Foto: Reinhart Weiß (Fotostudio Wilburg)
Foto: Reinhart Weiß (Fotostudio Wilburg)

Nachruf

Der Verband Deutscher KonzertChöre (VDKC) trauert um eines seiner über Jahrzehnte engagiertesten Mitglieder und Unterstützer.

Wie wir aus dem Kreis seiner Familie erfuhren, verstarb Reinhart Weiß, geb. in Dresden am 24. Oktober 1939, am 24. Mai dieses Jahres.

Reinhart Weiß studierte in Frankfurt Kirchenmusik bei Helmut Walcha und legte dort die A-Prüfung ab. Die künstlerische Reifeprüfung in Chorleitung absolvierte er bei Helmuth Rilling. Hinzu kamen Meisterkurse bei Kurt Thomas, Heinz Hennig, Marinus Voorberg, Wolfgang Gönnenwein und Robert Sund.

Die Vorliebe von Reinhart Weiß galt schon früh der Chormusik. Im Laufe seiner aktiven Tätigkeit leitete er zehn verschiedene Chöre, darunter den Hochschulchor Dortmund, den Philharmonischen Chor Bochum, den Konzertchor Unna und den Oratorienchor Dortmund. Bei den Bochumer Sinfonikern arbeitete er als Chordirektor und unterrichtete Chorleitung in Dortmund sowie an der Folkwangschule Essen. Rückblickend war von ihm am Ende seiner aktiven Laufbahn nahezu das gesamte chorsinfonische Repertoire zur Aufführung gebracht worden. 39 Jahre lang, von 1967 bis 2006 leitete Reinhart Weiß den heutigen Konzertchor Unna. Mit den Chören in Dortmund und Bochum entwickelten sich langjährige Chorpartnerschaften. Weitere Zusammenarbeit ergab sich mit Chören der Nachbarkreise (Hagen, Lüdenscheid, Köln) und der Partnerstädte Waalwijk und Palaiseau. Weiß‘ privates Engagement führte zudem zu Konzerten in Prag und Paris. Ein besonderes Ereignis in der Vereinsgeschichte war die Teilnahme des Musikvereins Unna an dem ZDF-Städtewettbewerb, bei dem Unna als „Kulturstadt 1991“ ausgezeichnet wurde.

Im A-cappella-Bereich arbeitete er vorwiegend mit der Kantorei an der Ruhr, mit welcher er Konzertreisen nach Holland, Belgien, Italien, Ungarn, Rumänien sowie USA unternahm. Aus verschiedenen Wettbewerben resultierten u.a. Erste Preise in Tolosa/Spanien und beim Deutschen Chorwettbewerb.

Er war Stipendiat des Deutschen Musikrates und wirkte später in zahlreichen Jurys mit.

Seit vielen Jahren gelten seine Bemühungen der Förderung junger Konzertsänger, so dass sich fast selbstverständlich das Interesse am PodiumJungerGesangsSolisten (PJGS) ergab, dem er sich von der ersten Stunde an als Beobachter, Mitarbeiter und Juror zu Verfügung stellte. Dort hatte ich selbst die Ehre, ihn 2013 beim Deutschen Chorfestival in Zwickau kennenzulernen. 2017 kam es zu einer Fortsetzung in Magdeburg. Die kompetente, ruhige Art seines Wirkens war ebenso beeindruckend wie die Herzlichkeit im Umgang mit den Mitgliedern der Jury und vor allem mit den jungen Leuten, denen der Wettbewerb galt. Reinhart Weiß erinnerte sich: 

„Als ich vor zwei Tagen die Fernsehübertragung des ,Fliegenden Holländer‘ zur Eröffnung der diesjährigen Bayreuther Festspiele anschaltete, wurde ich bei der Ansage der Darsteller stutzig: Daland – Franz-Josef Selig – da war doch was? Richtig: VDKC-Vorsingetag 1985 in Köln! Damals fielen außer Selig noch mehrere andere auf: Albert Dohmen, jetzt als gefeierter Wagner-Sänger an Met und Scala, Berthold Schmid, nun Gesangsprofessor in Berlin, aber auch die Altistin Herlind Wartenberg, die später als Hera Lind schriftstellerisch bekannt wurde! Ich habe mir als junger Dirigent alle diese außerordentlichen Solisten (und noch viele andere mehr) leisten können! Warum? Weil ich sie früh in ihrer Laufbahn kennenlernen und durch Engagements unterstützen konnte, was sie später dankbar zurückgaben zu einem Zeitpunkt, an dem sie eigentlich gar nicht mehr zu bezahlen waren.“

Theo Römer, langjähriger Wegbegleiter aus dem VDKC-Landesverband Nordrhein-Westfalen, schreibt uns: „Freundlich, besonnen, hilfsbereit, diese Attribute fallen einem sogleich ein, wenn man sich an Reinhart Weiß erinnert. Wir haben bewundert, welches Arbeitspensum er zeitweilig bewältigte: Schuldienst und vier Chöre!  Die Organisation und Betreuung des PodiumsJungerGesangsSolisten war ihm über viele Jahre eine Herzensangelegenheit. Als treuer Helfer steuerte er regelmäßig den Niederrhein an und brachte seine markanten tiefen Kehlenkräfte gern in unsere Aufführungen ein, wie er es auch im ,Ruhestand‘ bei ,seinem‘ Musikverein Unna tat.“ 

Und Ursula Allen, Ehefrau des langjährigen VDKC-Generalsekretärs Heribert Allen schreibt: „Reinhart Weiß war ein lebenslanger Begleiter. Er stand immer hinter dem Verband und zusammen mit meinem Mann sind. Einige gute Ideen sind umgesetzt worden. Er war immer bereit, Arbeit zu übernehmen und Hilfestellung zu leisten.“ 

Mit Reinhart Weiß ist ein „Urgestein“ des VDKC von uns gegangen, einer, der mit seinen Ensembles über Jahrzehnte den Verband unterstützt und getragen und mit seinem ehrenamtlichen Engagement an einer ganz konkreten Stelle im PJGS sein Thema Nachwuchsförderung gefunden und initiativreich vorangebracht hat. Wir gedenken seiner mit großer Dankbarkeit und verneigen uns vor einem beeindruckenden Lebenswerk für die Chormusik! 

„Mögen die Engel ihn mit großem Jubel empfangen!“ – schreibt Theo Römer. Dem Wunsch schleißen wir uns alle an und wünschen der Familie und allen Freunden Kraft in der Zeit des Abschieds. 

In Verbundenheit und stiller Anteilnahme – Prof. Ekkehard Klemm, Präsident des VDKC 

25.06.2026

 

 

 

Veranstaltungen der Mitgliedschöre

A-Cappella-Konzert
01.07.2026 19:00 - 20:30

Knabenchor Hannover


Chorkonzert "Glaube, Liebe und Hoffnung"
02.07.2026 19:00 - 20:30
Heilsbronn
Motettenchor Nürnberg


Themenabend Bob Dylan
02.07.2026 19:00 - 20:30

Universitäts-Chor Koblenz


Eröffnungskonzert Pirnaer Abendmusiken
02.07.2026 19:30 - 20:30
Pirna
Ensemble cum passione


Musik zur Mittsommerzeit
03.07.2026 19:30 - 21:30
Meinerzhagen
ChorCantamus Kierspe


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Auf Antrag des VDKC wurde die „Chormusik in deutschen Amateurchören" in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes (UNESCO-Konvention) aufgenommen.

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