Stuttgarter Oratorienchor: Internationales Chorprojekt zum Europatag 2021 Drucken

Die Eurovisionsmelodie verbindet fünf europäische Städte in virtuellen Chorprojekt

Am Anfang war – die Pandemie. Und das Chor-Singen galt „von jetzt auf gleich“ als gefährlicher „Risiko-Sport“ – Ausübung: Bei Strafe verboten. Nicht verboten: Das Singen allein zu Hause: „Stay-home-Stil“.

Das brachte Enrico Trummer, musikalischer Leiter beim Stuttgarter Oratorienchor, auf die Idee: Könnte man mit einem virtuellen Chorprojekt nicht sogar „grenzüberschreitend“ Chor-SängerInnen zusammenführen und begeistern? Besonders geeignet schien die berühmte Eurovisionsmelodie aus dem „Te Deum“ von M.A. Charpentier: Jeder kennt diese Melodie – und sie überhöht mit ihrem Strahlen und ihrer Festlichkeit das europäische Gemeinschaftsgefühl.

Zusammen mit seiner Frau spielten und sangen die beiden alle vier Stimmen und eine passende Cembalobegleitung dieses berühmten „Prélude“ von Charpentier ein. Daraus erstellte man digital-versendbare Musikfiles.

Und jetzt begann die Suche nach geeigneten Chören im Bereich der Partnerstädte von Stuttgart – und darüber hinaus:

Mit Cardiff ging es los. 2015 und 2016 hatte der Stuttgarter Oratorienchor Begegnungskonzerte mit dem Cardiff-Bach-Choir. Der Kontakt wurde aktiviert, die Musikfiles verschickt und etliche Sänger des dortigen Chores produzierten kleine „Selfi-Videos“ im „stay-home-Stil“ nach den vorgegebenen Mustern.

Auch Straßburg sollte dabei sein. Nach umfangreichen Recherchen fand Enrico Trummer schließlich den Choeur de Saint-Guillaume. Nach Gesprächen und Korrespondenzen mit dem dortigen Vorstand Dr. Nicolas Greib klappte es auch dort: Etliche Damen und Herren, darunter auch die Dirigentin Edlira Priftuli sandten ihre „stay-home-Videos“ ein.

Mit Brünn gab es auch schon musikalische Kooperationen des Stuttgarter Oratorienchors. Dank der Hilfe des Brünner Kulturamtsleiters Robert Kudelka wurde der Brünner Philharmonische Chor gefunden. Umfangreiche Korrespondenz mit verschiedenen Vertretern des Chores samt seinem Leiter Petr Kolar führten schließlich zum Erfolg: Weitere „stay-home-Videos“ von dortigen Chormitgliedern wurden nach Stuttgart gesandt.

Zum Schluss kam aber dann noch Trient hinzu: Dort hatte man mit dem Coro Filarmonico Trentino 2020 ein großes Konzertvorhaben geplant: Drei Konzerte in Brixen, Rovereto und Trient zusammen mit dem Haydn Orchester Bozen – ausgefallen wegen bekannter Gründe. Das internationale Chorprojekt wurde dort mit Freuden angenommen: Viele Mitglieder, darunter auch der Leiter Sandro Filippi, schickten ihre Videos ein.

Über 50(!) „stay-home-Videos“ – natürlich auch viele Beiträge des Stuttgarter Oratorienchors – mussten jetzt in einem künstlerisch anspruchsvollen Video zusammengefügt werden. Diese Mammut-Aufgabe übernahm Philippe Ohl, der bereits in vielen Video-Projekten zusammen mit Enrico Trummer für den Stuttgarter Oratorienchor gearbeitet hatte.

Schon die Synchronisation der Audio-Spuren war ein aufwendiges Unterfangen. Und auch die Video-Spuren mussten bearbeitet werden. Das Spiel mit Würfeln und Tafeln setzt dabei die Besonderheit dieses „zusammengewürfelten“ Chors äußerst kreativ und virtuos um.

Das Ergebnis soll ein Beitrag zum Europatag am 9. Mai 2021 sein, der Hoffnung wecken und Freude bereiten möchte – auch und gerade in besonders schweren Zeiten!

www.stuttgarter-oratorienchor.de

Enrico Trummer
10.05.2021