Foto: Material für Chorsänger*innen (Ralf Schöne)
Foto: Material für Chorsänger*innen (Ralf Schöne)

Ein Konzertformat für Chöre, die Publikum, Raum und Thema zusammenbringen wollen

Im Rahmen des VDKC-Projekts „Land in Klang – Teilhabe durch Chormusik“ entstand im Anschluss an das Konzertprojekt „Die Schöpfungsgeschichte | Ein immersives Konzert-Erlebnis“, des Philharmonischen Chores Weimar am 29. März 2026 eine Handreichung, die die dabei gesammelten Erfahrungen bündelt und anderen Chören als praxisnahe Orientierung für die Entwicklung und Umsetzung eigener immersiver Konzertformate dienen soll.

Vorbemerkung

Chormusik lebt vom Konzert – und das klassische Konzert lebt von einer Erwartung, die immer weniger Menschen mitbringen: eine Stunde still sitzen, zuhören, applaudieren, nach Hause gehen. Wer im ländlichen Raum ein Publikum gewinnen will, das nicht ohnehin schon da ist, muss diese Erwartung nicht abschaffen, aber erweitern.

Das immersive Konzert-Erlebnis ist ein solcher Erweiterungsversuch. Es setzt anspruchsvolle Chormusik in einen erzählerischen, räumlichen und sozialen Zusammenhang, in dem das Publikum nicht nur zuhört, sondern beteiligt ist. Der Philharmonische Chor Weimar hat dieses Format 2026 gemeinsam mit der Kirchgemeinde Blankenhain erprobt. Diese Handreichung bündelt, was dabei gelernt wurde – in einer Form, die andere Chöre auf ihr eigenes Thema, ihren eigenen Ort und ihre eigenen Kräfte übertragen können.

Sie ist kein Regiekonzept und kein Rezept. Sie beschreibt Entscheidungen, die zu treffen sind, Aufgaben, die verteilt werden müssen, und Stolpersteine, die sich vermeiden lassen. Wo etwas ausdrücklich auf der Erfahrung des Referenzprojekts beruht, ist es als solches gekennzeichnet.

1. Was ein immersives Konzert-Erlebnis ausmacht

„Immersiv“ meint hier nicht Technik, sondern Haltung: Das Publikum soll sich innerhalb der Erzählung wiederfinden, nicht davor. Drei Merkmale unterscheiden das Format vom gewöhnlichen Konzert.

  • Eine durchgehende Erzählung. Nicht eine Folge von Programmpunkten, sondern ein Thema, das Musik, Text, Bild und Raum gemeinsam entfalten. Die Musik illustriert das Thema nicht – sie trägt es.
  •  Mehrere Sinneskanäle.Neben dem Hören stehen Sehen (Licht, Projektion, Ausstellung), Raumerfahrung (Sitzordnung, Wege, Blickachsen) und gelegentlich Geruch oder Geschmack, etwa beim Empfang. Nicht alles gleichzeitig, aber mehr als nur die Ohren.
  • Beteiligung als Bestandteil, nicht als Zugabe.Menschen aus dem Ort wirken mit: als Lesende, als Mitsingende, als Beitragende einer Ausstellung. Beteiligung ist im Ablauf verankert und wird nicht nur angeboten.

Abzugrenzen ist das Format von zwei Nachbarn: Ein szenisches Konzert inszeniert den Chor selbst und verlangt Regie, Probenzeit und Spielbereitschaft; eine Multimedia-Show stellt Technik in den Vordergrund. Das immersive Konzert-Erlebnis kommt mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln aus, weil sein Kern die Verknüpfung ist – nicht der Aufwand.

Warum sich der Aufwand lohnt

  • Es erreicht Menschen, die zu einem klassischen Chorkonzert nicht kämen – weil sie ein Kind in der Bilderausstellung haben, weil sie einmal mitsingen wollten, weil ihre Gemeinde beteiligt ist.
  • Es stärkt den Chor nach innen: gemeinsames Arbeiten an einem ungewohnten Format schweißt zusammen und weckt Fähigkeiten, die in der Probenroutine nicht sichtbar werden.
  • Es schafft belastbare Kontakte zu Partnern vor Ort, aus denen weitere Projekte entstehen können.
  • Es ist für Presse, Förderer und potenzielle Mitglieder erzählbar – ein Chorkonzert ist eine Ankündigung, ein Format ist eine Geschichte.

AUS DER PRAXIS

In Blankenhain (rund 6.500 Einwohner) kamen etwa 85 Besucherinnen und Besucher ins Konzert; aktiv beteiligt waren rund 45 Menschen – etwa 30 Sängerinnen und Sänger des Chores, vier mitsingende Gäste aus dem Ort, vier Konfirmandinnen und Konfirmanden, fünf Christenlehrekinder sowie Mitwirkende der Kirchgemeinde.

Diese Relation ist typisch und sollte nicht enttäuschen: Ein Viertel bis ein Drittel der Anwesenden ist selbst beteiligt. Genau darin liegt die Wirkung des Formats – und zugleich der Grund, warum die Werbung nicht allein auf Besucherzahlen zielen sollte.

 

2. Fünf Grundsätze

Ein Thema, kein Programm. Die erste Entscheidung ist nicht „Welche Stücke singen wir?“, sondern „Wovon erzählen wir?“. Alles Weitere – Werkauswahl, Lesungen, Licht, Beteiligungsformen – ergibt sich daraus. Wer umgekehrt vorgeht, landet bei einem Konzert mit Dekoration.

Der Raum ist Mitgestalter, nicht Kulisse. Ein Kirchenraum, eine Scheune, eine Halle bringen Akustik, Architektur und Bedeutung mit. Das Konzept sollte aus dem konkreten Raum entwickelt werden, nicht in ihn hineingezwängt.

Die musikalische Qualität bleibt der Kern. Beteiligung und Atmosphäre rechtfertigen keine Abstriche am Chorklang. Umgekehrt gilt: Wer sein Publikum beteiligt, muss ihm auch etwas bieten, das es allein nicht hervorbringen könnte.

Beteiligung braucht Einladung, nicht Aufforderung. Menschen steigen ein, wenn der Einstieg klein, freiwillig und jederzeit wieder verlassbar ist. Wer zum Mitsingen genötigt wird, bleibt beim nächsten Mal weg.

Der Aufwand liegt in der Koordination. Die künstlerische Arbeit ist vertraut. Anspruchsvoll ist das Zusammenführen vieler Beteiligter mit unterschiedlichen Kalendern, Erwartungen und Arbeitsweisen. Hier gehört die meiste Planungszeit hin.

3. Konzeption

Das Thema

Geeignet sind Themen, die drei Bedingungen erfüllen: Sie sind allgemein bekannt, sie sind bildstark, und sie lassen mehrere Deutungen zu. Die Schöpfungsgeschichte erfüllt alle drei – sie ist vertraut, sie ruft unmittelbar Bilder auf, und sie kann theologisch, ökologisch oder biografisch gelesen werden. Ebenso tragfähig sind etwa Licht und Dunkelheit, Wasser, die Jahreszeiten, Ernte und Dankbarkeit, Frieden, Abschied und Trost oder die Geschichte des eigenen Ortes.

Die Musik

  • Ein Kernwerk gibt dem Abend Format und Anspruch. Auszüge aus einem großen chorsymphonischen Werk sind legitim und oft klüger als eine unvollständige Gesamtaufführung.
  • Prüfen Sie früh die Aufführbarkeit ohne Orchester: Klavier-, Orgel- oder kammermusikalische Fassungen entscheiden häufig darüber, ob das Projekt finanzierbar ist.
  • Planen Sie zwei bis drei Sätze ein, die auch von Gästen ohne Vorbereitung mitgesungen werden können – homophon, in mäßigem Tempo, mit überschaubarem Ambitus und wiederkehrendem Text.
  • Ergänzende kürzere Werke schaffen Übergänge und Stimmungswechsel und entlasten den Chor zwischen den anspruchsvollen Nummern.

Beteiligungsformate

Aus dem folgenden Katalog genügen drei bis vier Formen. Mehr überfordert die Organisation, nicht das Publikum.

  • Offene Probe: Interessierte erleben, wie ein großes Werk erarbeitet wird, und dürfen mitsingen. Das niedrigschwelligste und wirksamste Format.
  • Mitsingen im Konzert: Gäste der offenen Probe treten am Abend mit dem Chor auf. Die Zusage sollte bis zum Schluss offen bleiben dürfen.
  • Lesungen: Konfirmandinnen und Konfirmanden, Jugendgruppen, Vereinsmitglieder oder Ortsprominenz tragen Texte vor, die durch die Erzählung führen.
  • Bildbeiträge: Kinder gestalten Bilder zum Thema, die ausgestellt oder projiziert werden. Das bringt Familien ins Konzert – zuverlässiger als jede Anzeige.
  • Eigene Deutungen: Kurze persönliche Statements von Menschen aus dem Ort, gesprochen oder als Text im Programmheft.
  • Publikumsbeteiligung im Konzert: Ein gemeinsam gesungener Choral, ein Kanon, ein Moment des Lichtanzündens.

Sinnesebenen und Dramaturgie

Legen Sie früh eine Ablaufskizze an, die für jede Position vier Spalten führt: Was erklingt, was zu sehen ist, was gesprochen wird und wer dafür verantwortlich ist. Diese Skizze ist das eigentliche Arbeitsdokument des Projekts – sie ersetzt Absprachen, die sonst mündlich verloren gehen.

  • Klären Sie die Applausfrage bewusst. Ein durchgehender Ablauf ohne Zwischenapplaus trägt die Immersion, muss aber angekündigt werden – im Programmzettel oder in der Begrüßung.
  • Rechnen Sie mit 60 bis 75 Minuten ohne Pause. Immersive Formate vertragen keine Unterbrechung; wird es länger, zerfällt die Spannung.
  • Übergänge sind die schwierigsten Momente. Jeder Wechsel zwischen Musik, Lesung und Lichtstimmung braucht eine festgelegte Auslösung: ein Zeichen, einen Blick, eine Nummer auf der Cue-Liste.
  • Weniger Mittel, konsequent eingesetzt, wirken stärker als viele Mittel nebeneinander. Zwei Lichtstimmungen, die zum Text passen, schlagen zehn Farbwechsel.

4. Die Kooperation

Das Format lebt von einem Partner, der den Ort und die Menschen mitbringt, während der Chor die Musik mitbringt. Im Referenzprojekt war das eine Kirchgemeinde; ebenso denkbar sind Museen, Schulen, Heimat- oder Naturschutzvereine, Kommunen oder Dorfgemeinschaften.

  • Führen Sie ein Erstgespräch, in dem beide Seiten benennen, was sie beitragen können und was sie sich erhoffen. Der Partner ist kein Veranstaltungsdienstleister und der Chor kein Gastspielbetrieb.
  • Halten Sie schriftlich fest, wer was verantwortet: Raum und Schlüssel, Technik, Bestuhlung, Werbung vor Ort, Beteiligung der Gruppen, Verpflegung, Einnahmen und Kollekte.
  • Berücksichtigen Sie den Kalender des Partners. Bei Kirchgemeinden heißt das: Kirchenjahr, Gottesdienstplan, Konfirmandenunterricht, Gemeindebriefredaktionsschluss – all das liegt lange vor Ihrem Konzerttermin fest.
  • Benennen Sie auf beiden Seiten je eine feste Ansprechperson. Doppelte Kommunikationswege sind die häufigste Fehlerquelle.
  • Planen Sie mindestens ein gemeinsames Treffen im Raum selbst, mit allen, die am Konzertabend Verantwortung tragen.

AUS DER PRAXIS

In Blankenhain brachte die Gemeinde die inhaltliche Aufbereitung des Themas ein – Lesungen der Konfirmandinnen und Konfirmanden, Bilder der Christenlehrekinder, die Verankerung im Gemeindeleben. Der Chor öffnete seine Probenarbeit und gestaltete den Abend musikalisch.

Diese Gegenseitigkeit ist der Kern: Beide Seiten geben etwas ab, das die andere nicht hat. Ein Projekt, in dem nur eine Seite liefert und die andere zusieht, trägt das Format nicht.

 

5. Zeitschiene

Sechs bis neun Monate sind ein realistischer Vorlauf, wenn Fördermittel beantragt werden. Ohne Förderung genügen vier bis fünf Monate. Die folgende Übersicht rechnet rückwärts vom Konzerttermin.

Zeitpunkt

Aufgaben

9–6 Monate vorher

Idee und Thema klären; Partner ansprechen; Termin und Raum reservieren; grobe Werkauswahl; Förderantrag vorbereiten und einreichen; Budgetrahmen abschätzen.

6–4 Monate vorher

Konzept und Ablaufskizze erstellen; Rollen im Projektteam verteilen; Beteiligungsformate mit dem Partner festlegen; Notenmaterial beschaffen; Aufführungsrechte klären; Technikbedarf ermitteln und Angebote einholen.

4–3 Monate vorher

Probenplan des Chores anpassen; Beteiligte vor Ort ansprechen (Lesende, Kinder, Mitsingende); Ortstermin im Raum mit Technik- und Lichtcheck; Gestaltung von Plakat, Programmzettel und Website beginnen.

8–6 Wochen vorher

Plakate und Flyer drucken und verteilen; Ankündigung in Gemeindebrief und Vereinsmedien; Website veröffentlichen; Einverständniserklärungen für Bild- und Tonaufnahmen einholen; Fotografin oder Filmemacher beauftragen.

4–3 Wochen vorher

Pressemitteilung versenden; Social-Media-Ankündigungen; Ablaufskizze finalisieren und an alle Beteiligten verteilen; Verpflegung organisieren; Technik verbindlich buchen.

1–2 Wochen vorher

Cue-Liste mit Licht und Projektion abstimmen; Programmzettel drucken; Beteiligte vor Ort telefonisch erinnern; Aufbau- und Ablaufplan des Konzerttages verschicken.

Konzerttag

Aufbau, Technikprobe im abgedunkelten Raum, offene Probe, Generalprobe, Einlass, Konzert, gemeinsamer Ausklang, Abbau.

1–4 Wochen danach

Dank an alle Beteiligten; Bericht auf Website und in Social Media; Fotos und Film veröffentlichen; Auswertungsrunde im Chor und mit dem Partner; Verwendungsnachweis und Abrechnung; Kontakte zu Interessierten nachfassen.

 

6. Organisation

Rollen im Projektteam

Auch ein kleines Projekt braucht klar benannte Zuständigkeiten. Mehrere Rollen können in einer Person zusammenfallen – aber sie sollten benannt sein, damit am Konzerttag niemand auf jemanden wartet.

Rolle

Verantwortung

Projektleitung

Gesamtkoordination, Zeitplan, Kommunikation zwischen den Partnern, Förderantrag und Nachweis.

Musikalische Leitung

Werkauswahl, Probenarbeit, offene Probe, Einbindung der mitsingenden Gäste, musikalische Übergänge.

Ansprechperson vor Ort

Raum, Schlüssel, Bestuhlung, Beteiligung der örtlichen Gruppen, Werbung im Ort.

Technik

Licht, Projektion, Strom, Kabelwege, Cue-Liste, Auf- und Abbau.

Öffentlichkeitsarbeit

Plakat, Programmzettel, Website, Presse, Social Media, Förderhinweise.

Dokumentation

Fotografie, Film, Einwilligungen, Materialsicherung für Bericht und Nachweis.

Gastbetreuung

Empfang der Gäste bei der offenen Probe, Noten, Namensschilder, Plätze im Konzert.

Verpflegung

Kaffee und Kuchen zwischen Probe und Konzert, Getränke für Mitwirkende, Ausklang.

 

Budget und Förderung

Kalkulieren Sie mindestens die folgenden Posten, auch wenn einzelne davon ehrenamtlich oder als Sachleistung erbracht werden – für einen Förderantrag müssen sie sichtbar sein.

  • Honorare: musikalische Leitung, Korrepetition, Instrumentalbegleitung, gegebenenfalls Solistinnen und Solisten
  • Technik: Miete für Licht und Projektion, Bedienung, Verbrauchsmaterial
  • Notenmaterial: Kauf, Leihmaterial, Kopien für Gäste der offenen Probe
  • Aufführungsrechte und GEMA-Meldung, sofern nicht gemeinfrei
  • Öffentlichkeitsarbeit: Gestaltung und Druck von Plakat, Flyer, Programmzettel; Fotografie und Film
  • Fahrtkosten, Verpflegung, Raummiete oder -nebenkosten, Versicherung

Fördermöglichkeiten bestehen unter anderem über Programme des VDKC, des Bundesmusikverbands Chor & Orchester, der Landesmusikräte und Landeschorverbände, kommunale Kulturförderung, Landkreis- und Stiftungsmittel sowie Programme zur kulturellen Teilhabe im ländlichen Raum. Prüfen Sie früh, welchen Eigenanteil Sie leisten müssen und welche Kommunikationspflichten – Logos, Förderhinweise, Nachweise – mit der Zusage verbunden sind.

Rechtliche Fragen

  • Aufführungsrechte und Notenmaterial: Bei geschützten Werken ist die Zahl der Exemplare relevant, insbesondere für die Kopien, die Gäste der offenen Probe erhalten.
  • Bild- und Tonaufnahmen: Schriftliche Einwilligungen aller Mitwirkenden einholen, bei Minderjährigen von den Sorgeberechtigten. Ein Hinweis am Einlass genügt für das Publikum, nicht für gezielte Porträtaufnahmen.
  • Projizierte Bilder: Auch Kinderzeichnungen sind urheberrechtlich geschützt. Klären Sie die Nutzung für Projektion, Website und Presse mit.
  • Raum und Sicherheit: Kabelwege, Fluchtwege, Brandschutz und Beleuchtungskörper mit den Verantwortlichen des Hauses abstimmen. Offene Flammen sind in vielen Räumen nicht zulässig.
  • Versicherung: Klären Sie, ob Veranstaltungs- und Haftpflichtschutz für Mitwirkende gelten, die nicht Vereinsmitglieder sind.

Raum und Technik

Prüfen Sie beim Ortstermin, was folgende Fragen ergeben – am besten mit Technik und musikalischer Leitung gemeinsam.

  • Wie viele Stromkreise stehen zur Verfügung, wo liegen sie, und reichen die Kabellängen?
  • Lässt sich der Raum wirklich abdunkeln? Zu welcher Uhrzeit ist es im Innenraum dunkel – am Konzerttag, nicht im Sommer?
  • Welche Flächen eignen sich für Projektion? Gewölbe, Chorraum und Altarwand nehmen Licht sehr unterschiedlich an.
  • Wie ist die Akustik bei besetztem Raum, und wo steht der Chor am günstigsten?
  • Ist der Raum am Konzerttag beheizt, und wie lange dauert das Aufheizen? Im Frühjahr entscheidet das über die Verweildauer des Publikums.
  • Sitzordnung, Wege, Barrierefreiheit, Toiletten, Parkplätze, Ansprechperson für Schlüssel und Zugang.

Werbung im ländlichen Raum

Was in der Stadt funktioniert, funktioniert auf dem Land nur begrenzt. Wirksam sind vor allem die Kanäle des Partners und die persönliche Ansprache.

  • Aushänge und Plakate an den tatsächlichen Wegen: Bäcker, Einkaufsmarkt, Arztpraxis, Gemeindehaus, Schaukästen
  • Gemeindebrief, Abkündigung im Gottesdienst, Vereinsnachrichten, Amtsblatt der Kommune
  • Digitales Banner für Messenger-Gruppen des Ortes – erfahrungsgemäß die schnellste Verbreitung
  • Pressemitteilung an die Regionalzeitung drei bis vier Wochen vorher, mit Foto und klarer Terminangabe; Wiederholung eine Woche vorm Konzerttermin
  • Eine eigene Projektseite auf der Chorwebsite, die auch nach dem Konzert bestehen bleibt und für Förderer, Presse und Nachahmer als Beleg dient

7. Der offene Probentag

Die offene Probe ist das Herzstück des Formats. Sie kostet fast nichts, verlangt aber Vorbereitung – und sie entscheidet darüber, ob aus Zuschauenden Beteiligte werden.

  • Kündigen Sie klar an, was erwartet wird und was nicht: Notenkenntnisse sind nicht nötig, Zuhören ist ausdrücklich erlaubt, Mitsingen ist möglich, aber freiwillig.
  • Legen Sie vorab fest, welche zwei bis drei Sätze für Gäste geeignet sind, und halten Sie Kopien, Stifte und Sitzplätze in den Registern bereit.
  • Beginnen Sie mit einem gemeinsamen Einsingen. Wer einmal mit allen zusammen einen Ton gesungen hat, bleibt eher.
  • Erklären Sie zwischendurch, was gerade passiert. Für Gäste ist Probenarbeit unverständlich, wenn niemand sie einordnet – und faszinierend, sobald es jemand tut.
  • Registerproben eignen sich besonders gut: kleine Gruppen, unmittelbare Erfolgserlebnisse, weniger Scheu.
  • Planen Sie eine Pause mit Kaffee und Kuchen ein. Dort entstehen die Gespräche, aus denen Mitsingzusagen und manchmal Mitgliedschaften werden.
  • Sprechen Sie die Einladung zum Mitsingen im Konzert ausdrücklich aus – am besten in der Pause, persönlich, mit der Zusicherung, dass ein Rückzug jederzeit möglich ist. Diese Einladung entsteht nicht von selbst.
  • Klären Sie Kleidung und Platzierung: Gäste stehen am besten inmitten des Chores, nicht am Rand, und in dem, was sie tragen.

AUS DER PRAXIS

In Blankenhain haben sich vier Besucherinnen und Besucher der offenen Probe entschieden, die einstudierten Chorsätze am Abend gemeinsam mit dem Chor aufzuführen. Dieser Schritt vom Zuhören zum Mitsingen war der eindrücklichste Moment des Projekts – und er lässt sich nicht planen, nur ermöglichen.

Praktisch heißt das: Die Sätze müssen einfach genug sein, die Einladung muss ausgesprochen werden, und es muss einen konkreten Platz im Chor geben, auf den die Gäste sich stellen können.

 

8. Der Konzerttag

Der folgende Ablauf gibt eine Orientierung für einen Nachmittag mit offener Probe und einem Konzert am frühen Abend. Die Zeiten sind an den eigenen Raum und die eigenen Kräfte anzupassen.

Zeit

Was passiert

Vormittag

Aufbau von Technik, Licht und Projektion; Hängen der Ausstellung; Bestuhlung; Beschilderung.

Früher Nachmittag

Technikprobe mit abgedunkeltem Raum; Durchlauf der Cue-Liste; Einsingen des Chores.

Nachmittag

Offene Probe mit Gästen, einschließlich Registerarbeit und Erläuterungen; Ankunft der Lesenden.

Vor dem Konzert

Kaffee und Kuchen für alle Mitwirkenden; Generalprobe der Übergänge mit Lesenden und Technik; letzte Absprachen.

Einlass

Programmzettel verteilen; Hinweis auf durchgehenden Ablauf und Applaus; Ausstellung ist zugänglich.

Konzert

Durchgehender Ablauf von 60 bis 75 Minuten ohne Pause.

Danach

Gemeinsamer Ausklang mit Publikum, Gemeinde und Chor; Gespräche, Kontaktliste für Interessierte; Abbau.

 

  • Führen Sie eine schriftliche Cue-Liste mit durchnummerierten Positionen: Nummer, Musik oder Text, Lichtstimmung, Projektion, auslösende Person. Alle Beteiligten arbeiten mit demselben Blatt.
  • Halten Sie eine Person frei, die während des Konzerts nur koordiniert und weder singt noch spricht.
  • Briefen Sie Fotografie und Film vorab: welche Momente wichtig sind, wo man stehen darf, wann Blitzlicht ausgeschlossen ist.
  • Kinder und Jugendliche brauchen eine feste Betreuungsperson, einen klaren Sitzplatz und ein vereinbartes Zeichen für ihren Einsatz.

9. Nachbereitung

  • Danken Sie zeitnah und namentlich – dem Partner, den Beteiligten vor Ort, den Familien der mitwirkenden Kinder, den Helfenden.
  • Veröffentlichen Sie einen Bericht mit Fotos auf der eigenen Website und in den Kanälen des Partners. Eine dauerhafte Projektseite ist wertvoller als ein Social-Media-Beitrag, der nach drei Tagen verschwindet.
  • Ein kurzer Film – auch mit einfachen Mitteln gedreht – ist das wirksamste Mittel, um das Format anderen erklärbar zu machen.
  • Werten Sie im Chor aus: Was hat getragen, was hat gefehlt, was würden wir wieder so machen? Führen Sie dasselbe Gespräch mit dem Partner.
  • Pflegen Sie die Kontakte: Wer bei der offenen Probe mitgesungen hat, sollte innerhalb von zwei Wochen eine persönliche Einladung zur nächsten Probe bekommen.
  • Sichern Sie Ablaufskizze, Cue-Liste, Budget und Materialien so, dass eine Wiederholung an einem anderen Ort davon zehren kann.
  • Erstellen Sie Verwendungsnachweis und Belegdokumentation zügig, solange die Erinnerung frisch ist.

10. Stolpersteine

Die Koordination wird unterschätzt. Probenarbeit, offene Probe, Beiträge des Partners, Technik und die Einbindung von Kindern und Jugendlichen müssen zeitlich und organisatorisch ineinandergreifen. Das war im Referenzprojekt die größte Herausforderung – und es ist genau der Punkt, an dem zusätzliche Planungszeit den größten Ertrag bringt.

Zwei Institutionen, zwei Kulturen. Chor und Gemeinde arbeiten unterschiedlich, entscheiden unterschiedlich und kommunizieren unterschiedlich. Feste Ansprechpersonen und schriftliche Verabredungen federn das ab.

Licht lässt sich nicht bei Tageslicht proben. Was am Nachmittag stimmig aussieht, ist am Abend zu hell oder zu dunkel. Planen Sie ein Zeitfenster für eine Technikprobe unter realen Lichtverhältnissen ein.

Zu viele Mittel gleichzeitig. Licht, Projektion, Ausstellung, Lesungen und Beteiligung – jedes Element für sich trägt, alle zusammen können sich neutralisieren. Streichen Sie im Zweifel.

Besucherzahlen als alleiniger Maßstab. Im ländlichen Raum ist ein volles Haus selten. Der Ertrag liegt in der Zahl der Beteiligten, in den entstandenen Kontakten und in der Wiederholbarkeit.

11. Übertragbarkeit

Das Format ist nicht an die Schöpfungsgeschichte, nicht an eine Kirche und nicht an eine Kirchgemeinde gebunden. Es braucht ein Thema, einen Raum mit Charakter, einen Partner mit Menschen und einen Chor, der bereit ist, seine Probenarbeit zu öffnen.

  • Themen: Licht und Dunkelheit, Wasser, Jahreszeiten, Ernte und Dank, Frieden, Abschied und Trost, Aufbruch und Migration, die Geschichte des eigenen Ortes.
  • Partner: Kirchgemeinden, Museen und Gedenkstätten, Schulen und Kitas, Heimat-, Natur- und Sportvereine, Kommunen, Feuerwehren, Landfrauenverbände.
  • Räume: Dorfkirchen, Scheunen und Reithallen, Industriehallen und Werkstätten, Bahnhöfe, Freiluftbühnen, Museumssäle.
  • Formate: Ein einzelner Projekttag wie im Referenzprojekt, eine Reihe an mehreren Orten, ein Projektwochenende mit Workshop oder eine Wiederaufnahme mit wechselnden lokalen Beteiligten.

12.  Kurzcheckliste

Vor dem Projekt

Vor dem Konzert

☐  Thema festgelegt und in einem Satz formulierbar

☐  Ablaufskizze und Cue-Liste bei allen Beteiligten

☐  Partner gewonnen, Beiträge beider Seiten geklärt

☐  Technikprobe unter realen Lichtverhältnissen absolviert

☐  Termin, Raum und Schlüsselzugang verbindlich

☐  Programmzettel gedruckt, Applaushinweis enthalten

☐  Werkauswahl und Fassung geklärt, Noten beschafft

☐  Beteiligte vor Ort persönlich erinnert

☐  Sätze für mitsingende Gäste ausgewählt

☐  Einverständniserklärungen vollständig

☐  Budget aufgestellt, Förderung beantragt

☐  Betreuung für Kinder und Gäste benannt

☐  Rollen im Projektteam benannt

☐  Verpflegung und Ausklang organisiert

☐  Aufführungs-, Bild- und Tonrechte geklärt

☐  Fotografie und Film gebrieft

☐  Werbeplan mit den Kanälen des Partners

☐  Kontaktliste für Interessierte bereitgelegt

 

Das Referenzprojekt im Überblick

Merkmal

Angabe

Titel

Die Schöpfungsgeschichte | Ein immersives Konzert-Erlebnis

Datum und Ort

29. März 2026, Kirche St. Severi und Gemeindehaus Blankenhain (Thüringen, rund 6.500 Einwohner)

Träger

Philharmonischer Chor Weimar e. V., musikalische Leitung: Ralf Jorik Schöne

Kooperationspartner

Kirchgemeinde Blankenhain, Pfarrer Dr. Markus Hille, mit junger Gemeinde, Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie Christenlehrekindern

Musik

Auszüge aus Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ sowie Werke zu Licht, Leben und Dankbarkeit

Format

Offene Probe am Nachmittag mit Mitsingmöglichkeit; abendliches Konzert mit Lesungen, Bildergalerie, farbiger Illumination des Gewölbes und Projektionen in den Altarraum

Beteiligte

Rund 45 aktiv Mitwirkende, darunter etwa 30 Chormitglieder und vier mitsingende Gäste aus Blankenhain

Publikum

Etwa 85 Besucherinnen und Besucher

Förderung

„Land in Klang“, ermöglicht durch den Verband Deutscher KonzertChöre (VDKC) und die Deutsche Postcode Lotterie

Dokumentation

Projektseite mit Bildergalerie und Film: philharmonischerchor-weimar.de/news-projekte/die-schöpfungsgeschichte-2026

 

Autorin und Kontakt

Prof. Dr. Evelyn Kästner, Philharmonischer Chor Weimar e. V., c/o Ludolph-Brauer-Straße 23, 99438 Bad Berka. Rückfragen zum Format und zur Umsetzung sind ausdrücklich willkommen.

Dr. Evelyn Kästner

16.09.2026

Veranstaltungen der Mitgliedschöre

Sound of Democracy
22.10.2026 19:00 - 20:30
Alzenau
Süddeutscher Kammerchor


Chorkonzert mit Bach, Brahms und Sisask
23.10.2026 19:30 - 21:00
München
MonteverdiChor München


Musikalischer Abendsegen
23.10.2026 20:00 - 21:00
Lübeck
Kammerchor VOCADEO


Katharsis – Reinigung, Läuterung, Umkehr, Neuanfang
24.10.2026 15:00 - 16:00

fiat ars


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24.10.2026 18:00 - 20:00
Obermarchtal
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