Ein Chor mit Geschichte und unverwechselbarer Klangsprache
Der Dresdner Kammerchor feierte in der Konzertsaison 2025/26 sein 40-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum ist ein Meilenstein in der Geschichte des Ensembles, das 1985 von Hans-Christoph Rademann während seines Studiums an der Hochschule für Musik Dresden gegründet wurde.
In den Anfangsjahren entwickelte der Chor rasch sein unverwechselbares Klangbild und machte sich mit stilistischer Vielfalt, Präzision und außergewöhnlicher Homogenität weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen. Er gehört längst zu den herausragenden Ensembles der deutschen Chorszene.
Das 40. Jubiläum feierte der Dresdner Kammerchor mit einer Reihe von erfolgreichen Konzerten. So trat der Chor am Tag der Deutschen Einheit mit Bachs h-Moll-Messe unter Hans-Christoph Rademann mit der Dresdner Philharmonie im Kulturpalast Dresden auf (3.10.2025). Die inzwischen zur Tradition gewordene Zusammenarbeit mit dem Ensemble Inégal im Rahmen des Zelenka-Festivals Prag-Dresden wurde mit der Aufführung der „Psalmi Varii“ von Jan Dismas Zelenka fortgesetzt (17./18.10.2025). Im Gedenkkonzert anlässlich der Pogromnacht im November 1938 besang das Vokalensemble den „Frieden!“ in Anlehnung an Arnold Schönbergs „Friede auf Erden“ (8.11.2025). Im Neujahrskonzert in der Dresdner Frauenkirche stand Frank Martins „Messe für zwei gemischte Chöre“ im Mittelpunkt.
Ganz besondere Saisonhighlights waren die sechs Konzerte aus der Reihe „ZentralVokal“ mit den Themen LOBEN, DANKEN und PREISEN. Neben Motetten und Psalmvertonungen barocker Komponisten wie Schütz und Bach waren auch Kompositionen von Frank Martin, Olivier Messiaen, Erkki-Sven Tüür und Benjamin Britten zu hören. Im Zentrum standen jeweils drei neue Werke, für die der Dresdner Kammerchor Kompositionsaufträge vergeben hatte. Die Auftragswerke von Reiko Füting, Wilfried Krätzschmar und Alexander Keuk wurden vom Dresdner Kammerchor uraufgeführt. Diese Programmgestaltung ist auch als klares Bekenntnis zur lebendigen Weiterentwicklung der Chorkunst zu verstehen. Dirigent Hans-Christoph Rademann blickt auf das Jubiläum zurück: „Wir wollten in dieser Jubiläumssaison zeigen, was uns über die Jahre geprägt hat: die Auseinandersetzung mit den Zeitgenossen ebenso wie die Beschäftigung mit ikonischen Werken der Chormusik von Schütz, Bach, Schönberg, Rheinberger oder Frank Martin. Mit den Uraufführungen haben wir neue klangliche Horizonte erschlossen und in den Konzerten die ganze Bandbreite unseres Könnens gezeigt.“
Mit Gastspielen auf internationalen Festivals, neuen künstlerischen Kooperationen und einer stetigen Erweiterung seines Repertoires richtet der Dresdner Kammerchor den Blick nun nach vorn. In einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen bleibt die Chorkultur ein unverzichtbarer Raum für Begegnung, Dialog und Vielfalt.
Christel Goldbach
21.07.2026



