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Start Service Werkeinführungen Verdi, Giuseppe: Messa da Requiem
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Giuseppe Verdi: Messa da Requiem
Autor: Prof. Reiner Schuhenn, Wortanzahl: 482
Lizenzgebühr für Chöre, die nicht Mitglied im VDKC sind: 11,47 € inkl. MwSt.

Verbindliche Nutzungshinweise

1. Die Nutzung des Textes für Programmhefte ist für Mitgliedschöre des VDKC, die selbst an der Aufführung des Werkes beteiligt sind, unter Angabe der Quelle (Autor und Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verbandes Deutscher KonzertChöre.), kostenfrei.
2. Chöre, die kein VDKC-Mitglied sind, können den Text gegen Zahlung einer Lizenzgebühr und unter Angabe der Quelle (Autor und Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verbandes Deutscher KonzertChöre.), verwenden. Die Gebühr ergibt sich jeweils aus der Anzahl der Wörter und wird anteilig vom VDKC an den Autoren weitergeleitet. Die Zahlung leisten Sie bitte vor Verwendung des Textes auf folgendes Konto: VDKC, IBAN: DE60 8205 4052 0305 0198 48, BIC: HELADEF1NOR bei der Kreissparkasse Nordhausen.

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Zum 200. Geburtstag des großen italienischen Komponisten Giuseppe Verdi führen der Figuralchor Bonn und der Madrigalchor der Hochschule für Musik und Tanz Köln dessen berühmtestes geistliches Werk auf, die „Messa da Requiem", die im Übrigen der Komponist persönlich im Jahre 1875 in Köln als deutsche Erstaufführung dirigiert hat.
Das besondere dieser Aufführung wird die Ausführung des Orchesterparts
sein: Es wird neben dem Chor und den Vokalsolisten nicht das übliche große Orchester zu hören sein, sondern ein nur fünfköpfiges Ensemble (Marimbaphon, Klavier, Horn, Schlagwerk und Kontrabass). Diese Fassung, die soeben erst im Carus-Verlag erschienen ist, hat der bekannte Berliner Chorpädagoge Michael Betzner-Brandt geschrieben, der damit die alte Tradition des Arrangierens aufgreift. Damit erhält das bekannte Chorstück – bei gleichbleibendem Notentext – ein völlig neues, und für viele Hörerinnen und Hörer ungewohntes Klanggewand. Diese Tradition des Bearbeitens aber ist eine jahrhundertealte und auch legitime, denken wir nur an zahlreiche historische Bearbeitungen: Bach adaptiert Vivaldi-Konzerte für die Orgel, Mozart schreibt Fugen aus Bachs Wohltemperiertem Klavier für Streichtrio um, Michael Gotthard Fischer, ein Zeitgenosse Beethovens, schreibt einige von dessen Sinfonien (etwa die berühmte „Pastorale") für Streichsextett um usw. Erfreulich, dass diese Kunst des Umschreibens nun wieder Realität wird – zumal sie hier den angenehmen Vorteil mit sich bringt, dass diese große Requiem-Vertonung dadurch auch für Kammerchöre zugänglich wird.
Mit dieser Neubearbeitung erhält der Chor plötzlich eine stärkere Beleuchtung, was an den Chor eine noch höhere Anforderung stellt, als das komplexe Werk ehedem schon mit sich bringt – der Chor kann sich nicht mehr klanglich „ins Orchester fallen lassen" oder gar dahinter „verstecken". Dadurch aber hat der Chor eine stärkere akustische
Präsenz: Das Element des Sprachlichen gewinnt, das des Symphonischen tritt demgegenüber etwas zurück. Eine neue Balance entsteht.
Auch innerhalb des Instrumentalensembles entstehen neue Gewichtungen; genau genommen handelt es sich bei dieser Neufassung um eine klanglich bereicherte Klavierauszugfassung: Die Pianistin gibt in stupender Virtuosität fast den kompletten Orchesterpart wieder, alle bedeutenden Solostimmen sind in das Horn verlegt, die Rhythmuszeichnung und kraftvolle Pointierung bleibt im Schlagwerk, und der Kontrabass trägt das Ensemble klanglich. Schwieriger ist es bei solch einer Neufassung mit der Umwidmung der im Original vorgesehenen Klangflächen der Geigen und Bratschen. Betzner-Brand überträgt diese Klangflächen oft auf das Marimbaphon – und auf den Chor: Bei zwei vokalen Solo-Arien muss der Chor im Hintergrund summen – auch ein neuer Klangeffekt in Verdis Requiem, die nonverbale und damit „sprachlose" Singweise. Eine der Trauer des Requiems durchaus angemessene Klanglichkeit.
Ich bin überzeugt, dass diese Fassung dem geübten Hörer nicht nur ein „Weniger" bietet (eben „nur" ein „Mini-Orchester"), sondern dass sie ihm vor allem ein „Mehr" bietet, nämlich die Chance zu einer neuen Erstbegegnung mit der vertrauten Musik, die Chance zum Erlebnis einer verstärkten Transparenz und Durchhörbarkeit, und damit auch den Zugang zum Kern des Stückes, nämlich zur verzweifelten Klage über den Tod eines geliebten Menschen, die Verdi in so ungemein berührender Weise in Musik gegossen hat und uns alle, Zuhörer wie Ausführende, an berührend Existentielles heranführt.

Prof. Reiner Schuhenn
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verbandes Deutscher KonzertChöre.


 

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11.07.2016

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