Der Städtische Konzertchor feiert sein Jubiläum 2026 mit vielfältigen Programmen
Am 10. Januar 1876 wurde in Fulda die „Gesangsgesellschaft Winfridia“ als katholischer Männergesangverein gegründet. Seinen Namen verdankt der Chor Winfried von Crediton, besser bekannt als Bonifatius, Apostel der Deutschen. Der Missionar gründete 744 das Kloster Fulda, das im 8. und 9. Jahrhundert zu einem bedeutenden religiösen und politischen Zentrum wurde.
Aus der Klostersiedlung entwickelte sich die heutige Stadt Fulda, mit ca. 66.000 Einwohnern in Osthessen gelegen. Zunächst gestaltete die Winfridia vor allem die Festgottesdienste im Hohen Dom zu Fulda musikalisch. Der Domchor, der diese Aufgabe zuvor übernommen hatte, musste seinen Chorbetrieb im Zuge des Kulturkampfes einstellen. Wenige Jahre nach ihrer Gründung wandte sich die Winfridia auch weltlicher Chorliteratur zu. Aus dem Liturgiechor entwickelte sich so ein profilierter Oratorien- und Konzertchor. Eine wichtige Zäsur brachte das Jahr 1928: Mit der Angliederung eines Frauenchores wurde die Winfridia zum gemischten Chor. Beide Weltkriege hinterließen tiefe Spuren und rissen Lücken in die Chorgemeinschaft. Doch immer wieder fanden sich engagierte Sängerinnen und Sänger, die durch ihren persönlichen Einsatz das Chorleben erneut aktivierten. 1948 verlieh der Magistrat der Stadt Fulda dem Ensemble den Titel „Städtischer Konzertchor“. Die Auszeichnung würdigt die musikalische Qualität und die nachhaltige kulturelle Bedeutung sowie die Rolle des Chores als musikalischer Botschafter der Stadt.
Seit 2011 leitet Chordirektor Carsten Rupp die Winfridia. Sein Leitsatz „Chorgesang ist mehr als Töne machen“ spiegelt sich in einer sorgfältigen Probenarbeit und bewusster Klanggestaltung wider, die auch die Zusammenarbeit mit Orchestern und Solistinnen und Solisten prägt. Heute ist der Städtische Konzertchor Winfridia Fulda das einzige weltliche Ensemble dieser Art in der Region und zählt zu den leistungsorientierten Chören Osthessens. Von den rund 200 Mitgliedern singen etwa 60 aktiv mit, die in wöchentlichen Proben und an Probenwochenenden anspruchsvolle Programme erarbeiten. Die Verbindung von Tradition und musikalischer Offenheit prägt dabei das Profil: Das Repertoire reicht von den Klassikern bis hin zu zeitgenössischen Werken. Kompositionen wie James Whitbourns „Annelies“ oder A. A. Sayguns „Yunus Emre“ bringen so interkulturelle Vielfalt auf die Konzertbühne.
vor der Orangerie Fulda (Winfridia)
Ganz im Sinne ihres Namensgebers Bonifatius, der auch als „Brückenbauer des christlichen Europa“ bezeichnet wird, führten Konzertreisen und Gastspiele die Winfridia u. a. nach Budapest, Como, Rom, Assisi, Davos, Arles, Straßburg, Israel, Leitmeritz und Dokkum. Zugleich pflegt der Chor enge regionale Verbindungen. Kooperationen wie z. B. mit einer ortsansässigen Ballettschule, dem Schulchor eines Gymnasiums sowie jungen Instrumentalsolistinnen und -solisten aus der Region zeigen seine Verwurzelung in Osthessen. Eine besondere Verbindung besteht zu Fuldas niederländischer Partnerstadt Stadt Dokkum. Dort präsentierte die Winfridia 2013 erstmals James Whitbourns „Annelies“. Das Oratorium basiert auf Texten aus dem „Tagebuch der Anne Frank“. 2025 folgte eine erneute Einladung des Dokkumer Freundschaftskomitees. Die Aufführung war ein musikalisches Geschenk der Stadt Fulda zu den niederländischen Feierlichkeiten „80 Jahre Frieden und Freiheit“.
Im Jubiläumsjahr 2026 präsentiert die Winfridia ihre gesamte stilistische Bandbreite. Nach einem Festgottesdienst im Februar standen im März die Hebriden-Ouvertüre op. 26 von Mendelssohn Bartholdy, Beethovens Chorfantasie in c-Moll und Mozarts Requiem auf dem Programm. Rund 60 externe Sängerinnen und Sänger folgten dem Aufruf, bei diesem offenen Chorprojekt mitzuwirken. Die Zahl der Singenden im Chor verdoppelte sich dadurch nahezu. Auch ein Projekttag im Mai stieß auf große Resonanz außerhalb des Chores. An einem Vormittag studierten die Teilnehmenden Christopher Tins „Baba Yetu“ ein, bekannt aus dem Videospiel „Civilization IV“. Am Nachmittag präsentierten sie das Werk im Rahmen eines Stundenkonzertes vor begeistertem Publikum. Den vorläufigen Höhepunkt bildeten unter dem Motto „Freudentänze - Festgesänge“ zwei Konzerte am letzten Septemberwochenende. Bei der Jubiläumsgala präsentierte die Winfridia einen rund 90-minütigen Querschnitt geistlicher und weltlicher Chormusik. Die Jubiläumsmatinee am Sonntagvormittag verband ein rund 60-minütiges Konzert mit Grußworten der Ehrengäste, darunter der Oberbürgermeister der Stadt Fulda, Dr. Heiko Wingenfeld, und Thomas Hanelt, Vorsitzender des VDKC-Landesverbandes Hessen/Saarland/Rheinland-Pfalz. Außerdem wurde ein Videoporträt des Chores von Dr. Barbara Petermann vorgestellt. An beiden Tagen spannte das Programm einen Bogen über rund 250 Jahre Musikgeschichte: von den großen Oratorien und Opernchören der Klassik und Romantik mit Werken von Haydn, Händel, Mendelssohn, Dvořák, Verdi, Brahms und Vaughan Williams bis hin zu moderner Chorliteratur und Filmmusik. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres ist für den 27. Dezember 2026 Bachs Weihnachtsoratorium als Familienkonzert geplant. Das Format soll einen Querschnitt aus allen sechs Kantaten vorstellen und sowohl kindgerecht sein als auch Erwachsenen Freude an Bachs Musik bieten.
Seit 150 Jahren prägt der Städtische Konzertchor Winfridia das kulturelle Leben Fuldas und bringt Menschen verschiedener Generationen zusammen. Im Jubiläumsjahr 2026 blickt der Chor mit Stolz auf seine Geschichte zurück und richtet den Blick gleichzeitig nach vorn: Der Tradition verpflichtet und offen für Neues, will die Winfridia auch in Zukunft ein breites Publikum mit vielseitigen Konzerten begeistern.
Elke Pummer, Gabi Pummer-Schütz
05.11.2026




