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Start Service Beiträge des VDKC Johan Hus – Ein nahezu vergessenes Oratorium von Carl Loewe
Johan Hus – Ein nahezu vergessenes Oratorium von Carl Loewe Drucken E-Mail

Wiederentdeckung im Rahmen der Lutherdekade 2013

Thumbnail imageIn seinem heute nahezu unbekannten Werk „Johan Hus" von 1841 beschreibt Carl Loewe (1796-1869) ergreifend in einer Art „Oper ohne Szene" die Reise des böhmischen Reformators von Prag zum Konzil nach Konstanz, das ihn 1415 als Ketzer zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilte, obwohl ihm freies Geleit zugesichert worden war.

Aus Anlass der Lutherdekade 2013 mit dem Thema: „Toleranz" nahm sich Stiftsmusikdirektor Hans-Peter Braun dieses außergewöhnlichen Werkes an und erarbeitete mit dem Chor des Evangelischen Stifts Tübingen eine Interpretation in der Klavierfassung des Komponisten, die im Januar 2013 im Rahmen der Tübinger Motette in der Stiftskirche eine Aufführung erfuhr. In seiner Beschäftigung mit dem Werk stieß Hans-Peter Braun auf bemerkenswerte Details, die in dem nachfolgenden Text beschrieben sind.

„Johan Hus" – ein historischer Stoff und seine musikalische Umsetzung

Das Schicksal des tschechischen Reformators Johann Hus (1371-1415) bewegt uns bis heute. Hier hat einer, der kein Ketzer sein wollte, sondern der Kirche seiner Zeit hundert Jahre vor Luther den Spiegel vorhielt, einer, der gegen den Reichtum und das Lasterleben des Klerus wetterte, den „Laienkelch" forderte, einer, der radikal die Autorität der Heiligen Schrift zum Maßstab kirchlicher Lehre und kirchlichen Handelns machen wollte, seine aus der Bibel gewonnene Wahrheit mit dem Leben bezahlt. Er wollte seine Lehre nicht widerrufen, er wollte sie vor dem Konzil verteidigen. Sein Name Hus bedeutet im Tschechischen „Gans". Daher sein berühmt gewordener Satz: „Noch ist die Gans nicht gebraten". Doch das Konzil wollte seine Argumente nicht hören.

Am 6. Juli 1415 wurde er im Konstanzer Dom (heute Münster) in einer feierlichen Vollversammlung des Konstanzer Konzils zum Feuertod als Ketzer verurteilt. Kaiser Sigismund brach aus machtpolitischen Interessen seine gegebene Zusage, Hus freies Geleit zu gewähren.

Der für seine Klavierballaden berühmte Komponist Carl Loewe (1796-1869) und sein Librettist August Zeune nahmen sich des Stoffs an. Loewe komponierte sein heute nahezu unbekanntes Oratorium „Johan Hus" 1841. In demselben Jahr wurde es am 16. Dezember in der Berliner Singakademie uraufgeführt. Loewe selbst verfasste den Klavierauszug der Orchesterpartitur, der für unsere Aufführung als Grundlage dient. Dem großen Chor auf der Orgelempore ist die große Orgel zugeordnet, den vor dem Altar agierenden Solisten das Klavier und das Harmonium.

Carl Loewe stammte aus einer Kantorenfamilie und war in Köthen Sängerknabe. Er erhielt Kompositionsunterricht bei Johann Gottlob Türk, studierte in Halle Theologie und ließ sich von Carl Friedrich Zelter in Berlin seine Befähigung zum Schul- und Kirchenmusiker bestätigen. Danach war er 46 Jahre lang als Gymnasiallehrer und städtischer Musikdirektor in Stettin tätig.

Der Librettist, Blindenlehrer, Germanist und Geograph August Zeune (1778-1853) verfasste den Text 1840, zu dem Robert Schumann anerkennend schrieb: „Es ist (ein Text), der auch ohne Musik sich des Lesens lohnte, seines Gedankengehaltes, der edlen echt deutschen Sprache, der natürlichen Anordnung des Ganzen halber. Wer an Einzelnem mäkelt, an einzelnen Worten Anstoß findet, der mag sich seine Texte bei den Göttern holen. Wir würden die Komponisten glücklich schätzen, die immer solche Text zu componieren hätten."

Thumbnail imageZum Aufbau und den Personen:
Insgesamt hat das Oratorium drei Teile, die sich in einzelne Szenen aufteilen:

1. Teil: In Prag

Szene 1 (in Prag):
Johan Hus wird im Kreis seiner Schüler gefeiert, Hieronymus von Prag, der Hus ab 1398 mit den Lehren des Oxforder Theologen John Wyclif bekannt gemacht hatte, überbringt die Nachricht, dass Hus zum Konstanzer Konzil geladen wird. Die Freunde warnen ihn: „Huss, zieh´ nicht fort, bleib´hier am sichern Ort!" Doch Hus vertraut auf Gott und stimmt den Choral an „Was mein Gott will, das gscheh´ allzeit".

Szene 2 (auf dem Prager Schlosse)
König Wenzel und seine Gattin, Königin Sofia von Bayern, deren Beichtvater Hus war, wollen wissen, was Hus auf die Vorwürfe an seine Lehre antworten will. Das Gespräch mündet in das Hohelied der Liebe, ein Terzett von Sofia, Huss und Wenzel, einen Lobgesang auf Glaube, Liebe Hoffnung nach 1. Korintherbrief 13.

2. Teil: Reise nach Costnitz (Konstanz)

1. Szene (im Böhmerwalde)
Zu einer seltsamen Begegnung kommt es im Böhmerwald: Die Reisegruppe um Hus begegnet einer Schar von „Zigeunern". In der romantischen Dichtung stehen die „Zigeuner" positiv verklärend für die Sehnsucht des Menschen nach Freiheit und Naturverbundenheit, für ein Leben jenseits von Zivilisation und Konventionen. Sie singen „Das weite Feld ist unser Zelt, des Waldes Graus ist unser Haus". Ihr Gesang bricht ab und aus der Ferne zieht der Tross des Johan Hus unter Choralgesang heran. Die beiden Gruppen treffen freundlich aufeinander: „Wandler des Waldes, seid uns willkommen, längst schon vernommen haben wir eure Lieder". Chlum, ein Begleiter von Hus, erkundigt sich, ob der Pass hier nach Bayern führt. Eine „Zigeunerin" warnt ihn und sagt ihm viel Leid voraus. Hus beruft sich auf das Recht und die Zusage des Kaisers Sigismund, ihm freies Geleit zu gewähren. Doch die „Zigeuner" spotten: „Siegemund-Lügemund". Aber sie können Hus nicht aufhalten.

2. Szene (Liebliches Wiesenthal)
Hirten erkennen Johann Hus und bieten ihm frische Milch zur Stärkung an und seinem Gefolge. Es wird Abend und während Hus den 23. Psalm „Der Herr ist mein Hirte" betet, singt der Chor ein Abendlied: „Weidende Herden, eilet zur Ruh´".
In tiefem Frieden endet die Szene.

3. Teil: In Konstanz

1. Szene (Auf dem Schlosse zu Costnitz)
Die Szene beginnt mit Glockengeläut. Auf dem Schloss kündigt Kaiser Sigismund seiner Frau Barbara das bevorstehende Todesurteil über Johann Hus an, die erinnert ihn vergeblich an sein kaiserliches Versprechen vom „Freien Geleit". Sigismund fühlt sich einem Ketzer gegenüber nicht an sein Wort gebunden.

Szene 2 (Verhör)
Am Beginn steht ein vierstimmiges Kyrie, nach allen Regeln der Kunst im romantisch verstandenen Palestrinastil des 16. Jahrhunderts komponiert.
Als Hus die Klagepunkte gegen ihn widerlegen will, wird er zum Schweigen gebracht. Das Urteil durch den Feuertod steht fest. Hus betet Psalm 73, singt die letzte Strophe des reformatorischen Chorals „Was mein Gott will, das gscheh´allzeit", erteilt seinen Freunden den Segen und geht den letzten Gang zum Scheiterhaufen.
Der Chor der Flammengeister, in düsterem c-moll beginnend, lichtet sich im weiteren Verlauf allmählich zur Erlösungstonart C-Dur bei den Worten der Schlussfuge: „Ungetrübt rein leuchtet der Menschheit sein Schein".

Loewe beweist mit dieser Komposition einmal mehr sein ungewöhnliches Talent zu bildhafter, musikalischer Sprache, zur Darstellung feinster Stimmungsnuancen, zu kontrastreicher Dramatik und souveräner Beherrschung verschiedenster Stile und Genres. Vor dem inneren Auge und Ohr wird das Leben des Menschen Johan Hus lebendig, der für seine Überzeugungen einstand und sie mit dem Leben bezahlte.
Die geschichtliche Erfahrung lehrt: Es gibt Wahrheiten, die sich nicht durch Bücherverbrennungen und Todesurteile aus der Welt schaffen lassen, im Gegenteil, gerade dadurch prägen sie sich dem historischen Gedächtnis besonders tief ein. Loewe hat mit diesem Oratorium dem tschechischen Reformator Johan Hus aus seiner romantischen Weltsicht ein beeindruckendes Denkmal gesetzt.

Hans-Peter Braun
22.09.2014

Zum Autor
Hans-Peter Braun ist seit 1995 Musikdirektor am Evangelischen Stift. Er gibt Unterricht in Stimmbildung, Klavier und Orgel und bietet Seminare zu hymnologischen, liturgischen, musikalisch-theologischen und gemeindepraktischen Themen an. Er ist verantwortlich für die Instrumente im Haus, die Musikbibliothek, die Stiftsgottesdienste, den Stiftschor, das kleine Vokalensemble Vocifer, Musikveranstaltungen im Haus und bei öffentlichen Anlässen. Als 1. Organist an der Stiftskirche spielt er in den Gottesdiensten der Stiftskirche und der ESG und leitet den Tübinger Orgelsommer. An der Staatlichen Hochschule Trossingen hat er einen Lehrauftrag für Musiktheorie und Tonsatz.

 

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