Foto: Gruppenfoto der Praxistag-Teilnehmenden (Carolina Ihlenfeld)
Foto: Gruppenfoto der Praxistag-Teilnehmenden (Carolina Ihlenfeld)

Inspiration und Impulse rund um innovative Konzertprojekte

An einem sommerlichen Mai-Freitag trafen sich rund 20 interessierte Vertreterinnen und Vertreter der VDKC-Mitgliedschöre aus verschiedenen Regionen Deutschlands in der kreativen Atmosphäre der Tanz Station im Barmer Bahnhof in Wuppertal, um beim VDKC-Praxistag „Chor. Konzept. Konzepte – Konzertformate neu denken“ spannende und praxisnahe Impulse zu erhalten.

Interaktiver Workshopteil mit Chormanagerin Ariane Stern

Der Nachmittag des Praxistags am 29. Mai 2026 im Rahmen des Projekts „Wissensbrücke Chorwelt – Vernetzen. Agieren. Teilen“, gefördert aus den Mitteln des Amateurmusikfonds, startete mit einem informativen interaktiven Impulsvortrag von Ariane Stern, der Chormanagerin und Projektleiterin des renommierten professionellen Ensembles „Chorwerk Ruhr“ zum Thema „Konzertformate neu denken“. Ariane Stern ließ wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen der Concert Studies des Kulturwissenschaftlers Martin Tröndle und der Experimental Concert Research einfließen und eröffnete den Teilnehmenden so neue Perspektiven auf die Wirkung und Gestaltung von Konzerten. Im Mittelpunkt standen unter anderem Fragen nach den Zielen von Chorkonzerten, die bewusst vom klassisch-tradierten Konzertformat abweichen. Dabei stellte sie heraus, dass es darauf ankomme, das Publikum zu „berühren“ und gab einen Überblick, welche Berührungspunkte zwischen Aufführenden und Zuhörenden entstehen können und welche unterschiedlichen Formen von Berührung im Konzertkontext möglich sind.

Foto: Erster Workshopteil mit Ariane Stern (Ralf Schöne)
Foto: Erster Workshopteil mit Ariane Stern (Ralf Schöne)

Ariane Stern berichtete praxisnah von ihren Erfahrungen mit Chorwerk Ruhr und stellte besondere Projekte vor: Dazu gehörten unter anderem Konzerte mit ungewöhnlichen Aufstellungen, wie eine Aufführung von Bachs Matthäuspassion auf Zeche Zollverein, „Relaxed Concerts“ wie das Format „Abtauchen in Schwelm“ in einem Schwimmbad, Wandelkonzerte sowie partizipative Formate, die neue Wege der Einbindung des Publikums erprobten. Besonders spannend für die Teilnehmenden war der Blick hinter die Kulissen dieser Projekte von Herausforderungen in der Planung und Umsetzung, über organisatorische und künstlerische Abwägungen, bis hin zu Aspekten, die bei der Entwicklung innovativer Konzertformate berücksichtigt werden müssen.

In diesem ersten Workshopteil hatten die Teilnehmenden immer wieder die Möglichkeit, sich einzubringen: Sie berichteten von eigenen Erfahrungen und brachten zahlreiche Fragen ein. So wurde beispielsweise darüber diskutiert, wann und aus welchen Gründen man sich zuletzt in einem Konzert gelangweilt hat und welche Rückschlüsse sich daraus für die Gestaltung von Konzerterlebnissen ziehen lassen. Als zentraler Aspekt zog sich zudem die Frage der Finanzierung durch die Beiträge der Teilnehmenden. Deutlich wurde, dass innovative Konzertformate nicht nur kreative Ideen, sondern auch tragfähige finanzielle Konzepte erfordern, um langfristig umgesetzt werden zu können.

Foto: Präsentation "Konzertformate neu denken" (Ralf Schöne)
Foto: Präsentation "Konzertformate neu denken" (Ralf Schöne)

Zum Abschluss ihres Workshops kündigte Ariane Stern das besondere Konzert „VORREI 360° – Italien mit Aug’ und Ohr genießen“ für den Abend an: Das innovative Konzertformat mit immersiven Kunsterleben und Hören und Sehen in der 360°-Umgebung des Visiodrom Wuppertal sollte später den Workshop thematisch passend und eindrucksvoll abrunden.

In einer kleinen Kaffeepause hatten die Teilnehmenden dann die Möglichkeit, ins Gespräch über den ersten Workshopteil zu kommen, sich über die eigenen Chöre und Projekte auszutauschen und dabei besser kennenzulernen.

Spannende Einblicke in innovative Vermittlungsprojekte des VDKC-Kammerchors CONSTANT

Weiter ging es mit praxisnahem Input bezüglich alternativer Konzertformate für Kammerchöre aus den Reihen des VDKC-Chores, dem Kammerchor CONSTANT: Alexandra Siemoneit und Kristina Kuhn berichteten von zwei Bildungsprojekten mit dem Weihnachtsoratorium und der Matthäuspassion von Bach, die der Kammerchor CONSTANT gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerchor Tübingen, beide unter der Leitung von Judith Mohr, mit viel ehrenamtlichem Engagement umsetzen konnte. Beide Projekte verbanden ein Konzertformat mit kultureller Bildung und schufen damit einen Raum, in dem musikalische Erfahrung und gemeinsames Lernen zusammenkamen. Ziel war es, einen niedrigschwelligen Zugang zu den Werken Johann Sebastian Bachs und zur klassischen Musik insgesamt zu ermöglichen. Dabei standen nicht nur das Hören und Erleben eines Konzerts im Mittelpunkt, sondern vor allem die aktive Beteiligung von Schülerinnen und Schülern aller Schulformen. Ein wesentliches Merkmal der Projekte war die unmittelbare Begegnung zwischen jungen Menschen und den beteiligten Musikerinnen und Musikern. Statt klassischer Konzertrezeption entstanden Austausch, Dialog und gemeinsames Entdecken. Der Kammerchor verstand sich dabei nicht nur als künstlerisches Ensemble, sondern zugleich als gesellschaftlicher Bildungsakteur, der kulturelle Teilhabe ermöglicht und musikalische Bildung aktiv mitgestaltet.

Foto: Präsentation des Kammerchors CONSTANT (Ralf Schöne)
Foto: Präsentation des Kammerchors CONSTANT (Ralf Schöne)

Im weiteren Projektverlauf wurden der pädagogische Ansatz, die praktische Umsetzung sowie unterschiedliche thematische Zugänge zu Bachs Musik vorgestellt und erprobt. Gleichzeitig galt es, zentrale Herausforderungen zu bewältigen – von organisatorischen Fragen bis hin zur Entwicklung passender Vermittlungsformate für unterschiedliche Altersgruppen. Die große Reichweite des Projekts und die positiven Rückmeldungen von Schulen, Lehrkräften und Teilnehmenden verdeutlichten seine gewinnbringende Wirkung. Zugleich zeigte sich, dass das entwickelte Konzept auch auf andere Ensembles und musikalische Kontexte übertragbar ist. So konnte das Projekt verdeutlichen, dass Musikvermittlung ein sinnvoller und bereichernder Bestandteil künstlerischer Arbeit sein kann. Alternative Konzertformate schaffen nachhaltige Bildungsimpulse und eröffnen neue Zugänge zu klassischer Musik. Die Kooperation zwischen Schule und Chor erzeugt gesellschaftliche Relevanz und stärkt kulturelle Teilhabe. Vor allem aber wurde Bach nicht nur aufgeführt, sondern für die Teilnehmenden unmittelbar erfahrbar gemacht.

Impulse zu Methoden und neuen Konzertformaten aus dem VDKC-Netzwerk

Foto: VDKC-Generalsekretär Ralf Schöne leitet eine Methode an (Carolina Ihlenfeld)
Foto: VDKC-Generalsekretär Ralf Schöne leitet eine Methode
zur kreativen Ideenfindung an (Carolina Ihlenfeld)

Als aktivierende Unterbrechung der Präsentationen leitete VDKC-Generalsekretär Ralf Schöne eine Methode zur gemeinsamen kreativen Ideenfindung an, die die Teilnehmenden als neues Werkzeug mit in ihre Chöre nehmen konnten: Zunächst schrieben alle Teilnehmenden ihre Ideen zu einer ganz konkreten Fragestellung individuell auf. Anschließend wurden die Gedanken in Zweierteams besprochen, danach in Vierergruppen weiterentwickelt und ergänzt. Dieser Prozess wird fortgeführt, bis am Ende eine gemeinsame Idee entsteht, die verschiedene Perspektiven und Aspekte vereint. Besonders positiv an dieser Methode erweist sich, dass sich auch Personen einbringen können, die sich in größeren Gruppen sonst eher zurückhalten oder sich nicht trauen, ihre Ideen zu äußern.

Foto: Kreative Ideenfindung in der Gruppe (Ralf Schöne)
Foto: Kreative Ideenfindung in der Gruppe (Ralf Schöne)
Foto: Teilnehmende im Austausch (Ralf Schöne)
Foto: Teilnehmende im Austausch (Ralf Schöne)

Im Anschluss gab VDKC-Bildungsreferentin Carolina Ihlenfeld einen Überblick über weitere besondere Konzertformate, die in den Reihen der VDKC-Chöre bereits umgesetzt wurden: Darunter waren interdisziplinäre Projekte zu finden, die Bewegung und verschiedene Aufstellungen im Raum einbezogen, Spoken Words und Live-Elektronik verwendeten und musikalische Programme körperlich und atmosphärisch erfahrbar machten, beispielsweise durch Lichtinstallationen als dramaturgisches Element. Einige Chöre setzten Wandelkonzerte um oder verbanden ihre Projekte mit Literatur und gesellschaftlicher Reflexion. Besonders innovativ und hervorzuheben ist das Festival „vokalSinn“ von Inga Brüseke und unter anderem dem Jungen Kammerchor Lucente: Das Festival widmet sich einer langfristigen Beschäftigung mit neuen Konzertformaten als eigenständiges künstlerisches Feld und verbindet Workshop, Konzeptentwicklung und Konzerte mit ungewöhnlichen Formaten. Im Zentrum des Festivals stehen Fragen, wie Chormusik aktuelle Themen aufgreifen kann, welche Gestaltungsmöglichkeiten es jenseits des klassischen Programmkonzerts gibt und wie Chöre neue Wege gehen, können, inhaltlich, musikalisch und dramaturgisch.

Foto: Carolina Ihlenfeld stellt innovative Konzertformate der VDKC-Chöre vor (Ralf Schöne)
Foto: Carolina Ihlenfeld stellt innovative Konzertformate der VDKC-Chöre vor (Ralf Schöne)

Inspirierende Konzeptentwicklung in der Gruppe

Foto: Gruppenarbeit zu neuen Konzertformaten (Ralf Schöne)
Foto: Gruppenarbeit zu neuen Konzertformaten (Ralf Schöne)

Die Impulse aus der VDKC-Chorgemeinschaft boten eine ideale Überleitung zur folgenden Gruppenarbeitsphase: Ziel war es, in Kleingruppen eine konkrete Projektidee zu entwickeln, die von einem Laienchor realistisch umgesetzt werden kann. Dabei wurden verschiedene Aspekte der Projektplanung berücksichtigt, darunter die dramaturgisch-künstlerische Konzeption, die Wahl des Konzertortes, die Ansprache möglicher Zielgruppen, der notwendige Planungsvorlauf mit Musikauswahl und Probenarbeit, die Kommunikation mit dem Chor, mögliche Kooperationen, Partner*innen sowie Fragen der Finanzierung. Zudem galt es, einen ersten konkreten nächsten Schritt für die Umsetzung zu formulieren. Als Anregung für die Gruppenarbeit wurden verschiedene Gestaltungsparameter vorgestellt, die das Konzert- und Musikerleben beeinflussen können und bei der Konzeption mitgedacht werden sollten. Dazu zählten unter anderem die Bedeutung von Ort und Raum, die gezielte Ansprache bestimmter Zielgruppen, Möglichkeiten der Interaktivität und Partizipation des Publikums, dramaturgische Elemente wie Bewegung, Licht, weitere Kunstformen oder digitale Medien, ebenso wie Fragen nach Dauer und Inklusivität eines Projekts. Zur Inspiration hatten alle Teilnehmenden bereits eigene künstlerisch-dramaturgische Ideen mitgebracht. Auf dieser Grundlage entstand ein lebendiger Austausch über bestehende Projektideen und neue Ansätze. In den Gruppen wurden Konzepte weiterentwickelt, konkretisiert und auf ihre Umsetzbarkeit hin überprüft.

Foto: Entwicklung von Konzertprojekten in der Gruppe (Ralf Schöne)
Foto: Entwicklung von Konzertprojekten in der Gruppe (Ralf Schöne)
Foto: Brainstorming-Ergebnisse (Ralf Schöne)
Foto: Brainstorming-Ergebnisse (Ralf Schöne)

Zum Abschluss präsentierten die Gruppen ihre Ideen in kurzen Vorstellungsrunden, unter anderem das Konzept eines Waldkonzerts. Besonders bereichernd war der Austausch über die unterschiedlichen Voraussetzungen in den jeweiligen Chören sowie über bereits erfolgreich umgesetzte Projekte. Die vielfältigen Erfahrungen der Teilnehmenden boten wertvolle Inspirationen und lieferten zahlreiche Impulse für zukünftige Vorhaben.

Immersives Konzerterlebnis mit Chorwerk Ruhr als beeindruckender Praxistag-Abschluss

Foto: Programmheft "Vorrei" (Carolina Ihlenfeld)
Foto: Programmheft "Vorrei" (Carolina Ihlenfeld)

Nach einer kleinen Pause folgte als krönender Abschluss der Besuch des grenzüberschreitenden Konzertformats „VORREI 360° – Italien mit Aug’ und Ohr genießen“ mit dem Gesang von Chorwerk Ruhr und beeindruckenden Projektionen von Fotografien der Sacri Monti von Heinrich Brinkmöller-Becker. Der Konzertort – das alte Gaswerk Visiodrom – schuf dabei eine ganz besondere Atmosphäre für das immersive Kunsterleben: Das Publikum konnte dem Konzert teilweise auf Sitzsäcken lauschen und dabei die 360-Grad-Projektionen in der Kuppel bewundern.

Foto: Visiodrom Wuppertal (Ralf Schöne)
Foto: Visiodrom Wuppertal (Ralf Schöne)
Foto: Fotograf Heinrich Brinkmöller-Becker mit Chormanagerin Ariane Stern (Ralf Schöne)
Foto: Fotograf Heinrich Brinkmöller-Becker mit Chormanagerin Ariane Stern (Ralf Schöne)

Was es heißt, bei solchen außergewöhnlichen Konzertformaten spontan improvisieren zu müssen, konnten die Zuhörenden live miterleben: Das Konzert musste kurzzeitig unterbrochen werden, weil die Geräuschkulisse des Regens durch ein Unwetter so laut wurde, dass der Gesang kaum mehr zu hören war. Die Verantwortlichen rund um Ariane Stern ließen sich dadurch keineswegs aus der Ruhe bringen: Kurzerhand wurde der Chor näher zum Publikum platziert und nach einer Pause konnte es weitergehen. Als Zugabe sang Chorwerk Ruhr noch einmal das vom Gewitter beeinträchtigte Stück „Vorrei“ der Komponistin Laura Marconi, das dem Konzert den Namen gab und so den Konzertabend ganz besonders eindrucksvoll ausklingen ließ – was für eine Stimmung!

Foto: Chorwerk Ruhr im Visiodrom (Ralf Schöne)
Foto: Chorwerk Ruhr im Visiodrom (Ralf Schöne)

Inspiriert konnten alle nach diesem aufregenden Abend nach Hause fahren und die Eindrücke und Impulse des Tages nachwirken lassen – mit im Gepäck: viele neue Ideen für neue Konzertformate und Kontakte aus der VDKC-Gemeinschaft.

Carolina Ihlenfeld

07.07.2026

Veranstaltungen der Mitgliedschöre

Duke Ellington - Sacred Concert
11.07.2026 16:00 - 18:00
Rostock
Universitätschor Rostock


Gospelkonzert in Hof
11.07.2026 18:00 - 12.07.2026 20:30

Joy in Belief


Exploration a-cappella
11.07.2026 19:00 - 20:00

Camerata Vocale Freiburg


Wishes
11.07.2026 19:30 - 20:30

Anglistenchor Heidelberg


M. Palmeri: Misa Tango & F. Martin: Messe pour double chœur
11.07.2026 20:00 - 21:30

Münchner Motettenchor


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Auf Antrag des VDKC wurde die „Chormusik in deutschen Amateurchören" in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes (UNESCO-Konvention) aufgenommen.

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