VDKC zu Gast beim RIAS Kammerchor in Berlin
Am 21. Februar 2025 trafen sich interessierte Vertreter*innen der VDKC-Mitgliedschöre aus ganz Deutschland zu einem VDKC-Workshop zu Chormusik und ihrer Wechselwirkung mit anderen Kunstformen im Rahmen des durch den Amateurmusikfonds finanzierten Projekts „Chormusik und 4K Kunst, Komposition, Kulturpolitik, Kreativität“ im großen Probensaal des RIAS Kammerchor in Berlin.
Das Ziel: Inspirierende und lehrreiche Einblicke in die Entstehung und die Umsetzung des Dramaturgieprojekts „Klingende Bilder“ des RIAS Kammerchor zu erhalten, um anschließend gemeinsam an den unterschiedlichsten Ideen für eigene ähnliche Chor-Projekte zu arbeiten und diese weiterzuentwickeln. Bereits am Tag zuvor konnten einige Teilnehmende die Ausstellung „Klingende Bilder“ mit den dafür entwickelten Audioguides in der Gemäldegalerie Berlin bei einer Führung mit Justus Hoffmeier vom RIAS Kammerchor selbst hautnah erleben.
Zunächst begrüßte VDKC-Generalsekretär Ralf Schöne die Teilnehmenden herzlich und erläuterte die Idee der Veranstaltung: Grundsätzlich sei Vokal-Musik ein in sich geschlossenes Werk, eine eigene Komposition, die keine weitere Kunst benötige. Diese könne man allerdings auf vielfältige Weise neu wirken lassen, sei es als Konzert in Kombination mit einem Ereignis, durch Musik im Kontext mit anderen Künsten wie beispielsweise Tanz, Illumination oder Schauspiel, oder an und in besonderen Orten und Räumen wie Friedhöfen oder Industrieanlagen. Solche innovativen Projekte böten Chören die wichtige Chance, neue Zielgruppen für den eigenen Chor und für das Publikum zu erschließen.
„Klingende Bilder“ als Vorzeigeprojekt – Von der Idee bis zur fertigen Ausstellung
Im Anschluss stellte Justus Hoffmeier, für die technische Leitung des Projekts beim RIAS Kammerchor verantwortlich, das Projekt „Klingende Bilder“ von der Idee über den Antrag bis hin zur tatsächlichen Umsetzung der Ausstellung in der Gemäldegalerie Berlin vor. Zu Beginn des Projekts stand ein großes persönliches Interesse an der Verbindung von Kunst und Musik: Inspiriert durch das Zusammenwirken des Gemäldes „Die Toteninsel“ von Arnold Böcklin und der gleichnamigen Sinfonischen Dichtung von Sergei Rachmaninoff, gab die am Praxistag leider erkrankte Musikvermittlerin des RIAS Kammerchor, Johanna Bastian, den Anstoß für das Vermittlungsprojekt. Hoffmeier betonte, wie wichtig die persönliche Begeisterung als Motivation für ein solch umfangreiches Projekt sei.
Immer im Mittelpunkt des synästhetischen Projekts, das Kunst auch auf spielerische Weise erfahrbar machen möchte, soll die (Chor-)Musik stehen. So entstand eine niederschwellig zugängliche, aber hochwertig gestaltete Ausstellung, die einer zugrundeliegenden Definition von Vermittlung nachkommen sollte: Der Herstellung einer noch nicht bestehenden Beziehung.
stellt das Projekt vor (Carolina Ihlenfeld)
Justus Hoffmeier präsentierte weitere wichtige Schritte, die es im Verlauf der Entstehung des Projekts zu beachten galt, darunter unter anderem die Definition von Zielgruppen durch Personas, um neue Zielgruppen zu generieren, sowie die Barrierefreiheit der audiovisuellen Konzeption. Hier war es besonders wichtig, den Prozess der Ästhetik in Zusammenhang mit der Informationsarchitektur immer wieder zu reflektieren und anzupassen sowie kontinuierlich die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern.
Unverzichtbar für die Finanzierung des Projekts war zudem ein erfolgreicher Förderantrag. Als wichtige zu beachtende Punkte nannte Hoffmeier hier unter anderem die genaue Einhaltung der Förderrichtlinien sowie das Einholen vertrauensvoller Beratung im Hinblick auf die Finanzierung. Es empfiehlt sich, die Vision des Projekts darzustellen, um dieses in einen größer gedachten Kontext einzubetten, und von dort aus in die konkrete Planung der Umsetzung zu gehen. Im Falle des RIAS Kammerchor stand das Motto „Überforderung abbauen“ im Vordergrund.
Für Chöre kann es außerdem lohnenswert sein, Zeit und Personal für Förderanträge einzuplanen und auch Gelder für die Verwaltung des Projekts zu beantragen. Eine weitere Möglichkeit der Aufwandsentschädigung existiert außerdem in Form der Ehrenamtspauschale.
Bei großen Projekten wie den „Klingenden Bildern“ gibt es ebenso Stolperfallen, die Chöre bei eigenen Projekten vermeiden können: Darunter fallen beispielsweise eine fehlende oder unklare Zielsetzung, Budgetfehler, ein unrealistischer Zeitplan, mangelnde Zielgruppenorientierung oder wenig Nachhaltigkeit für die langfristige Wirkung nach Projektende. Im Allgemeinen ist es sinnvoll, Hilfe für die Themenbereiche zu suchen, die außerhalb der eigenen Expertise liegen. Bei der Visualisierung von Aufgaben und Zeitplänen können ebenfalls digitale Tools unterstützen.
Beim RIAS Kammerchor, der neben den „Klingenden Bildern“ zahlreiche Vermittlungsprojekte für Profis und Laien umsetzt, entstand für eine nachhaltige Nutzung des Projekts zudem Unterrichtsmaterial für diverse Klassen sowie das Angebot für Führungen von Schulklassen – ein inhaltliches Angebot, das neu verhandelt werden kann.
in Berlin (Ralf Schöne)
Eigene Projekte erfolgreich umsetzen – Von der musikalischen Stadtführung bis hin zu Konzerten mit Lichtkunst
Durch die wertvollen Einblicke in die Entstehung des Dramaturgieprojekts „Klingende Bilder“ und die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen, konnte es nach einer Pause mit der Vorstellung der eigenen kreativen Ideen für die Umsetzung eines solchen Projekts und dem Austausch dazu weitergehen. Die aus ganz Deutschland, unter anderem aus Hamburg, dem Wendland, Reutlingen und Ostwestfalen-Lippe, angereisten Vertreter*innen aus Mitgliedschören, stellten reihum verschiedenste Projekte vor, die teilweise schon umgesetzt wurden, teilweise noch in der Entstehung sind – abhängig von den jeweiligen Gegebenheiten und Möglichkeiten in den Chören und Ressourcen vor Ort.
Die Vielfalt an Ideen reichte von bereits seit langen Jahren erfolgreich durchgeführten Friedhofskonzerten, während der Pandemiezeit entstandenen Musikalischen Stadtführungen in Hamburg, der Idee, einen Landschaftsblick zu besingen, Konzerte in Kombination mit Kunst oder Lichtinstallation zu gestalten, bis hin zur Einbindung von Sprecher*innen, Tanz und Schauspiel.
Gemeinsam mit Justus Hoffmeier wurden die Möglichkeiten und Herausforderungen der Projekte diskutiert sowie praktische und konkrete Ideen zur Umsetzung entwickelt. So konnten alle Teilnehmenden mit einer Fülle an neuen Impulsen und praktischen Hinweisen für die eigenen Projekte den Heimweg antreten – oder den Weg ins Konzert: Im Anschluss an den Workshop konnten einige Teilnehmende noch ein Highlight anschließen und den RIAS Kammerchor live erleben. Sie besuchten das Konzert in der Philharmonie Berlin und hörten Werke von Mac Millan, Schostakowitsch und Ossejewitsch Steinberg.
Ein großes Dankeschön gilt dem RIAS Kammerchor und den Leitenden des Projekts „Klingende Bilder“ Justus Hoffmeier und Johanna Bastian (Musikvermittlung) für die Zusammenarbeit und den spannenden Einblick in das Vermittlungsprojekt eines renommierten Chores!
Carolina Ihlenfeld
25.03.2025





