Geglücktes Experiment: Namibisch-deutsche Kooperation bei großem Chorprojekt

Thumbnail imageEs war ein Experiment: Afrikanische Jugendliche sollten lateinische und mittelhochdeutsche Texte singen – deutsche Sängerinnen und Sänger würden sich im Gegenzug an den Klicklauten der namibischen Sprache versuchen. In einer „Carmina Burana“, die es so noch nie gegeben hat. Mit 200 Mitwirkenden von zwei Kontinenten. Der Mut zahlte sich aus: Insgesamt 1300 begeisterte Zuschauerinnen und Zuschauer erlebten ausverkaufte Konzerte in Windhoek und Swakopmund, den größten Städten Namibias.

Die SingAkademie Niedersachsen hat – mit großer Unterstützung des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland – ihr bislang größtes und am stärksten ambitioniertes Projekt im März 2014 realisiert. Das interkulturelle Gesamtkunstwerk war in doppelter Hinsicht ein Erfolg. Zum einen musikalisch, indem es namibische und europäische Traditionen zu einem stimmigen Ganzen verband. Und zum anderen zwischenmenschlich: Gegenseitige Achtung und eine Kooperation auf Augenhöhe hätten im Zentrum der ungewöhnlichen Konzertreise gestanden, berichtet der künstlerische SingAkademie-Leiter Claus-Ulrich Heinke. Dieser Aspekt sei fast noch wichtiger als das künstlerische Ergebnis.

Alle Aufgaben waren paritätisch besetzten: Die Leitung teilte Heinke sich mit dem namibischen Chorleiter Engelhardt #Unaeb, der riesige Chor setzte sich aus dem Amdi-Khoen-Chor aus Windhoek, dem Mascato-Youth-Chor aus Swakopmund und der SingAkademie Niedersachsen zusammen, die mit fast 100 SängerInnen aus ganz Norddeutschland angereist war. Orchester und Solostimmen waren ebenfalls zu gleichen Teilen namibisch und deutsch besetzt.

Thumbnail imageDas Konzept, Orffs „Carmina Burana“ durch traditionelle namibische Lieder und Eigenkompositionen Engelhardt #Unaebs  zu ergänzen, erforderte intensive und ausgiebige Proben vor Ort. Heidrun Heinke als Stimmbildnerin hatte reichlich damit zu tun, mit den afrikanischen Teilnehmenden die richtige Intonation zu trainieren. Die Deutschen mühten sich derweil mit den ungewohnten afrikanischen Sprachklängen ab. „Keiner von uns hat das richtig beherrscht“, gibt Claus-Ulrich Heinke freimütig zu. Und es ging ja nicht nur ums Singen. „Die namibische Lieder werden immer mit Bewegung gesungen“, so der Dirigent.

Bei den MusikerInnen benötigte vor allem die sechsköpfige Schlagzeug-Gruppe einige Zeit, um zueinander zu finden. „Wir haben schnell gemerkt, dass die Namibier keine klassisch ausgebildeten Schlagzeuger sind. Die Proben waren dann eher Workshops“, erzählt Heinke. Die sprühende Musikalität der namibischen Trommler sei dann umso stärker hervorgetreten, als sie die afrikanischen Carmina-Ergänzungen mit wirbelnden Conga-Rhythmen begleiteten. „Die Mischung macht’s“, ist Heinke überzeugt.

Ein Empfang in der deutschen Botschaft in Namibia, sieben Botschafter als Gäste beim Konzert im Windhoek, Interviews im Nationalradio und anderen Sendern, ein Rahmenprogramm mit Ausflügen zu einem Waisenkinder-Projekt, in eine Township, auf Farmen, in den Irindi-Park für bedrohte Tierarten und in die Namib-Wüste ergänzten die musikalische Arbeit. Onno Hückmann, der deutsche Botschafter, habe das Projekt als einen wichtigen Beitrag zu den deutsch-namibischen Beziehungen eingestuft, so Claus-Ulrich Heinke. Das Verhältnis der beiden Staaten sei wegen der noch nicht vollständig aufgearbeiteten Zeit der deutschen Kolonialherrschaft teilweise etwas getrübt. Die künstlerische Zusammenarbeit sei davon unbelastet und ermögliche einen Blick nach vorn, von dem beide Seiten profitierten.

Kultur & Kommunikation (Ralf Neite), SingAkdemie Niedersachsen
22.05.2014

Fotos:
1) 200 SängerInnen und MusikerInnen aus Norddeutschland und Namibia wirkten bei den Konzerten in Windhoek und Swakopmund mit
2) Tanz und szenische Elemente, choreografiert von Heidrun Heike, belebten die deutsch-afrikanische Version der Carmina Burana (Udo Möbus)

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