Johanniskirche Brackenheim
Standortinformationen
- Straße
- Albert-Schweitzer-Straße 3/2
- Stadt
- 74336 Brackenheim
- Land
- Deutschland
Johanniskirche stammt aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Möglicherweise wurde sie in die
Mauern eines heidnischen Heiligtums gebaut; vielleicht war sie Taufkirche der Meimsheimer
Martinskirche. Angelegt ist sie als dreischiffige Basilika und gehört baugeschichtlich in die sog.
Übergangszeit zwischen romanischem und gotischem Stil (ca. 1210). Sie war im Besitz des
Bistums Worms und ihr Kirchensatz (Patronat) begegnet zuerst als ein der Familie Magenheim
zustehendes Lehen. Der heutige Bau ist nicht einheitlich. Das Langhaus ist spätromanisch und
erinnert in Einzelheiten an das Kloster Maulbronn. Die Rechteckform des frühgotischen Chors
ist für das frühe 14. Jahrhundert ungewöhnlich. Als Kirch- und Bauherren kommen nur die
Magenheimer in Frage, denen die Johanniskirche als Grablege diente und die sie als Wormser
Lehen bis 1367 innehatten. Über die Herren von Talheim und die Hofwart kam die Kirche an Graf
Eberhard von Württemberg, der sie zur Ausstattung der neuzugründenden Universität Tübingen
verwendete, wie durch eine Papst-Bulle von 1476 und den Schenkungsbrief von 1486 belegt ist.
Der damalige Pfarrer Johannes Vergenhans (Naucler) wurde erster Rektor der Universität
Tübingen. Zu den besonders Kostbarkeiten gehört das östliche Chorschlussfenster mit seiner
ornamentalen Jugendstilverglasung aus dem Jahre 1908, in die unten eine Scheibe eingelassen
wurde, die aus dem frühen 14. Jh. stammt. Ein Tympanon - seit 1977 an der Ostwand des
nördlichen Seitenschiffs angebracht - stammt aus dem frühen 13. Jh. Ein jetzt an der inneren
Westwand angebrachtes Relief stellt einen weiblichen Figur dar, evtl. eine Dämonin. Von großem
Wert sind die 1902 entdeckten Wandgemälde, ein Credo-Zyklus, der in zwei Zonen übereinander
Apostel- und Prophetenfiguren jeweils mit Schriftbändern zeigt und (möglicherweise) um 1400
vom Meister der Kolmarer Kreuzigung geschaffen wurden. Die Johanniskirche war bis 1510 die
Pfarrkirche von Brackenheim. Dass sie in nachreformatorischer Zeit erhalten blieb, verdankt sie
nicht zuletzt ihrer Lage im Friedhof. Die Familie Soldan hatte an der Johanniskirche eine
Grabkapelle. Der 1305 christlich getaufte türkische Soldat Johann Soldan zählt zu den Ahnen
Goethes.



