Für gemischten Chor und Chorsoli a cappella
Mit den „Letzten Tagen Immanuel Kants“ legt Gavin Bryars ein intellektuell wie musikalisch höchst anspruchsvolles Chorwerk vor.
Die chromatischen Linien führen die mehrfach geteilten Stimmen 60 Minuten lang a cappella durch einen essayistischen Text über Leben und Sterben, Stärken und Skurrilitäten des berühmten Königsberger Aufklärers, der am 12. Februar 1804 wenige Wochen vor der Vollendung seines 80. Lebensjahres starb.
Den neun Abschnitten des Werkes: I. Motto – II. Prologue – III. Dinner – IV. Conversation – V. The Old Tower – Interlude: Lament – VI. Four Decays – VII. Kant’s last travelling – VIII. February und X. Postlude February 28th liegt auszugsweise die 1827 erschienene Lebensbeschreibung „The Last Days of Immanuel Kant“ des britischen Schriftstellers Thomas de Quincey (1785-1859) zugrunde, der in reimloser und ungebundener Sprache über Arbeitsweise und Geselligkeit, Biorhythmen und Abhängigkeiten, Zurückgezogenheit und gesellschaftliches Ansehen des alleinstehenden und kinderlosen preußischen Professors für Logik und Metaphysik verfasste.
Kants berühmtes Bekenntnis: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmenden Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: „Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir“ eröffnet die erzählende Kantate – allerdings eben in englischer Übersetzung. Für deutschsprachige Chöre dürfte allein schon das hochsprachliche englische Vokabular eine Herausforderung darstellen. Ein Programmzettel mit einer Übersetzung des Textes scheint für Aufführungen im deutschsprachigen Raum unerlässlich. Dann allerdings sollte dem Publikum ein beispielloses Konzerterlebnis beschieden sein.
Informationen:
Gavin Bryars: The Last Days of Immanuel Kant. Für gemischten Chor (SSAATTBB) und Chorsolisten a cappella | Schott Music| ISMN 979-0-2201-4006-8 | 22,50 Euro | Bestellung
Dr. Cornelie Becker-Lamers (VDKC); Schott-Musik-Verlag
27.03.2026



