmel pranget im hellen
Azur,
der Berge Gipfel im
feurigen Gold.
HANNE Sie
steigt herauf, die Sonne, sie steigt.
H L Sie
naht, sie kommt.
CHOR Sie
scheint in herrlicher Pracht,
in
flammender Majestät!
Heil,
o Sonne, Heil!
Des Lichts und Lebens
Quelle, Heil!
O du des Weltalls Seel und
Aug,
der
Gottheit schönstes Bild!
Dich
grüßen dankbar wir!
H L S Wer
spricht sie aus, die Freuden alle,
die
deine Huld in uns erweckt?
Wer
zählet sie, die Segen alle,
die
deine Mild auf uns ergießt?
CHOR Die
Freuden! O wer spricht sie aus?
Die
Segen! O wer zählet sie?
Wer
spricht sie aus? Wer zählet sie? Wer?
HANNE Dir
danken wir, was uns ergötzt.
LUKAS Dir
danken wir, was uns belebt.
SIMON Dir
danken wir, was uns erhält.
H L S Dem
Schöpfer aber danken wir,
was
deine Kraft vermag
.CHOR Heil!
O Sonne Heil!
Des Lichts und Lebens
Quelle, Heil!
Dir jauchzen alle Stimmen,
dir jauchzet die Natur.
SIMON Nun
regt und bewegt sich alles umher;
ein buntes Gewühl bedecket
die Flur.
Dem braunen Schnitter
neiget sich
der
Saaten wallende Flut.
Die Sense blitzt - da sinkt
das Korn.
Doch steht es bald und
aufgehäuft
in festen Garben wieder da.
LUKAS Die
Mittagssonne brennet jetzt in voller Glut
und
gießt durch die entwölkte Luft
ihr mächtiges Feu'r in
Strömen hinab.
Ob den gesengten Flächen
schwebt,
in
nieder'm Qualm, ein blendend Meer
von
Licht und Widerschein.
LUKAS Dem
Druck erlieget die Natur.
Welke Blumen, dürre Wiesen,
trockne Quellen,
alles zeigt der Hitze Wut,
und
kraftlos schmachten Mensch und Tier
am
Boden hingestreckt.
HANNE Willkommen
jetzt, o dunkler Hain,
wo
der bejahrten Eiche Dach
kühlenden
Schirm gewährt,
und wo der schlanken Espe
Laub
mit leisem Gelispel
rauscht!
Am weichen Moose rieselt da
in heller Flut der Bach,
und fröhlich summend irrt
und wirrt
die bunte Sonnenbrut.
Der Kräuter reinen
Balsamduft
verbreitet Zephirs Hauch,
und
aus dem nahen Busche tönt
des
jungen Schäfers Rohr.
HANNE Welche
Labung für die Sinne!
Welch'
Erholung für das Herz!
Jeden
Aderzweig durchströmet,
und in jeder Nerve bebt
erquickendes Gefühl.
Die Seele wachet auf zum
reizenden Genuss,
und neue Kraft erhebt durch
milden Drang die Brust.
SIMON O seht! Es steiget in der schwülen Luft
am
hohen Saume des Gebirgs
von
Dampf und Dunst ein fahler Nebel auf. Empor
gedrängt, dehnt er sich aus,
und
hüllet bald den Himmelsraum
in
schwarzes Dunkel ein.
LUKAS Hört,
wie vom Tal ein dumpf Gebrüll
den
wilden Sturm verkünd't!
Seht,
wie von Unheil schwer,
die finstre Wolke langsam
zieht,
und drohend auf die Ebne
sinkt.
HANNE In
banger Ahnung stockt das Leben der Natur:
Kein
Tier, kein Blatt beweget sich,
und
Todesstille herrscht umher.
CHOR Ach,
das Ungewitter naht!
Hilf uns, Himmel! O wie der
Donner rollt!
O wie die Winde toben! Wo
fliehn wir hin?
Flammende Blitze
durchwühlen die Luft;
den zackigen Keilen berstet
die Wolke,
und Güsse stürzen herab.
Wo ist Rettung? Wütend rast
der Sturm;
der weite Himmel entbrennt.
Weh uns Armen!
Schmetternd
krachen Schlag auf Schlag
die
schweren Donner fürchterlich.
Weh uns!
Weh uns!
Erschüttert
wankt die Erde
bis in des
Meeres Grund.
LUKAS Die düstren Wolken trennen sich;
gestillet
ist der Stürme Wut.
HANNE Vor ihrem Untergange
blickt
noch die Sonn' empor,
und
vor dem letzten Strahle glänzt
mit
Perlenschmuck geziert die Flur.
SIMON Zum langgewohnten Stalle kehrt
gesättigt
und erfrischt das fette Rind zurück.
LUKAS Dem Gatten ruft die Wachtel schon.
HANNE Im Grase zirpt die Grille froh.
SIMON Und aus dem Sumpfe quakt der Frosch.
L H
S Die Abendglocke tönt.
Von
oben winkt der helle Stern
und
ladet uns zur sanften Ruh.
MCHOR Mädchen, Bursche, Weiber, kommt!
Unser
wartet süßer Schlaf;
wie
reines Herz, gesunder Leib
und
Tagesarbeit ihn gewährt.
FCHOR Wir gehn, wir gehn, wir folgen euch.
ALLE Die Abendglocke hat getönt.
Von
oben winkt der helle Stern,
und
ladet uns zur sanften Ruh.
D E R H E R B S T
Nr. 19 -
Einleitung und Rezitativ
Der
Einleitung Gegenstand ist des Landmanns freudiges Gefühl über die reiche Ernte.
HANNE Was durch seine Blüte
der Lenz zuerst versprach,
was durch seine Wärme
der Sommer reifen hieß,
zeigt der Herbst in Fülle
dem frohen Landmann jetzt.
LUKAS Den
reichen Vorrat fährt er nun
auf
hochbeladnen Wagen ein.
Kaum fasst der weiten
Scheune Raum,
was ihm sein Feld
hervorgebracht.
SIMON Sein
heitres Auge blickt umher,
es misst den aufgetürmten
Segen ab,
und Freude strömt in seine
Brust.
SIMON So
lohnet die Natur den Fleiß;
ihn
ruft, ihn lacht sie an,
ihn
muntert sie durch Hoffnung auf,
ihm steht sie willig bei;
ihm
wirket sie mit voller Kraft.
H L Von
dir, o Fleiß, kommt alles Heil.
Die
Hütte, die uns schirmt,
die
Wolle, die uns deckt,
die Speise, die uns nährt
ist
deine Gab', ist dein Geschenk.
H L S O Fleiß, o edler Fleiß!
Von dir
kommt alles Heil.
HANNE Du
flößest Tugend ein,
und
rohe Sitten milderst du.
LUKAS Du
wehrest Laster ab
und
reinigest der Menschen Herz.
SIMON Du
stärkest Mut und Sinn
zum
Guten und zu jeder Pflicht.
ALLE O Fleiß, o edler Fleiß!
Von dir
kommt alles Heil.
HANNE Seht,
wie zum Haselbusche dort
die
rasche Jugend eilt!
An
jedem Aste schwinget sich
der
Kleinen lose Schar,
und der bewegten Staud'
entstürzt
gleich Hagelschau'r die
lock're Frucht.
SIMON Hier
klimmt der junge Bau'r
den
hohen Stamm entlang,
die
Leiter flink hinauf.
Vom Wipfel, der ihn deckt,
sieht er sein Liebchen nahn,
und ihrem Tritt entgegen
fliegt dann im trauten
Scherze
die runde Nuss herab.
LUKAS Im
Garten stehn um jeden Baum
die Mädchen groß und klein,
dem Obste, das sie klauben,
in frischer Farbe gleich.
LUKAS Ihr
Schönen aus der Stadt, kommt her!
Blickt
an die Töchter der Natur,
die weder Putz noch
Schminke ziert.
Da seht mein Hannchen,
seht!
Ihr
Schönen kommt,
blickt an die Töchter der
Natur,
die weder Putz noch
Schminke ziert.
Da seht mein Hannchen,
seht!
Ihr blüht Gesundheit auf den
Wangen,
im Auge lacht
Zufriedenheit,
und aus dem Munde spricht
das Herz,
wenn sie mir Liebe schwört.
HANNE Ihr
Herrchen süß und fein, bleibt weg!
Hier
schwinden eure Künste ganz,
und
glatte Worte wirken nicht,
man
gibt euch kein Gehör.
Nicht Gold, nicht Pracht
kann uns verblenden,
ein redlich Herz ist, was
uns rührt;
und
meine Wünsche sind erfüllt,
wenn
treu mir Lukas ist.
LUKAS Blätter
fallen ab, Früchte welken hin,
Tag
und Jahr vergehn, nur meine Liebe nicht.
HANNE Schöner
grünt das Blatt,
süßer
schmeckt die Frucht,
heller
glänzt der Tag,
wenn
deine Liebe spricht.
H L Welch
ein Glück ist treue Liebe!
Unsre Herzen sind vereinet,
trennen kann sie Tod allein.
LUKAS Liebstes
Hannchen!
HANNE Liebster
Lukas!
H L Lieben
und geliebet werden
Ist
der Freuden höchsterGipfel,
ist
des Lebens Wonn’ und Glück.
SIMON Nun
zeiget das entblößte Feld
der
ungebetnen Gäste Zahl,
die
an den Halmen Nahrung fand
und irrend jetzt sie weiter
sucht.
Des kleinen Raubes klaget
nicht
der Landmann, der ihn kaum
bemerkt;
dem Übermaße wünscht er
doch
nicht ausgestellt zu sein.
Was ihn dagegen sichern
mag,
sieht er als Wohltat an,
und willig fröhnt er dann
zur Jagd,
die seinen guten Herrn
ergötzt.
SIMON Seht
auf die breiten Wiesen hin!
Seht wie der Hund im Grase
streift!
Am Boden suchet er die Spur
und geht ihr unablässig
nach.
Jetzt
aber reißt Begierd' ihn fort,
er horcht auf Ruf und
Stimme nicht mehr.
Er eilet zu haschen ... da
stockt sein Lauf,
und
steht er unbewegt wie Stein.
Dem
nahen Feinde zu entgehn,
erhebt
der scheue Vogel sich,
doch rettet ihn nicht
schneller Flug.
Es blitzt, es knallt, ihn
erreichet das Blei,
und
wirft ihn tot aus der Luft herab.
LUKAS Hier
treibt ein dichter Kreis
die
Hasen aus dem Lager auf.
Von allen Seiten
hingedrängt
hilft ihnen keine Flucht.
Schon
fallen sie, und liegen bald
in
Reihen freudig hingezählt.
CHOR Hört
das laute Getön,
das dort im Walde klinget.
Welch ein lautes Getön
durchklingt den ganzen
Wald!
Es
ist der gellenden Hörner Schall,
der
gierigen Hunde Gebelle.
Schon flieht der
aufgesprengte Hirsch,
ihm rennen die Doggen und
Reiter nach.
Er flieht, er flieht, o wie
er sich streckt!
O wie er springt, o wie er
sich streckt!
Da
bricht er aus den Gesträuchen hervor
und läuft über Feld in das
Dickicht hinein.
Jetzt hat er die Hunde
getäuscht,
zerstreuet schwärmen sie
umher.
Die
Hunde sind zerstreut,
sie schwärmen hin und her.
Tajo! Tajo Tajo!
Der Jäger Ruf, der Hörner
Klang
versammelt aufs neue sie,
Ho, ho, ho! Tajo!
Mit
doppeltem Eifer stürzet nun
der Haufe vereint auf die
Fährte los.
Tajo! Tajo! Tajo!
Von seinen Feinden eingeholt,
an Mut und Kräften ganz
erschöpft,
erlieget nun das schnelle
Tier.
Sein nahes Ende kündigt an
des tönenden Erzes
Jubellied,
der
freudigen Jäger Siegeslaut: Halali!
HANNE Am
Rebenstocke blinket jetzt
die helle Traub im vollen
Safte,
und
ruft dem Winzer freundlich zu,
dass
er zu lesen sie nicht weile.
SIMON Schon
werden Kuf' und Fass
zum
Hügel hingebracht,
und
aus den Hütten strömet
zum
frohen Tagewerk das muntre Volk herbei.
HANNE Seht,
wie den Berg hinan
von Menschen alles wimmelt!
Hört, wie der Freudenton
von jeder Seit' erschallet!
LUKAS Die
Arbeit fördert lachender Scherz,
vom
Morgen bis zum Abend hin,
und
dann erhebt der brausende Most
die Fröhlichkeit zum
Lustgeschrei.
CHOR Juhe,
der Wein ist da,
die
Tonnen sind gefüllt,
nun
lasst uns fröhlich sein,
und
juhe, juhe, ju,
aus
vollem Halse schrei'n!
Lasst uns trinken, trinket
Brüder,
lasst uns fröhlich sein!
Lasst uns singen, singet
alle,
lasst
uns fröhlich sein!
Es
lebe der Wein!
Es lebe das Land, wo er uns reift!
Es lebe das Faß, das ihn verwahrt!
Es lebe der Krug, woraus er fließt!
Es lebe der Wein!
Kommt,
ihr Brüder!
Füllt die Kannen, leert die Becher,
lasst uns fröhlich sein,
und
juhe, juhe, ju
aus
vollem Halse schrein!
Juhe, es lebe der Wein!
Nun tönen die Pfeifen
und wirbelt die Trommel,
und wirbelt und wirbelt die Trommel.
Hier kreischet die Fiedel,
da schnarret die Leier
und dudelt
der Bock.
Schon hüpfen die Kleinen,
und springen die Knaben;
dort fliegen die Mädchen
im Arme der Bursche
den
ländlichen Reih'n!
Heißa, hoppsa, laßt uns hüpfen!
Ihr Brüder
kommt! Laßt uns springen!
Die
Kannen füllt, laßt uns tanzen!
Die Becher leert,
heida, laßt uns fröhlich sein!
Jauchzet, lärmet, juhe, ju!
Springet, tanzet, heißa, hoppsa!
Nun fassen wir den letzten Krug,
und
singen dann im vollen Chor
dem
freudenreichen Rebensaft!
Es lebe der Wein, der edle Wein,
der Grillen und Harm verscheucht!
Sein Lob ertöne laut und hoch,
in
tausendfachem Jubelschall.
Heida, lasst
uns fröhlich sein,
aus vollem
Halse schrein.
D E R W I N T E R
SIMON Nun senket sich das blasse Jahr
und
fallen Dünste kalt herab.
Die
Berg' umhüllt ein grauer Dampf,
der
endlich auch die Flächen drückt,
und am
Mittage selbst
der
Sonne matten Strahl verschlingt.
HANNE Aus Lapplands Höhlen schreitet her
der
stürmisch düstre Winter jetzt.
Vor seinem
Tritt erstarrt
in
banger Stille die Natur.
HANNE Licht und Leben sind geschwächet,
Wärm' und
Freude sind verschwunden.
Unmutsvollen
Tagen folget
schwarzer
Nächte lange Dauer.
LUKAS Gefesselt steht der breite See,
gehemmt in
seinem Laufe der Strom.
Im Sturze
vom türmenden Felsen hängt
gestockt
und stumm der Wasserfall.
Im dürren
Haine tönt kein Laut.
Die Felder
deckt, die Täler füllt
ein'
ungeheure Flockenlast.
Der
Erde Bild ist nun ein Grab,
wo Kraft
und Reiz erstorben liegt,
wo
Leichenfarbe traurig herrscht,
und wo dem
Blicke weit umher
nur öde
Wüstenei sich zeigt.
LUKAS Hier steht der Wandrer nun,
verwirrt und
zweifelhaft,
wohin
den Schritt er lenken soll.
Vergebens
suchet er den Weg,
ihn
leitet weder Pfad noch Spur.
Vergebens
strenget er sich an,
und
watet durch den tiefen Schnee;
er
find't sich immer mehr verirrt.
Jetzt
sinket ihm der Mut,
und
Angst beklemmt sein Herz,
da er den
Tag sich neigen sieht,
und
Müdigkeit und Frost
ihm alle
Glieder lähmt.
Jetzt
sinket ihm der Mut,
und
Angst beklemmt sein Herz,
doch
plötzlich trifft sein spähend Aug'
der
Schimmer eines nahen Lichts.
Da
lebt er wieder auf,
vor
Freude pocht sein Herz.
Er
geht, er eilt der Hütte zu,
wo
starr und matt er Labung hofft.
LUKAS So wie er naht, schallt in sein Ohr,
durch
heulende Winde nur erst geschreckt,
heller
Stimmen lauter Klang.
HANNE Die warme Stube zeigt ihm dann
des
Dörfchens Nachbarschaft
vereint
im trauten Kreise,
den Abend
zu verkürzen,
mit
leichter Arbeit und Gespräch.
SIMON Am Ofen schwatzen hier
von
ihrer Jugendzeit die Väter,
zu Körb'
und Reusen flicht die Weidengert',
und Netze
strickt der Söhne
muntrer
Haufe dort.
Am
Rocken spinnen die Mütter,
am
laufenden Rade die Töchter;
und ihren
Fleiß belebt
ein
ungekünstelt frohes Lied.
CHOR Knurre, schnurre, knurre,
schnurre,
Rädchen, schnurre!
HANNE Drille, Rädchen, lang und fein,
drille
fein ein Fädelein,
mir
zum Busenschleier.
CHOR Knurre, schnurre, knurre,
schnurre,
Rädchen, schnurre!
HANNE Weber, webe zart und fein,
webe
fein das Schleierlein,
mir
zur Kirmessfeier.
CHOR Knurre, schnurre, knurre,
schnurre,
Rädchen, schnurre!
HANNE Außen blank und innen rein
muss des
Mädchens Busen sein,
wohl deckt
ihn der Schleier.
CHOR Knurre, schnurre, knurre,
schnurre,
Rädchen, schnurre!
HANNE Außen blank und innen rein
fleißig,
fromm und sittsam sein,
locket
wack're Freier.
CHOR Außen blank und innen rein
fleißig,
fromm und sittsam sein,
locket
wack're Freier.
LUKAS Abgesponnen ist der Flachs,
nun
steh'n die Räder still.
Da
wird der Kreis verengt,
und von dem
Männervolk umringt,
zu horchen
auf die neue Mär,
die Hanne
jetzt erzählen wird.
HANNE Ein Mädchen, das auf Ehre hielt,
liebt'
einst ein Edelmann,
da
er schon längst nach ihr gezielt,
traf er
allein sie an.
Er stieg
sogleich vom Pferd und sprach:
Komm,
küsse deinen Herrn!
Sie rief
vor Angst und Schrecken: Ach!
Ach ja,
von Herzen gern.
CHOR Ei, ei, ei, ei, warum nicht nein?
HANNE Sei ruhig, sprach er, liebes Kind,
und
schenke mir dein Herz!
Denn
meine Lieb ist treu gesinnt,
nicht
Leichtsinn oder Scherz.
Dich
mach ich glücklich,
nimm
dies Geld, den Ring, die gold'ne Uhr,
und
hab ich sonst, was dir gefällt,
o
sag's und fordre nur.
CHOR Ei, ei, ei, ei, das klingt recht fein.
HANNE Nein, sagt sie, das wär' viel gewagt,
mein
Bruder möcht' es sehn,
und
ackert hier uns allzunah,
sonst
könnt es wohl geschehn.
Schaut
nur, von jenem Hügel da,
könnt ihr
ihn ackern sehn.
CHOR Ho, ho, ho, ho, was soll das sein?
HANNE Indem der Junker geht und sieht,
schwingt
sich das lose Kind
auf
seinen Rappen und entflieht
geschwinder
als der Wind.
Lebt wohl!
rief sie, mein gnäd'ger Herr,
so räch
ich meine Schmach!
Ganz
eingewurzelt stehet er
und gafft
ihr staunend nach.
CHOR Ha, ha, ha, ha, das war recht fein.
SIMON Von dürrem Oste dringt
ein
scharfer Eishauch jetzt hervor.
Schneidend
fährt er durch die Luft,
verzehret
jeden Dunst
und hascht
des Tieres Odem selbst.
Des grimmigen Tyranns,
des
Winters Sieg ist nun vollbracht,
und
stummer Schrecken drückt
den ganzen
Umfang der Natur.
SIMON Erblicke hier, betörter Mensch,
erblicke
deines Lebens Bild!
Verblühet
ist dein kurzer Lenz,
erschöpfet
deines Sommers Kraft.
Schon
welkt dein Herbst dem Alter zu,
schon naht
der bleiche Winter sich
und zeiget
dir das offne Grab.
Wo sind
sie nun, die hoh'n Entwürfe,
die
Hoffnungen von Glück,
die
Sucht nach eitlem Ruhme,
der
Sorgen schwere Last?
Wo
sind sie nun, die Wonnetage,
verschwelgt
in Üppigkeit?
Und
wo, und wo die frohen Nächte,
im
Taumel durchgewacht?
Verschwunden
sind sie wie ein Traum.
Nur
Tugend bleibt.
Die bleibt
allein und leitet uns
unwandelbar
durch Zeit und Jahreswechsel,
durch
Jammer oder Freude
bis
zu dem höchsten Ziele hin.
SIMON Dann bricht der große Morgen an,
der
Allmacht zweites Wort erweckt
zum
neuen Dasein uns,
von
Pein und Tod auf immer frei.
L S Die Himmelspforten öffnen sich,
der
heil'ge Berg erscheint.
Ihn krönt
des Herren Zelt,
wo Ruh und
Friede thront.
CHOR Wer darf durch diese Pforten gehn?
H L S Der Arges mied und Gutes tat.
CHOR Wer darf besteigen diesen Berg?
H L S Von dessen Lippen Wahrheit floß.
CHOR Wer darf in diesem Zelte wohnen?
H L S Der Armen und Bedrängten half.
CHOR Wer wird den Frieden dort genießen?
H L S Der Schutz und Recht der Unschuld gab.
CHOR O seht! Der große
Morgen naht.
O
seht, er leuchtet schon!
Die
Himmelspforten öffnen sich,
der
heil'ge Berg erscheint.
Vorüber
sind, verbrauset sind
die
leidensvollen Tage,
des
Lebens Winterstürme.
Ein
ew'ger Frühling herrscht,
und
grenzenlose Seligkeit
wird der
Gerechten Lohn.
H L
S Auch uns werd' einst ein
solcher Lohn!
Lasst
uns wirken, laßt uns streben!
CHOR Lasst uns kämpfen! Lasst uns harren,
zu
erringen diesen Preis!
Uns
leite deine Hand,
o
Gott, verleih uns Stärk und Mut!
Dann
gehen wir ein
In
deines Reiches Herrlichkeit.
Amen.
Amen.