Geistliche Musik auf Spitzenniveau
Im November 2025 war der Hamburger Knabenchor eingeladen, Teil des XXIV. Festival Internazionale di Musica e Arte Sacra in Rom zu sein, neben zwei weiteren Knabenchören – den Regensburger Domspatzen und den Wiener Sängerknaben – und professionellen Ensembles wie den The Tallis Scholars oder dem Orchester und Chor der Arena di Verona.
Die Aufführung fand am 11. November unter der Leitung von Luiz de Godoy in der voll besetzten Kirche Sant’Ignazio di Loyola statt. Mehrere zehntausend Zuschauer*innen weltweit haben das Konzert live in den sozialen Medien des katholischen Fernsehens miterlebt.
Ein besonderer Höhepunkt war die Mitwirkung des Knabenchores der päpstlichen Musikkapelle „Sistina”, der als Gast zwei Werke von Palestrina gemeinsam mit den Hamburger Sängern aufführte. Der traditionsreiche Chor, dessen Wurzeln bis in das sechste Jahrhundert reichen, gilt als ältester Knabenchor der Welt. Palestrina wirkte im 16. Jahrhundert selbst als Kapellmeister dieses Ensembles und schrieb zahlreiche Werke eigens für dessen Sänger – eine historische Verbindung, die in diesem Konzert auf besondere Weise lebendig wurde.
Die gemeinsame Probenarbeit der Knabenchöre ermöglichte einen intensiven künstlerischen Austausch. Für die Hamburger Sänger war dies weit mehr als eine Konzertvorbereitung: Sie erhielten Einblicke in unterschiedliche Chortraditionen, erlebten internationale Zusammenarbeit auf Spitzenniveau und stärkten ihr Verständnis für die Bedeutung musikalischer Begegnungen über Ländergrenzen hinweg. Auch die Begegnung mit den Regensburger Domspatzen in deren 1050. Jubiläumsjahr war inspirierend.
Der Hamburger Knabenchor feiert 2025 sein 65-jähriges Bestehen, arbeitet in freier Trägerschaft und ist weder konfessionell gebunden noch ein Internatschor. So zeigt er exemplarisch neue Wege, wie konsequente Nachwuchsförderung auf hohem Niveau umgesetzt werden kann. Neben der regelmäßigen Chorarbeit mit Konzerten an renommierten Spielstätten wie der Elbphilharmonie, in Zusammenarbeit mit Profiorchestern wie dem Philharmonischen Staatsorchester sowie der Teilnahme an internationalen Festivals – zuletzt in Brasilien und Italien – werden Stipendien für die chorische sowie solistische Ausbildung angeboten. In den eigenen Konzerten des Chores, wie auch in Rom, werden stets solistische Stücke durch die Knabenstimmen präsentiert. Somit werden die Sänger kontinuierlich auf Soloaufgaben auf Gastbühnen wie der Hamburgischen Staatsoper vorbereitet.
Die gelungene Zusammenarbeit mit den Knaben des päpstlichen Chores und die hohe Resonanz des Konzerts bei diesem weltweit renommierten Festival ermutigen Sänger, Familien, pädagogisches Team und Vereinsvorstand, sich weiterhin für hohe Qualität und internationale Standards einzusetzen. Der Chor, der den Anspruch lebt, sozial gerechten Zugang zur Nachwuchsförderung zu bieten, sucht weiterhin nach institutioneller Förderung.
Caroline Clermont
21.11.2025



