Foto: Eröffnungskonzert des Kammerchor-Festival in Köln mit dem Chor CONSTANT (Ralf Bauer, Köln)
Foto: Eröffnungskonzert des Kammerchor-Festival in Köln mit dem Chor CONSTANT (Ralf Bauer, Köln)

Ein neues Format von vier Kölner Kammerchören hinterlässt deutliche Spuren

Die Menschen in Köln sind ja im Grundsatz der Meinung, dass sie in der schönsten Stadt der Welt leben.

Sie besitzen – auch musikalisch – alles, was sie für ihr buntes Leben in der Stadt brauchen: Karneval, eine Philharmonie, eine Oper (wenn auch als Baustelle), ein Musical-Zelt und natürlich zahlreiche Chöre. Eine einheitliche Zählung aller Chöre der Domstadt gibt es nicht, aber es kursiert die Zahl von 300 – selbstverständlich in allen Genres und Größen. Ziemlich prominent ist das Netzwerk Kölner Chöre: ein Zusammenschluss der zwölf großen Konzertchöre in der Stadt, der das Kulturleben maßgeblich bereichert und auch gegenüber der städtischen Kulturpolitik geschlossen auftritt.

Seit September 2025 ist die Stadt am Rhein jedoch um ein weiteres Format reicher und im Nachhinein darf die Frage gestellt werden, warum es so etwas nicht schon längst gab. Köln hat ein Kammerchor-Festival, das am letzten September-Wochenende aus der Taufe gehoben wurde und direkt Spuren hinterlassen hat.

Vier Kammerchöre haben sich zusammengeschlossen und in den vergangenen Monaten alles daran gesetzt, um ein gemeinsames Wochenende auf die Beine zu stellen. Diese Premiere beinhaltete vier Konzerte, zahlreiche Workshops für die Sänger*innen der Ensembles, die Gestaltung eines Gottesdienstes in der Antoniterkirche (Innenstadt) und zur Krönung ein Abschlusskonzert mit vier Uraufführungen zu einem Gedicht der gebürtigen Kölnerin Hilde Domin. Der Junge Kammerchor Köln (Leitung: Alexander Lüken), der Kammerchor CONSONO (Leitung: Harald Jers), der Europäische Kammerchor Köln (Leitung: Michael Reif) und der Kammerchor CONSTANT (Leitung: Judith Mohr) arbeiteten in dieser ersten Festival-Fassung zusammen und lockten zahlreiche Menschen in vier unterschiedliche Kirchen der Kölner Innenstadt. Schirmherrin des Festivals war die Oberbürgermeisterin der Stadt Henriette Reker.

Foto: Kammerchor CONSONO beim zweiten DUETT-Konzert (Ralf Bauer, Köln)
Foto: Kammerchor CONSONO beim
zweiten DUETT-Konzert (Ralf Bauer, Köln)

Über das gesamte Wochenende standen die Gemeinschaft und die Vielfalt im Vordergrund und doch gab es einen klaren gemeinsamen Nenner: die hohe Qualität aller vier Chöre und das äußerst vielfältige A-Cappella-Programm. Das Eröffnungskonzert am 26. September wurde von allen vier Chören gestaltet und beinhaltete bereits einen Vorgeschmack auf das, was das Publikum in den nächsten Tagen erwarten sollte: äußerst vielseitige Chormusik von wendiger Renaissance über satte romantische Klänge bis zu zeitgenössischen Werken, die sowohl lyrisch als auch kraftvoll oder dramatisch aufgeführt wurden.

Am Samstag, den 27. September folgten zwei DUETT-Konzerte, die jeweils von zwei Chören gestaltet wurden und in denen einmal mehr deutlich wurde, wie unterschiedlich Chöre klingen können, obwohl sie sich alle der Kammerchor-Literatur verpflichten. Im ersten DUETT des Jungen Kammerchor Köln und des Europäischen Kammerchor Köln erklangen am Nachmittag ausschließlich Werke des 20. und 21. Jahrhunderts in der vollbesetzten Basilika St. Ursula. Die Chöre präsentierten jeweils 30 Minuten Musik von Alec Roth, Sven David Sandström, Damijan Močnik u.a.

Foto: Junger Kammerchor Köln im ersten DUETT-Konzert (Ralf Bauer, Köln)
Foto: Junger Kammerchor Köln im ersten DUETT-Konzert (Ralf Bauer, Köln)
Foto: Kammerchor CONSTANT im ersten DUETT-Konzert (Ralf Bauer, Köln)
Foto: Kammerchor CONSTANT im ersten DUETT-Konzert (Ralf Bauer, Köln)

Am Abend traten in St. Andreas die Kammerchöre CONSTANT und CONSONO auf und präsentierten Musik von Wilhelm Berger, Judith Weir, Dobrinka Tabakova, Kęstutis Daugirdas u.a. Auch hier war die Kirche restlos besetzt und sorgte für ein wunderbares Konzerterlebnis sowohl für die Chöre als auch für das Publikum. Die Formate – zwei Mal 30 Minuten Musik und somit sehr kurzweilige Konzerte – kamen beim Publikum sehr gut an und sorgten für langen Applaus in beiden Konzerten.

Was das Wochenende darüber hinaus auszeichnete, war die Bereitschaft der Sängerinnen und Sänger, in den gemeinsamen Austausch zu gehen und sich außerdem noch individuell fortzubilden. Am Vormittag wurde auf zwei Zeitschienen ein vielfältiges Workshop-Angebot präsentiert. Die Chorleiter*innen der Chöre sowie externe Dozent*innen boten Einheiten zu Themen wie Atemtechnik, Chormanagement, Improvisation, Vocal Painting, Rhythmusarbeit und Entdecken von Komponistinnen an. Vor und nach den Workshops sowie nach den Konzerten gab es Gelegenheit der Begegnung in den Räumlichkeiten der Antoniterkirche, die wunderbar zentral in der Stadt gelegen ist und von der aus alle Konzertorte des Wochenendes gut erreicht werden konnten.

Foto: Judith Mohr, Leiterin des Kammerchors CONSTANT (Ralf Bauer, Köln)
Foto: Judith Mohr, Leiterin des Kammerchors CONSTANT (Ralf Bauer, Köln)

Dieses Wochenende konnte überhaupt nur mit Hilfe zahlreicher Ehrenamtlicher aus den Chören realisiert werden. Sie besuchen in ihrer Freizeit nicht nur Chorproben und gestalten Konzerte, sondern schreiben darüber hinaus Förderanträge, transportieren Stühle und Podeste von A nach B, gestalten Programmhefte, verteilen Plakate und Flyer, kontaktieren die Presse, organisieren Workshops und lassen auch nicht locker, wenn doch einmal Gegenwind weht.

Der letzte Tag des Kammerchor-Festivals begann mit einer musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes in der Antoniterkirche, insbesondere, um sich für die Gastfreundschaft der Gemeinde zu bedanken. Am Nachmittag folgte dann der Höhepunkt im FINALE des Festivals. Alle vier Chöre gestalteten das Abschlusskonzert in der voll besetzten Kirche St. Severin in der Kölner Südstadt. Zunächst begrüßte der Präsident des VDKC, Professor Ekkehard Klemm, das Publikum und bedankte sich für die Initiative. Es erklangen eigens für das Festival komponierte Uraufführungen der Komponist*innen Magdalena Zimmermann, Stefan Heucke, Matthias Schaff und Aljoscha Ristow. Im Zentrum stand das Gedicht „Es gibt dich“ von Hilde Domin.

Auch hier wurde zum Abschluss einmal mehr deutlich, dass Chormusik so unterschiedlich ist wie die Menschen, die sie singen. Durch das Konzert führte Martin Zingsheim mit einer sehr kurzweiligen und zum Schmunzeln bringenden Moderation. Alle vier Uraufführungen hatten eine äußerst individuelle Handschrift und fanden großen Anklang beim Publikum.

Foto: Moderator Martin Zingsheim (Ralf Bauer, Köln)
Foto: Moderator Martin Zingsheim (Ralf Bauer, Köln)

Das Festival klang im wunderschönen Kreuzgang von St. Severin aus und hinterließ glückliche Sänger*innen und Chorleiter*innen und bot einen schönen Rahmen für den Austausch mit dem Publikum.

Was bleibt, sind Spuren in der Kölner Chorszene: ein hochqualitatives Chor-Wochenende, gestaltet mit viel Engagement von vier Kammerchören der Stadt. Mut und vor allem hohes ehrenamtliches Engagement der einzelnen Chöre zeigten, was in dieser Stadt bisher gefehlt hat: ein Kammerchor-Festival. Möge es bleiben!

Informationen: https://kammerchorfestival.koeln/

Judith Mohr

17.10.2025

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