Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Matthäus-Passion (BWV
244, 1727)
Text von Picander
(Pseudonym für Christian Friedrich Henrici)
ERSTER TEIL
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Nr. 01 Chor
I, II Knabenchor |
Kommt,
ihr Töchter, helft mir klagen; Sehet! Wen? Den Bräutigam. Seht
ihn! Wie? Als wie ein Lamm. Sehet!
Was? Seht die Geduld. Seht!
Wohin? Wohin? Auf unsre Schuld. Sehet
ihn aus Lieb und Huld Holz
vom Kreuze selber tragen. O
Lamm Gottes unschuldig Am
Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit
erfund’n geduldig, Wiewohl
Du warest verachtet. All‘
Sünd hast Du getragen, Sonst
müßten wir verzagen. Erbarm
Dich unser, o Jesu. |
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Nr. 02
Rezitativ |
(Evangelist, Jesus) Da
Jesus diese Rede vollendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern: „Ihr wisset,
daß nach zweien Tagen Ostern wird, und des Menschen Sohn wird überantwortet
werden, daß er gekreuziget werde.“ |
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Nr. 03
Choral |
Herzliebster
Jesu, was hast Du verbrochen, Daß
man ein solch hart Urteil hat gesprochen? Was
ist die Schuld, in was für Missetaten Bist
Du geraten? |
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Nr. 04 Rezitativ |
(Evangelist) Da
versammelten sich die Hohenpriester und Schriftgelehrten und
die Ältesten im Volk in dem Palast des Hohenpriesters, der da hieß Kaiphas;
und hielten Rat, wie sie Jesum mit Listen griffen und töteten. Sie sprachen
aber: |
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Nr. 05 Chor I, II |
Ja
nicht auf das Fest, auf daß nicht ein Aufruhr werde im Volk. |
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Nr. 06 Rezitativ |
(Evangelist) Da
nun Jesus war zu Bethanien im Hause Simonis des Aussätzigen, trat zu ihm ein
Weib, das hatte ein Glas mit köstlichem Wasser, und goß es auf sein Haupt, da
er zu Tische saß. Da das seine Jünger sahen, wurden sie unwillig und
sprachen: |
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Nr. 07 Chor I |
Wozu
dienet dieser Unrat? Dieses Wasser hätte mögen teuer verkauft und den Armen
gegeben werden. |
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Nr. 08 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus) Da
das Jesus merkete, sprach er zu ihnen: „Was bekümmert ihr das Weib? Sie hat
ein gut Werk an mir getan! Ihr habet allezeit Arme bei euch, mich aber habt
ihr nicht allezeit. Daß sie dies Wasser auf meinen Leib gegossen, hat sie
getan, daß man mich begraben wird. Wahrlich, ich sage euch: Wo dies
Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem
Gedächtnis, was sie getan hat.“ |
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Nr. 09 Rezitativ |
(Alt) Du lieber Heiland Du, Wenn
Deine Jünger töricht streiten, Daß
dieses fromme Weib mit
Salben Deinen Leib zum
Grabe will bereiten; So
lasse mir inzwischen zu, Von
meiner Augen Tränenflüssen Ein
Wasser auf Dein Haupt zu gießen. |
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Nr. 10 Arie |
(Alt) Buß
und Reu Knirscht
das Sündenherz entzwei, Daß
die Tropfen meiner Zähren Angenehme
Spezerei, Treuer
Jesu, Dir gebären. |
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Nr. 11 Rezitativ |
(Evangelist, Judas) Da
ging hin der Zwölfen einer, mit Namen Judas Ischarioth, zu den
Hohenpriestern, und sprach: „Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch
verraten.“ Und sie boten ihm dreißig Silberlinge. Und von dem an suchte er
Gelegenheit, daß er ihn verriete. |
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Nr. 12 Arie |
(Sopran) Blute
nur, du liebes Herz. Ach,
ein Kind, das du erzogen, Das
an deiner Brust gesogen, Droht
den Pfleger zu ermorden, Denn
es ist zur Schlange worden. |
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Nr. 13 Rezitativ |
(Evangelist) Aber
am ersten Tage der süßen Brot traten die Jünger zu Jesu und sprachen zu ihm: |
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Nr. 14 Chor I |
Wo
willst Du, daß wir Dir bereiten das Osterlamm zu essen? |
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Nr. 15 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus) Er
sprach: „Gehet hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister läßt
dir sagen ,Meine Zeit ist nah, ich will bei dir die Ostern halten mit meinen
Jüngern‘.“ Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte und
bereiteten das Osterlamm. Und am Abend setzte er sich zu Tische mit den
Zwölfen, und da sie aßen, sprach er: "Wahrlich, ich sage euch, einer
unter euch wird mich verraten.“ Und sie wurden sehr betrübt und huben an, ein
jeglicher unter ihnen, und sagten zu ihm (Chor
I): „Herr, bin ich’s?“ |
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Nr. 16 Choral |
Ich
bin’s, ich sollte büßen, An
Händen und an Füßen Gebunden
in der Höll‘. Die
Geißeln und die Banden, Und
was Du ausgestanden, Das
hat verdienet meine Seel‘. |
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Nr. 17 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus,
Judas) Er
antwortete und sprach: „Der mit der Hand mit mir in die Schüssel tauchet, der
wird mich verraten. Des Menschen Sohn gehet zwar dahin, wie von ihm
geschrieben steht; doch wehe dem
Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verraten wird. Es wäre ihm besser,
daß derselbige Mensch noch nie geboren wäre.“ Da antwortete Judas, der ihn verriet,
und sprach: „Bin ich’s, Rabbi?“ Er sprach zu ihm: „Du sagest’s.“ Da sie aber
aßen, nahm Jesus das Brot, dankete und brach’s und gab’s den Jüngern und
sprach: „Nehmet, esset, das ist mein Leib.“ Und er nahm den Kelch und
dankete, gab ihnen den und sprach: „Trinket alle daraus; das ist mein Blut
des Neuen Testaments, welches vergossen wird für viele, zur Vergebung der
Sünden. Ich sage euch, ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des
Weinstocks trinken, bis an den Tag, da ich’s neu trinken werde mit euch in
meines Vaters Reich.“ |
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Nr. 18 Rezitativ |
(Sopran) Wiewohl
mein Herz in Tränen schwimmt, Daß
Jesus von uns Abschied nimmt, So
macht mich doch sein Testament erfreut. Sein
Fleisch und Blut, o Kostbarkeit, Vermacht
er mir in meine Hände. Wie
er es auf der Welt mit den Seinen Nicht
böse können meinen, So
liebt er sie bis an das Ende. |
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Nr. 19 Arie |
(Sopran) Ich
will Dir mein Herze schenken, Senke
Dich, mein Heil, hinein. Ich
will mich in Dir versenken; Ist
Dir gleich die Welt zu klein, Ei,
so sollst Du mir allein Mehr
als Welt und Himmel sein. |
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Nr. 20 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus) Und
da sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Da sprach
Jesus zu ihnen: „In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir. Denn es
steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde
werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen
in Galiläam.“ |
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Nr. 21 Choral |
Erkenne
mich, mein Hüter, Mein
Hirte, nimm mich an. Von
Dir, Quell aller Güter, Ist
mir viel Gut’s getan. Dein
Mund hat mich gelabet Mit
Milch und süßer Kost. Dein
Geist hat mich begabet Mit
mancher Himmelslust. |
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Nr. 22 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus,
Petrus) Petrus
aber antwortete und sprach zu ihm: „Wenn sie auch alle sich an Dir ärgerten,
so will ich doch mich nimmermehr ärgern.“ Jesus sprach zu ihm: „Wahrlich, ich
sage dir, in dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal
verleugnen.“ Petrus sprach zu ihm: „Und wenn ich mit Dir sterben müßte, so
will ich Dich nicht verleugnen.“ Desgleichen sagten auch alle Jünger. |
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Nr. 23 Choral |
Ich
will hier bei Dir stehen; Verachte
mich doch nicht! Von
Dir will ich nicht gehen, wenn
Dir Dein Herze bricht. Wenn
Dein Herz wird erblassen Im
letzten Todesstoß, Alsdann
will ich Dich fassen In
meinen Arm und Schoß. |
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Nr. 24 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus) Da
kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane, und sprach zu seinen Jüngern:
„Setzet euch hier, bis daß ich dorthin gehe und bete.“ und nahm zu sich
Petrum und die zween Söhne Zebedäi und fing an zu trauern und zu zagen. Da
sprach Jesus zu ihnen: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; bleibet hier
und wachet bei mir.“ |
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Nr. 25 Rezitativ |
(Tenor mit Chor) O
Schmerz! Hier zittert das gequälte Herz! Wie
sinkt es hin, wie bleicht sein Angesicht! Der
Richter führt ihn vor Gericht, Da
ist kein Trost, kein Helfer nicht. Er
leidet alle Höllenqualen, Er
soll für fremden Raub bezahlen. Ach,
könnte meine Liebe Dir, mein Heil, Dein
Zittern und Dein Zagen Vermindern
oder helfen tragen, Wie
gerne, wie gerne, wie gerne blieb ich hier! Was
ist dir Ursach‘ aller solcher Plagen? Ach,
meine Sünden haben Dich geschlagen. Ich,
ach Herr Jesu, habe dies verschuldet, Was
Du erduldet! |
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Nr. 26 Arie |
(Tenor mit Chor II) Ich
will bei meinem Jesu wachen, Meinen
Tod büßet seiner Seele Not. Sein
Trauern machet mich voll Freuden. So
schlafen unsre Sünden ein. Drum
muß uns sein verdienstlich Leiden Recht
bitter und doch süße sein. |
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Nr. 27 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus) Und
ging hin ein wenig, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach:
„Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht wie ich
will, sondern wie Du willst.“ |
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Nr. 28 Rezitativ |
(Baß) Der
Heiland fällt vor seinem Vater nieder, Dadurch
erhebt er mich und alle Von
unserem Falle Hinauf
zu Gottes Gnaden wieder. Er
ist bereit, Den
Kelch, des Todes Bitterkeit Zu
trinken, In
welchen Sünden Dieser
Welt gegossen sind und häßlich stinken, Weil
es dem lieben Gott gefällt. |
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Nr. 29 Arie |
(Baß) Gerne
will ich mich bequemen Kreuz
und Becher anzunehmen, Trink
ich doch dem Heiland nach. Denn
sein Mund, der mit Milch und Honig fließet, Hat
den Grund und des Leidens herbe Schmach Durch
den ersten Trunk versüßet. |
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Nr. 30 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus) Und
er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu ihnen: „Könnet ihr
denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in
Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Zum
andernmal ging er hin, betete und sprach: „Mein Vater, ist’s nicht möglich,
daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn, so geschehe Dein Wille.“ |
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Nr. 31 Choral |
Was
mein Gott will, das g’scheh‘ allzeit, Sein
Will‘, der ist der beste; Zu
helfen den’n er ist bereit, Die
an ihn glauben feste; Er
hilft aus Not, Der
fromme Gott, Und
züchtiget mit Maßen. Wer
Gott vertraut, Fest
auf ihn baut, Den
will er nicht verlassen. |
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Nr. 32 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus,
Judas) Und
er kam und fand sie aber schlafend, und ihre Augen waren voll Schlafs. Und er
ließ sie und ging abermals hin und betete zum dritten Mal und redete
dieselbigen Worte. Da kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: „Ach!
Wollt ihr nun schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist hier, daß des
Menschen Sohn in der Sünder Hände überantwortet wird. Stehet auf, lasset uns
gehen, siehe, er ist da, der mich verrät.“ Und als er noch redete, siehe, da
kam Judas, der Zwölfen einer, und mit ihm eine große Schar, mit Schwertern
und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volks. Und der
Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: „Welchen ich küssen
werde, der ist’s, den greifet.“ Und alsbald trat er zu Jesum und sprach:
„Gegrüßet seist du, Rabbi!“ Und küßte ihn. Jesus aber sprach zu ihm: „Mein
Freund, warum bist zu kommen?“ Da traten sie hinzu und legten die Hände an
Jesum und griffen ihn. |
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Nr. 33 Duett |
(Sopran und Alt mit Chor) So
ist mein Jesus nun gefangen, Mond
und Licht Ist
vor Schmerz untergegangen, Weil
mein Jesus ist gefangen, Sie
führten ihn, er ist gebunden. (Chor
I, II) Laßt
ihn, haltet, bindet nicht! Sind
Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden? Eröffne
den feurigen Abgrund, o Hölle. Zertrümmre,
verschlinge mit plötzlicher Wut Den
falschen Verräter, Das
mördrische Blut. |
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Nr. 34 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus) Und
siehe, einer aus denen, die mit Jesu waren, reckete die Hand aus und schlug
des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab. Da sprach Jesus zu ihn:
„Stecke dein Schwert an seinen Ort; denn wer das Schwert nimmt, der soll
durchs Schwert umkommen. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater
bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legion Engel? Wie würde aber
die Schrift erfüllet? Es muß also gehen.“ Zu der Stund‘ sprach Jesus zu den
Scharen: „Ihr seid ausgegangen, als zu einem Mörder, mit Schwertern und mit
Stangen mich zu fahen; bin ich doch täglich bei euch gesessen und habe
gelehret im Tempel, und ihr habt mich nicht gegriffen. Aber das ist alles
geschehen, daß erfüllet würden die Schriften der Propheten.“ Da verließen ihn
alle Jünger und flohen. |
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Nr. 35 Chor I, II, Knabenchor |
O
Mensch, bewein‘ dein Sünde groß; Darum
Christus sein’s Vaters Schoß Äußert
und kam auf Erden. Von
einer Jungfrau rein und zart Für
uns er hier geboren ward. Er
wollt‘ der Mittler werden. Den’n
Toten er das Leben gab, Und
legt‘ dabei all‘ Krankheit ab, Bis
sich die Zeit herdrange, Daß
er für uns geopfert würd‘, Trüg
unsrer Sünden schwere Bürd‘ Wohl
an dem Kreuze lange. |
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ZWEITER TEIL
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Nr. 36 Arie |
(Alt mit Chor) Ach!
Nun ist mein Jesus hin! Ist
es möglich? Kann ich schauen? Ach!
Mein Lamm in Tigerklauen! Ach!
Wo ist mein Jesus hin? Ach!
Was soll ich der Seele sagen, Wen
sie mich wird ängstlich fragen? (Chor II) Wo
ist denn dein Freund hingegangen, O
du Schönste unter den Weibern? Wo
hat sich dein Freund hingewandt? So
wollen wir mit dir ihn suchen. |
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Nr. 37 Rezitativ |
(Evangelist) Die
aber Jesum gegriffen hatten, führeten ihn zu dem Hohenpriester Kaiphas, dahin
die Schriftgelehrten und Ältesten sich versammelt hatten. Petrus aber folgte
ihm nach von ferne bis in den Palast des Hohenpriesters; und ging hinein und
setzte sich bei den Knechten, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte. Die
Hohenpriester aber und Ältesten und der ganze Rat suchten falsch Zeugnis
wider Jesus, auf daß sie ihn töteten und fanden keines. |
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Nr. 38 Choral |
Mir
hat die Welt trüglich gericht’t Mit
Lügen und mit falschem G’dicht, Viel
Netz und heimlich Stricke. Herr,
nimm mein wahr In
dieser G’fahr, B’hüt
mich für falschen Tücken. |
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Nr. 39 Rezitativ |
(Evangelist,
Hoherpriester, Zeugen) Und
wiewohl viel falsche Zeugen herzutraten, fanden sie doch keins. Zuletzt
traten herzu zwei falsche Zeugen und sprachen: „Er hat gesagt: Ich kann den Tempel
Gottes abbrechen und in dreien Tagen denselben bauen.“ Und der Hohepriester
stand auf und sprach zu ihm: „Antwortest du nichts zu dem, was diese wider
dich zeugen?“ Aber Jesus schwieg still. |
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Nr. 40 Rezitativ |
(Tenor) Mein
Jesus schweigt zu falschen Lügen stille, Um
uns damit zu zeigen, daß
sein erbarmungsloser Wille Für
uns zum Leiden sei geneigt, und
daß wir in der gleichen Pein Ihm
sollen ähnlich sein Und
in Verfolgung stille schweigen. |
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Nr. 41 Arie |
(Tenor) Geduld!
Geduld, wenn mich falsche Zungen stechen, Leid‘
ich wider meine Schuld Schimpf und Spott, Ei,
so mag der liebe Gott Meines
Herzens Unschuld rächen. |
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Nr. 42 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus,
Hoherpriester) Und
der Hohepriester antwortete und sprach zu ihm: „Ich beschwöre dich bei dem
lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du seiest Christus, der Sohn Gottes.“
Jesus sprach zu ihm: „Du sagst’s. Doch sage ich euch, von nun an wird’s
geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft
und kommen in den Wolken des Himmels.“ Da zerriß der Hohepriester sein Kleid
und sprach. „Er hat Gott gelästert; was dürfen wir weiter Zeugnis? Siehe,
jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehöret. Was dünket euch?“ Sie
antworteten und sprachen (Chor I, II):
„Er ist des Todes schuldig!“ |
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Nr. 43 Rezitativ |
(Evangelist) Da
speieten sie aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber
schlugen ihn ins Angesicht und sprachen (Chor
I, II): „Weissage uns, Christe, wer ist’s, der dich schlug?“ |
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Nr. 44 Choral |
Wer
hat Dich so geschlagen, mein Heil, Und
Dich mit Plagen so übel zugericht’t? Wie
wir und unsre Kinder; Von
Missetaten weißt Du nicht. |
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Nr. 45 Rezitativ |
(Evangelist, 1. Magd, 2. Magd, Petrus) Petrus
aber saß draußen im Palast; und es trat zu ihm eine Magd und sprach: „Und du
warest auch mit dem Jesus aus Galiläa.“ Er
leugnete aber vor ihnen allen und sprach: „Ich weiß nicht, was du sagest.“
Als er aber zur Tür hinausging, sahe ihn eine andere und sprach zu denen, die
da waren: „Dieser war auch mit dem Jesu von Nazareth.“ Und er leugnete
abermal und schwur dazu: „Ich kenne des Menschen nicht.“ Und über eine kleine
Weile traten hinzu, die da standen und sprachen zu Petro: |
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Nr. 46 Chor II |
„Wahrlich,
du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich.“ (Rezitativ) Da
hub er an, sich zu verfluchen und zu schwörn: „Ich kenne des Menschen nicht!“
Und alsbald krähete der Hahn. Da dachte Petrus an die Worte Jesu, da er zu ihm
sagte: „Ehe der Hahn krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Und ging
heraus und weinete bitterlich. |
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Nr. 47 Arie |
(Alt) Erbarme
Dich, mein Gott, Um
meiner Zähren willen; Schaue
hier, Herz
und Auge weint vor Dir bitterlich. Erbarme
Dich, erbarme Dich! |
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Nr. 48 Choral |
Bin
ich gleich von Dir gewichen, Stell‘
ich mich doch wieder ein; Hat
uns doch Dein Sohn verglichen Durch
sein‘ Angst und Todespein. Ich
verleugne nicht die Schuld, Aber
Deine Gnad und Huld Ist
viel größer als die Sünde, Die
ich stets in mir befinde. |
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Nr. 49 Rezitativ |
(Evangelist, Judas) Des
Morgens aber hielten alle Hohenpriester und die Ältesten des Volkes einen Rat
über Jesum, daß sie ihn töteten. Und banden ihn, führeten ihn hin und
überantworteten ihn dem Landpfleger Pontio Pilato. Da das sahe Judas, der ihn
verraten hatte, daß er verdammt war zum Tode, gereuete es ihn und brachte her
wieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten und sprach:
„Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe.“ Sie sprachen (Chor I, II): „Was gehet uns das an?
Da siehe du zu.“ |
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Nr. 50 Rezitativ |
(Evangelist,
Hoherpriester) Und
er warf die Silberlinge in den Tempel, hub sich davon, ging hin und erhängete
sich selbst. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: „Es
taugt nicht,daß wir sie in den Gotteskasten legen, denn es ist Blutgeld.“ |
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Nr. 51 Arie |
(Baß) Gebt
mir meinen Jesum wieder! Seht,
das Geld, den Mörderlohn, Wirft
euch der verlorne Sohn Zu
den Füßen nieder. |
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Nr. 52 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus,
Pilatus) Sie
hielten aber einen Rat und kauften eines Töpfers Acker darum, zum Begräbnis
der Pilger. Daher ist derselbige Acker genennet der Blutacker, bis auf den
heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten Jeremias,
da er spricht: „Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlt war der
Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel; und haben sie gegeben
um einen Töpfers Acker, als mir der Herr befohlen hat.“ Jesus aber stand vor dem
Landpfleger, und der Landpfleger fragte ihn und sprach: „Du, der Juden
König?“ Jesus aber sprach zu ihm: „Die sagest’s.“ Und da er verklagt ward von
den Hohenpriestern und Ältesten, antwortete er nichts. Da sprach Pilatus zu
ihm: „Hörest du nicht, wie hart sie dich verklagen?“ Und er antwortete ihm
nicht auf ein Wort, also, daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. |
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Nr. 53 Choral |
Befiehl
du deine Wege und was dein Herze kränkt Der
allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt; Der
Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, Der
wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. |
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Nr. 54 Rezitativ |
(Evangelist, Pilatus,
Pilatus‘ Weib) Auf
das Fest aber hatte der Landpfleger Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen loszugeben,
welchen sie wollten. Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, einen
sonderlichen vor andern, der hieß Barrabas. Und da sie versammelt waren,
sprach Pilatus zu ihnen: „Welchen wollet ihr, daß ich euch losgebe? Barrabam,
oder Jesum, von dem gesagt wird, er sei Christus.“ Denn er wußte wohl, daß
sie ihn aus Neid überantwortet hatten. Und da er auf dem Richtstuhl saß,
schickte sein Weib zu ihm und ließ ihm sagen: „Habe du nichts zu schaffen mit
diesem Gerechten; ich habe heute viel erlitten im Traum von seinetwegen.“
Aber die Hohenpriester und die Ältesten überredeten das Volk, daß sie um
Barrabam bitten sollten und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der
Landpfleger und sprach zu ihnen: „Welchen wollt ihr unter diesen zweien, den
ich euch soll losgeben?“ Sie sprachen (Chor
I, II) „Barrabam!“ Pilatus sprach zu ihnen: „Was soll ich denn machen mit
Jesu, von dem gesagt wird, er sei Christus?“ Sie sprachen alle (Chor I, II): „Laß ihn kreuzigen!“ |
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Nr. 55 Choral |
Wie
wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der
gute Hirte leidet für die Schafe; Die
Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, Für
seine Knechte! |
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Nr. 56 Rezitativ |
(Evangelist) Der
Landpfleger sagte: „Was hat er denn Übels getan?“ |
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Nr. 57 Rezitativ |
(Tenor) Er
hat uns allen wohlgetan. Den
Blinden gab er das Gesicht, Die
Lahmen macht‘ er gehend; Er
sagt’s uns seines Vaters Wort, Er
trieb die Teufel fort; Betrübte
hat er aufgericht’t; Er
nahm die Sünder auf und an; Sonst
hat mein Jesus nichts getan. |
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Nr. 58 Arie |
(Sopran) Aus
Liebe will mein Heiland sterben, Von
einer Sünde weiß er nichts, Daß
das ewige Verderben und
die Strafe des Gerichts Nicht
auf meiner Seele bliebe. |
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Nr. 59 Rezitativ |
(Evangelist, Pilatus) Sie
schrien aber noch mehr und sprachen (Chor
I, II): „Laß ihn kreuzigen!“ Da aber Pilatus sahe, daß er nichts
schaffete, sondern daß ein viel größer Getümmel ward, nahm er Wasser und
wusch die Hände vor dem Volk und sprach: „Ich bin unschuldig an dem Blut
dieses Gerechten, sehet ihr zu.“ Da antwortete das ganze Volk und sprach (Chor I, II): „Sein Blut komme über
uns und unsre Kinder.“ Da gab er ihnen Barrabam los; aber Jesum ließ er
geißeln und überantwortete ihn, daß er gekreuziget würde. |
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Nr. 60 Rezitativ |
(Alt) Erbarm
es Gott! Hier
steht der Heiland angebunden. O
Geißelung, O Schläg‘, o Wunden! Ihr
Henker, haltet ein! Erweichet
euch der Seelenschmerz, Der
Anblick solchen Jammers nicht? Ach
ja, ihr habt ein Herz, Das
muß der Martersäule gleich Und
noch viel härter sein. Erbarmt
euch, haltet ein! |
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Nr. 61 Arie |
(Alt) Können
Tränen meiner Wangen nichts erlangen, Oh,
so nehmt mein Herz hinein! Aber
laßt es bei den Fluten, Wenn
die Wunden milde bluten, Auch
die Opferschale sein. |
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Nr. 62 Rezitativ |
(Evangelist) Da
nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesum zu sich in das Richthaus und
sammelten über ihn die ganze Schar; und zogen ihn aus und legeten ihm einen
Purpurmantel an; und flochten eine Dornenkrone und setzten sie auf sein Haupt
und ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und spotteten
ihn und sprachen (Chor I, II): „Gegrüßet seist du, Jüdenkönig!“ Und speieten
ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. |
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Nr. 63 Choral |
O
Haupt, voll Blut und Wunden, Voll
Schmerz und voller Hohn! O
Haupt, zum Spott gebunden Mit
einer Dornenkron! O
Haupt, sonst schön gezieret Mit
höchster Ehr‘ und Zier, Jetzt
aber hoch schimpfieret: Gegrüßet
seist Du mir! Du
edles Angesichte, Dafür
sonst schrickt und scheut Das
große Weltgewichte, Wie
bist Du so bespeit! Wie
bist Du so erbleichet, Wer
hat Dein Augenlicht, Dem
sonst kein Licht nicht gleichet, So
schändlich zugericht’t? |
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Nr. 64 Rezitativ |
(Evangelist) Und
da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm
seine Kleider an und führten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten. Und indem sie
hinausgingen, fanden sie einen Menschen von Kyrene, mit Namen Simon; den
zwangen sie, daß er ihm sein Kreuz trug. |
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Nr. 65 Rezitativ |
(Baß) Ja!
Freilich will in uns das Fleisch und Blut zum Kreuz gezwungen sein; je mehr
es unsrer Seele gut, je herber geht es ein. |
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Nr. 66 Arie |
(Baß) Komm,
süßes Kreuz, so will ich sagen. Mein
Jesu, gib es immer her. Wird
mein Leiden einst zu schwer, So
hilf Du mir es selber tragen. |
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Nr. 67 Rezitativ |
(Evangelist) Und
da sie an die Stätte kamen, mit Namen Golgatha, das ist verdeutschet Schädelstätt‘, gaben sie ihm
Essig zu trinken mit Gallen vermischet; und da er’s schmeckete, wollte er’s
nicht trinken. Da sie ihn aber gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider
und warfen das Los darum; auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den
Propheten: Sie haben meine Kleider unter sich geteilet, und über mein Gewand
haben sie das Los geworfen. – Und sie saßen allda und hüteten sein. Und oben
zu seinem Haupte hefteten sie die Ursach‘ seines Todes beschrieben, nämlich:
Dies ist Jesus, der Juden König. – Und da wurden zween Mörder mit ihm
gekreuziget, einer zur Rechten und einer zur Linken. Die aber vorübergingen,
lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen (Chor I, II): „Der du den Tempel Gottes zerbrichst und bauest ihn
in dreien Tagen, hilf dir selber. Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom
Kreuz.“ Desgleichen auch die Hohenpriester spotteten sein, samt den
Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen (Chor I, II): „Andern hat er geholfen und kann ihm selber nicht
helfen. Ist er der König Israels, so steige er nun vom Kreuz, so wollen wir
ihm glauben. Er hat Gott vertrauet, der erlöse ihn nun, lüstet’s ihn; denn er
hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn.“ |
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Nr. 68 Rezitativ |
(Evangelist) Desgleichen
schmähten ihn auch die Mörder, die mit ihm gekreuziget wurden. |
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Nr. 69 Rezitativ |
(Alt) Ach,
Golgatha, unsel’ges Golgatha! Der
Herr der Herrlichkeit Muß
schimpflich hier verderben, Der
Segen und das Heil der Welt Wird
als ein Fluch ans Kreuz gestellt. Dem
Schöpfer Himmels und der Erden Soll
Erd und Luft entzogen werden. Die
Unschuld muß hier schuldig sterben. Das
gehet meiner Seele nah; Ach,
Golgatha, unsel’ges Golgatha! |
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Nr. 70 Arie |
(Alt mit Chor II) Sehet,
Jesus hat die Hand uns zu fassen ausgespannt; Kommt!
– Wohin? In
Jesu Armen sucht Erlösung, nehmt Erbarmen, Suchet!
– Wo? In Jesu Armen. Lebet,
sterbet, ruhet hier, ihr verlaßnen Küchlein ihr. Bleibet!
– Wo? In Jesu Armen. |
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Nr. 71 Rezitativ |
(Evangelist, Jesus) Und
von der sechsten Stunde an ward eine Finsternis über das ganze Land bis zu
der neunten Stunde. Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut und sprach: „Eli,
Eli, lama asabthani!“ Das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich
verlassen? – Etliche aber, die da standen, die das höreten, sprachen (Chor I): „Der rufet den Elias.“ Und
bald lief einer unter ihnen, nahm einen Schwamm und füllete ihn mit Essig und
steckete ihn auf ein Rohr und tränkete ihn. Die andern aber sprachen (Chor II): „Halt! Halt! Laß sehen, ob
Elias komme und ihm helfe.“ Aber Jesus schrie abermals laut und verschied. |
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Nr. 72 Choral |
Wenn
ich einmal soll scheiden, So
scheide nicht von mir! Wenn
ich den Tod soll leiden, So
tritt Du dann herfür! Wenn
mir am allerbängsten Wird
um das Herze sein, So
reiß mich aus den Ängsten Kraft
Deiner Angst und Pein. |
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Nr. 73 Rezitativ |
(Evangelist) Und
siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stück, von oben an bis unten
aus. Und die Erde erbebete, und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten
sich auf, und standen auf viel Leiber der Heiligen, die da schliefen; und
gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt
und erschienen vielen. Aber der Hauptmann, und die bei ihm waren und
bewahreten Jesum, da sie sahen das Erdbeben und was da geschah, erschraken
sie sehr und sprachen (Chor I, II): „Wahrlich, dieser ist
Gottes Sohn gewesen.“ Und
es waren viel Weiber da, die von ferne zusahen, die da waren nachgefolget aus
Galiläa und hatten ihm gedienet; unter welchen war Maria Magdalena und Maria,
die Mutter Jacobi und Josefs, und die Mutter der Kinder Zebedäi. Am Abend
aber kam ein reicher Mann von Arimathia, der hieß Joseph, welcher auch ein
Jünger Jesu war. Der ging zu Pilato und bat ihn um den Leichnam Jesu. Da
befahl Pilatus, man sollte ihm ihn geben. |
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Nr. 74 Rezitativ |
(Baß) Am
Abend, da es kühle war, War
Adams Fallen offenbar. Am
Abend drücket ihn der Heiland nieder; Am
Abend kam die Taube wieder Und
trug ein Ölblatt in dem Munde. O
schöne Zeit! O Abendstunde! Der
Friedensschluß ist nun mit Gott gemacht, Denn
Jesus hat sein Kreuz vollbracht. Sein
Leichnam kommt zur Ruh. Ach,
liebe Seele, bitte du, Geh,
laß dir den toten Jesum schenken. O
heilsames, o köstlich’s Angedenken! |
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Nr. 75 Arie |
(Baß) Mache
dich, mein Herze, rein, Ich
will Jesum selbst begraben, Denn
er soll nunmehr in mir, Für
und für, Seine
süße Ruhe haben. Welt,
geh aus, laß Jesum ein! |
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Nr. 76 Rezitativ |
(Evangelist, Pilatus) Und
Joseph nahm den Leib und wickelte ihn in ein rein‘ Leinwand. Und legte ihn in
sein eigen neu Grab, welches er hatte lassen in einen Fels hauen; und wälzete
einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon. Es war aber allda
Maria Magdalena und die andere Maria, die setzten sich gegen das Grab. Des
andern Tages, der da folget nach dem Rüsttage, kamen die Hohenpriester und
Pharisäer sämtlich zu Pilato und sprachen (Chor
I, II): „Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch
lebete: ‚Ich
will nach dreien Tagen wieder auferstehen‘, darum befiehl, daß man das Grab
verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und
stehlen ihn und sagen zu dem Volk: ‚Er ist auferstanden von den Toten‘, und
werde der letzte Betrug ärger denn der erste.“ Pilatus sprach zu ihnen: „Da
habt ihr die Hüter; gehet hin und verwahret’s, wie ihr wisset.“ Sie gingen
hin und verwahreten das Grab mit Hütern und versiegelten den Stein. |
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Nr. 77 Rezitativ |
(Sopran, Alt, Tenor, Baß
mit Chor II) (Baß-Solo) Nun
ist der Herr zur Ruhe gebracht. (Chor) Mein Jesu, gute Nacht! (Tenor-Solo) Die
Müh‘ ist aus, die unsre Sünden ihm gemacht. (Chor) Mein Jesu, gute Nacht! (Alt-Solo) Seht,
wie ich euch mir Buß und Reu beweine, Daß
euch mein Fall in solche Not gebracht. (Chor) Mein Jesu, gute Nacht! (Sopran-Solo) Für
euer Leiden tausend Dank, Daß
ihr mein Seelenheil so wert geacht’t. (Chor) Mein Jesu, gute Nacht! |
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Nr. 78 Chor I, II |
Wir
setzen uns mit Tränen nieder Und
rufen Dir im Grabe zu: Ruhe
sanfte, sanfte ruh! Ruht,
ihr ausgesognen Glieder, Ruhet
sanfte, ruhet wohl. Euer
Grab und Leichenstein Soll
dem ängstlichen Gewissen Ein
bequemes Ruhekissen Und
der Seelen Ruhstatt sein. Höchst
vergnügt schlummern da die Augen ein. Wir
setzen uns mit Tränen nieder und
rufen dir im Grabe zu: Ruhe
sanfte, sanfte ruh! |