Linien – Impulse – Horizonte
Mit einem Chorfest im Mai 2025 wurde in Weimar, dem Sitz des Generalsekretariats inmitten des Landesverbandes Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen, das 100. Jubiläum unseres Verbandes gefeiert.
Die Themen Nachwuchs und Zukunft der Chormusik standen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Würdigung von Traditionen. Der Georg-Friedrich-Händel-Ring des VDKC wurde in einem Festakt an Hans-Christoph Rademann verliehen. Eine prominent besetzte Podiumsdiskussion und eine Reihe von Interviews unter dem Titel CHORizonte setzten Impulse des Aufbruchs.
Mit unterschiedlichen Formaten haben die Landesverbände einen Strauß von Linien, Impulsen und Horizonten des Chorlebens gestaltet, die der Präsident bei seinen Besuchen vor Ort eindrucksvoll erleben konnte.
Den Reigen eröffnete der Landesverband Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland im Februar mit einem Symposium zum Thema Frauenstimme und Frauenchöre. Es ging den Initiator*innen um Thomas Hanelt um die Sichtung historischer Literatur für Frauenchöre, gleichzeitig aber um das Ausloten neuer Möglichkeiten für Komponierende, Chorleitende und Ensembles. Die katalanische Chorleiterin und Sängerin Buia Reixach i Feixes erarbeitete neue Chorliteratur in verschiedenen Sprachen. Mit Heike Kiefner-Jesatko (PH Heidelberg) wurden Besonderheiten in der chorischen Stimmbildung für Frauen beleuchtet, während Prof. Katharina Kutsch (HfM Freiburg) spezifische Herausforderungen der Gesangsmethodik thematisierte. Kammersängerin Barbara Zechmeister (Oper Frankfurt) ergänzte die Kolleginnen bei einer Podiumsdiskussion. Das „Archiv Frau und Musik“ sowie das „Deutsche Centrum für Chormusik“ stellten ihre Arbeit und neue Notenmaterialien vor. Die Vitalität der Teilnehmenden, zu denen auch einige am Thema sehr interessierte Männer gehörten, war beeindruckend und die über 50 Aktiven fuhren nach drei Tagen beschwingt und inspiriert nach Hause.
Im Mai feierten die ambitionierten Münchner Chöre vox nova und Sonat Vox ihre eigenen Jubiläen (15 und 10 Jahre) und mit dem Landesverband Bayern des VDKC. Unter dem jungen Dirigenten Justus Merkel erklangen zwei gemeinsame Konzerte in Holzkirchen und München, wo ich Zeuge eines sehr intensiven und bewegenden Abends mit A-cappella-Literatur wurde. Zeitlich beginnend bei Thomas Tallis, führte der Reigen über Monteverdi, Schütz, Pachelbel, Mendelssohn bis hin zu zeitgenössischen Werken von Gustav Gunsenheimer (*1934), Javier Busto (*1949), Vytautas Miškinis (*1954), Eric Whitacre (*1970) und Ola Gjeilo (*1987). Zu bestaunen waren die Perfektion des Klanges, eine makellose Intonation und der engagierte Einsatz für das zu großen Teilen unbekannte neue Repertoire.
in Cottbus (privat)
Der Landesverband Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern lud im Juni zu einem Chorfest in Kooperation mit dem Staatstheater Cottbus ein. Christian Möbius und Rudolf Tiersch – beide schon sehr lange dem VDKC verbunden – führten die Singakademien aus Frankfurt a. O., Potsdam und Cottbus zusammen und bewiesen einmal mehr, wie wichtig diese traditionellen Chorstrukturen als Partner der ansässigen Orchester für das regionale Musikleben sind. Das war bei einem Abend mit Musik von Mendelssohn genauso zu erleben wie beim Open Air im Branitzer Park mit Orffs Carmina Burana.
Zu einem zukunftsweisenden Höhepunkt wurde im September das von Judith Mohr, Harald Jers, Alexander Lüken und Michael Reif ins Leben gerufene Kammerchorfestival Köln, das undenkbar gewesen wäre ohne die engagierte ehrenamtliche Unterstützung der beteiligten vier Chöre Europäischer Kammerchor Köln, Junger Kammerchor Köln, Kammerchor CONSONO und Kammerchor CONSTANT.
In vier ausverkauften Konzerten erklang anspruchsvollste A-cappella-Literatur, die am letzten Tag von vier Uraufführungen nach einem Gedicht der Kölner Lyrikerin Hilde Domin gekrönt wurde. Mit gänzlich unterschiedlichen Konzepten näherten sich Stefan Heucke (*1959), Matthias Schaff (*1989), Magdalena Zimmermann (*1985) und Aljoscha Ristow (*1995) dem Text und schufen ca. 15-minütige Vertonungen, die vom kundigen Kölner Publikum in der Kirche St. Severin begeistert gefeiert wurden. Mit dem Abend und dem ganzen Festival wurde ein Aufbruchssignal für neue Chormusik und interessante neue Formate gesetzt. Die Unterstützung durch die Stadt Köln, den Landesmusikrat NRW und verschiedene andere Institutionen und Vereine lässt auf eine Fortsetzung hoffen.
In Göttingen durfte ich Anfang November ein Dirigierseminar des Landesverbandes Nordwest mit Antonius Adamske und Prof. Frank Löhr erleben, innerhalb dessen neun Studierende des Fachs Chordirigieren aus vier Ländern bzw. fünf Musikhochschulen sich mit Bachs Messe in h-Moll auseinandersetzten. Der Kammerchor der Universität Göttingen und das Göttinger Barockorchester erwiesen sich als perfekte und flexible Partner, die beiden Dozenten führten partnerschaftlich und mit ihrer geballten Erfahrung überaus kompetent die jungen Leute zu einem fulminanten Ergebnis.
Mit einem Bildungswochenende steuerte der Landesverband Baden-Württemberg Mitte November einen Akzent in Sachen Weiterbildung bei, die für die Ehrenamtlichen unserer Chöre immer wichtiger wird, gilt es doch, die Vereinsstrukturen effizient zu gestalten, interessante Werbung zu entwerfen sowie Organisation und Ticketverkauf ins digitale Zeitalter zu führen. Das Team um Jonathan Wahl und Laura Pysall hatte abwechslungsreiche Workshops zum Thema Videoproduktion, Förderstrukturen und Chor-Intonation zusammengestellt.
Jenseits dieser Veranstaltungen gab es zum Jubiläum Konzerte in Nürnberg, Hof, Bad Windsheim, Bochum, Hamburg, Magdeburg. In Essen wurde ein Tag der Kinder- und Jugendchöre veranstaltet. So spannt sich ein großer, durch Vielfalt getragener Bogen über alle Aktivitäten, die den auf aktuell 573 Chöre gewachsenen VDKC mit Energie und Zuversicht ins nächste Jahrhundert seiner Geschichte tragen: Entlang der Traditionslinien, mit frischen Impulsen und klaren Horizonten!
Vielen Dank für ein großartiges Jubiläumsjahr!
Ekkehard Klemm
08.12.2025



